• Clickbait

      Ich finde, wir reden viel zu wenig über Clickbait. Ganz oft ist die Reaktion ein Schulterzucken, jo mei, so ist die Welt, Kapitalismus funktioniert halt so. Viele gefallen sich in diesem Zynismus. Als ob eine herablassende, wegwerfende Haltung einen Schutz vor dummen und faktisch falschen Ansichten böte.

      Dabei fallen wir alle permanent darauf herein, sind permanent damit konfrontiert, und ich glaube, dass die Folgen weiter reichen als nur, dass wir halt ein bisschen zweifelhaften “Content” (auch so ein ekelhaftes Wort) konsumieren.

      Wenn nämlich alles, was ich mir anschaue, vergiftet ist – optimiert für Aufmerksamkeit (vulgo Geld), völlig ohne Rücksicht auf Wahrheit oder Ethik – wenn alle Werbung betreiben und auch alle Leute, denen man eigentlich vertrauen möchte, dich für Geld anlügen – dann MUSS das Folgen für die eigene Psyche haben. Es muss Menschen misstrauischer machen. Es muss das soziale Gefüge schädigen.

      Podcaster, die sich nicht in der Pflicht sehen, die Aussagen ihrer Gäste zu prüfen oder ein winziges bisschen dagegenzureden, weil sie ja “nur ganz neutral Menschen mit Meinungen anhören” – dann aber diese Gäste gezielt nach möglichst großem Kontroversenpotential aussuchen anstatt nach Expertise – missbrauchen das Vertrauen, das in ihre Persona gesetzt wird. Sie machen es nicht nur schwieriger, Wahrheit zu erkennen, und verbreiten zum Teil gesundheitsschädlichen Unfug, sondern sie zerstören das Vertrauen, das Menschen zueinander haben und das wir brauchen, um eine Gesellschaft aufzrechtzuerhalten.

      Die Frage ist natürlich: Was tun?

      Susanne Schandl, Thomas Rinder und 2 andere
      4 Kommentare
      • Elène V. (bearbeitet)

        Mir wäre keine Phase der Kommunikationsgeschichte (ganz zu schweigen von jener des Produkt/Leistungsverschleißes vulgo Marketing & Verkauf) gewahr, in der das anders gewesen wäre:

        Von der Moritat und den Geschichtenerzählern über Heldenepen bis zu dem, was Du beklagst: Sie alle betrieben Aufmerksamkeitssammlung, -generierung und -fokussierung – und die meisten wenigstens teilweise als business model.

        Und es ist nun mal systemimmanent, dass es erstens Erhalt durch Wachstum geben soll und zweitens Zurückhaltung zwar eine moralische Größenordnung sein mag, aber keine, die besonders verbreitet wäre, weil sie zu Wachstum meist konträr steht.

        Wäre es schön, wenn … ja was?

        Es ist eine völlig logische Fortschreibung in eine Zeit, in der halt jede und jeder in der Lage ist, aus dem Fenster zu schreien – und auch gehört wird: Die Aufmerksamkeitsökonomie drücken wir – ebenso wie praktisch alles, was uns umgibt – nicht mehr in die Tube zurück.

        Also versuchen alle, noch lauter zu schreien – und das ganz besonders, wenn sie vermeinen, Grund und Mission dafür zu haben. Das ändert niemand.

        Wenn es etwas gibt, was „man tun kann“, dann, Menschen immer und immer wieder darin zu unterstützen, in der Flut kritisch rumzustochern und sich die halbwegs nahrhaften Fische rauszuholen.

        Der Rest ist Darwin.

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        • Ich klicke bewusst nicht, wenn die wesentlichen Informationen nicht im Teaser stehen. Das erfordert immer wieder Disziplin. Die Neugier ist ein Hund 😉

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          • Zum Thema, “was man tun kann”, hier ein paar konkrete Maßnahmen, die ich gesetzt habe, um dder Rage-Spirale zu entkommen: Ich schaue Videos prinizipell nur, nachdem ich sie vorher auf eine Playlist gesetzt habe. Ich nehme alles aus meinen Subscriptions raus, was mir zu reißerisch ist (leider nicht allen Clickbait, weil das praktisch alle machen, auch die die eigentlich gut sind). Ich bin nicht auf Twitter und nur sehr mäßig auf FB. Auf Reddit habe ich praktisch alle Subs abbestellt und die, die miich interessieren, in Themen-Multireddits gestellt – das hat einen ähnlichen Effekt wie die Youtube-Playlists. Und ich versuche einfach generell, mich nicht mehr auf sinnlose Debatten einzulassen.

            • …und ich meide Tiktok wies Weihwasser. Langform geht immer über Kurzform, ob schriftlich oder im Videoformat.