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Fediverse
Vor ein paar Jahren habe ich das Fediverse für mich entdeckt. Somit all die Applikationen, die über das ActivityPub Protokoll miteinander verbunden sind und kommunizieren können.
Ich mag den dezentralen Ansatz. Alles und jeder kann eine Instanz im Fediverse werden. So lasse ich (gegen ein paar Euro) von jemanden meine eigene Mastodon Instanz hosten und bin so auch über eine eigene Domain im Fediverse vertreten.
Mit dem ActivityPub Plugin von WordPress (das aktiv weiter entwickelt wird) ist mein Blog ebenfalls mit dem Fediverse verbunden. Artikel können so von allen Menschen im Fediverse gelesen (bzw. die Ankündigung), geliked und auch kommentiert werden. Kommentare landen dann wiederum auch in meinem Blog etc etc.
Jetzt probiere ich mich gerade mit einem VPS und betreibe eine eigen GoToSocial Instanz – eine recht leichtfüssige Anwendung.
Und dann gibt es noch mit Peertube (Video), Pixelfed (Foto), Mobilizon (Events) und etlichen anderen Anwendungen, die einen speziellen Fokus haben – und doch auch mit Mastodon, GoToSocial, Friendica, … kommunizieren können. Man sieht gegenseitig Postings mit Texten, Bildern, Videos, … und kann diese reposten, liken, kommentieren,…
Es ist kein perfektes Netzwerk, aber es ist näher dran, was das Internet mal für uns war oder hätte sein sollen: Dezentral, miteinander verbindend, vielfältig und gleichzeitig mit Nischen für ganz unterschiedliche Gruppen von Menschen.
Seid ihr schon im Fediverse? Was haltet ihr davon? Was nutzt ihr? Gerne könnt ihr auch eure Adresse posten. Verbinde mich gerne😊
Es gäbe noch etliches zu sagen, aber ich will mal nicht zu lange werden.
Albert Gerlach, Wolfgang Zeglovits und 5 andere10 Kommentare-
Das Fediverse „nutzen“ wäre bei mir wohl wirklich übertrieben. Ich habe einen Mastodon-Account (@[email protected]), aber tbh: Es verschlägt mich äußerst selten dorthin. Ich wurde mit Bluesky (@jhaslauer.bsky.social) einfach viel schneller warm und halte mich dort auch vorwiegend wegen meiner Journo-/Medien-/Kommunikationsbubble dort auf.
Wir haben halt auch bei Peertube & Co einfach immer das Problem, dass die Plattformen nicht „sexy“ genug sind für eine kritische Masse an User:innen, um zu wechseln.
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@jhaslauer Das typische Henne-Ei-Problem. Ich frage mich auch immer wieder, wie man das angehen könnte. Vielleicht geht es mal um gewisse Communities, denen man mit dem Fediverse einen besseren Platz geben könnte.
Ich haber mal versucht ein wenig über mögliche Vorteile zu schreiben:
https://nureinblog.at/10648-fediverse-fuer-vereine-behoerden-firmen/
https://nureinblog.at/10637-was-fuer-das-fediverse-spricht-abseits-von-elon-musk/
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Ich habe auch einen Mastodon Account. Die Eintrittsbarriere mit dem Verstehen, dass ich eine Doppelklammeraffenadrese brauche und mir erst einen Server aussuchen muss, finde ich schon groß. Die Uni Linz stellt aktuell einen Server zur Verfügung, allerdings nur für Angehörige der Uni. Die Uni Wien macht das leider nicht.
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@zeglo Das mit der Eintrittsbarriere diskutieren wir immer wieder. Man könnte einerseits sagen, dass man auch bei Mailadressen einen „Server“ wählen muss und dort schon mal den einfachen@ verstehen muss. Twitter haben wir anfangs auch nicht verstanden aber ausprobiert. Und viele, die wechseln könnten, traue ich schon zu, dass sie das System verstehen.
100e Millionen Menschen aus Facebook und Co, die wird man nicht so schnell wechseln sehen. Wobei, auch andere System sind ausgestorben (MySpace…).
Und ja, wenn Unis und andere größeren Institutionen von sich aus eine Instanz anbieten würden, würden wohl auch mehr User sich einfinden.
Das Fediverse ist aber auch ein umdenken im Kopf – bzw. kann es das sein – was man von einem sozialen Netzwerk möchte und wie es gestaltet sein soll.-
@roblen Natürlich geht es um das „Umdenken im Kopf“. Und ja, wenn man quasi die Infrastruktur um’s Eck bereitstellt (also hier als Instanz über Unis), würde das natürlich helfen.
Aber die Probleme liegen meines Erachtens primär in der Nicht-Kommerzialisierung (ich will damit nicht sagen, dass man das Fedivese kommerzialisieren sollte!). Ohne Kommerzialisierung fehlt das Geld, es fehlt an Marketing, es fehlt an Einnahmemöglichkeiten für Contnt-Creator. Das hätte noch vor vielen Jahren funktioniert, heute sind schon zu viele Menschen in diesem Business ver- und gefangen. Einem Teil der User:innen würde schlichtweg eine (teilweise massive) EInkommensquelle wegbrechen. Die (und auch ihre Fans und Follower) kannst du nicht mit den Argumenten „Aber hier gibt es kein Tracking! Hier gibt es keine Abhängigkeit von Konzernen!“ überreden.Generell glaube ich auch, dass es schon gar nicht um rationale Entscheidungen geht. Ein Großteil der User:innen WEISS, wo die Probleme liegen, aber sie nehmen sie in Kauf.
Wenn ich auf deinen (sehr guten) Blogbeitrag schaue und mal die „Gegenargumente“ anmerke (man verzeihe mir etwaigen Zynismus):
– „Nicht kommerziell.“ Das Verschenken von Nutzungsdaten sind wir gewöhnt und tut uns nicht weh.
– „Kein Algo.“ Aber Algorithmen nehmen uns Arbeit ab. Sie sind convenient, weil sie uns den Content liefern, der uns unterhält, begeistert, emotionalisiert und für Spaß und Abwechslung in unserem Leben sorgt
– „Das Fediverse kann niemand kaufen.“ Also ob jetzt Georg Müller, Elon Musk oder Franz Ferdinand die Plattform xyz betriebt, ist uns egal. Solange sie funktioniert und mir Unterhaltung und Infos liefert, ist das doch wurscht. FIrmenübernahmen gibt es ja immer
– „Das Fediverse sperrt nicht einfach zu.“. Wie lange existieren die großen Plattformen jetzt schon? Facebook übermorgen satte 22 Jahre! Das ist fast um ein Jahrzehnt länger, als die jüngsten User:innen alt sind. Mit 12, 13, 16 denkt man nun wirklich nicht in solchen Zeithorizonten.
– „Open Source.“. Ich will keine – was ist das – „Instanz“ betreiben. Ich will auf meinem Smartphone Videos und Bilder sehen und Texte mit meiner Bubble austauschen. Was interessiert mich Technik?
[Ich hatte hier schon sehr gute, weitere, aber auch sehr böse Argumente stehen. Und weil ich nicht mehr gewöhnt bin, dass meine EIngaben zwischengespeichert werden, sind sie durch meinen Bedienfehler weg… Aber ich glaub, es ist auch so klar, worauf ich abziele.]
ich denke, dass es nicht um rationale Entscheidungen geht. Ein Großteil der User:innen WEISS, wo die Probleme liegen, aber sie nehmen sie in Kauf.
Wenn wir Mastodon & Co in die Breite bekommen wollen (wollen wir das? Aber das ist noch ein eigenes Thema), brauchst du einen Oprah-Effekt, um die User:innen zu einem Wechsel zu bewegen. Der für sie erkennbare individuelle Nutzen muss subjektiv höher liegen, als der Aufwand eines Wechselns. Und dazu müssen die Plattformen auch „sexy“ sein und nicht „nerdig“. Sind sie halt oft nicht. Unter anderem, weil das Geld und die Ressouren fehlen. Und Unternehmen kaum Anreize sehen, hier zu investieren, weil eben „nicht kommerzialisiert“
aEs ist ein schwieriger und recht festgefahrener Kreislauf, fürcht ich.
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@jhaslauer Danke für deinen langen Kommentar. Ich kann deine „Gegenargumente“ gut nachvollziehen.
Damit kommen wir vielleicht zum zentralen Punkt. Ist es überhaupt notwendig, dass ganz viele Menschen wechseln. Würde das dem Fediverse überhaupt gut tun? Ich habe etliche Menschen erlebt, die ins Fediverse kamen, weil man ihnen sagte, dass wäre eine super Twitter Alternative. Mit diesem Vorzeichen waren sie bald enttäuscht und gingen dann wieder.
Vielleicht ist das Fediverse nicht für jeden (ohne jemanden automatisch auszuschließen). Es ist vielleicht für Menschen, die die von mir oben geschilderten Alternative suchen, Menschen die aus netzpolitischen Gründen ein anderes Netzwerk suchen. Es sind Menschen, die im Fediverse und insbesondere deren kleineren Instanzen einen „Safe Space“ bzw. eine „Special Interest Group“ für sie darstellt – den sie aber jederzeit in Richtung größerem Fediverse erweitern können. Menschen, die WordPress verwenden und dann drauf kommen, über ActivityPub den Diskussionskreis zu erweitern.
Es ist interessant zu lesen, warum Menschen ins Fediverse bzw. einzelne Anwendungen gewechselt sind.
Und es muss auch kein Hop oder Drop sein. Man kann auch mal reinschnuppern, was ausprobieren und vielleicht im Fediverse bleiben oder parallel zu anderen Netzwerken nutzen. Hardcore-Fedizen finden das zwar nicht ok, aber die sollten uns nicht kümmern.
Zu Sexy. Mir fehlt bei manchen Projekten auch die Usability. Wobei durch die vielen Clients und Anwendungen, die einem ins Fediverse bringen können ist die Chance aber etwas größer, dass man etwas finden, was vielleicht nicht sexy, aber durchaus attraktiv ist. -
@roblen Ja, bin ich bei dir. Deshalb ja auch meine „wollen wir das?“-Anmerkung.
Aktuell existiert das Fediverse ja ohnehin „parallel“ und es stellt schon jetzt eine Alternative dar.Aber es wird eben auch immer als Alternative zu den großen Mainstream-Plattformen genannt, wenn Menschen aus, sagen wir mal der „Netzpolitik-Datenschutz-Demokratie“-Bubble sagen, dass es aus den div. Gründen für unsere Gesellschaft wie auch die Menschen gut wäre, wenn die Mainstream-Plattformen eben mit einem Konzept und „Verständnis“ arbeiten würden, wie man das eben im Fediverse kennt. Und das sehe ich (unter anderem) aufgrund der gebrachten „Gegenargumente“ nicht. Das kann mMn das Fediverse nicht leisten in der aktuellen Form.
Es mag vielleicht für manche Menschen ein Einstieg sein und manche werden bleiben, aber ich sehe nicht, dass die Zahlen der User:innen auch nur ansatzweise sich in eine Dimension bewegen wird, die mit FB, Insta, TikTok, YouTube & Co mithalten kann.Versteh mich nicht falsch, ich will damit Mastodon, PeerTube & Co nicht schlechtreden. Das sind schon gute und wichtige Plattformen. Aber wir lösen damit nicht die Probleme, die wir durch, mit und in den großen SoMe-Plattformen haben. Dafür sind diese Plattformen zu sehr im Kapitalismus verankert.
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@jhaslauer Da gebe ich dir recht. Das Fediverse wird nicht so einfach die Probleme der großen Plattformen lösen. Hier bedarf es entsprechender Vorgaben und Regeln. Und natürlich sind die gewinnorientiert und haben daher ganz andere Interessen, auch das wird man nicht so einfach beheben können. Das liegt in der Natur von werbegetriebenen Firmen.
Ich würde sagen, hegen und pflegen (Menschen wie ich) wir das Fediverse als mögliche Alternative für alle, die eine solche suchen. Probieren wir dort alternative Möglichkeiten von sozialen Netzwerken aus.
Und bei den großen Monolithen muss man ihnen auf die Finger schauen und als EU einheitlich auftreten.
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Ich halte das Fediverse für ganz grundlegend falsch gedacht. Es hat die Architektur von FidoNet, aber ohne Telefonspesen, die damals das Thema waren. ein riesiges Netzwerk von Miniservern ist ein technischer Humbug, und wenn dann auf jedem Miniserver auch noch ein kleiner Fürst thront, der intransparente Regeln vorgibt, dann ist das ein Vollholler. Sorry, aber das kann nicht funktionieren, schon alleine, weil es nicht skaliert. Stellt Euch einfach vor, Ihr habt auf einem dieser Server einen Influencer sitzen, der 1 Mio Follower hat und jeden Tag ein Video postet, was das für das Netzwerk bedeutet.
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@mikeemesser Bisweilen funktioniert es 😉 Mag sein, dass es technisch an einem Punkt kollabieren könnte. Brutale Lösung wäre, dass andere Instanzen die Instanz mit dem Influencer blockieren (ist nur eine Notlösung). Es gibt derzeit einige Initiativen um ActivityPub weiter zu entwickeln und es neuen Anforderungen anzupassen.
Um beim Fürsten zu bleiben. Ich kann zumindest das Fürstentum wechseln oder mein eigenes aufbauen und bleibe trotzdem mit allen anderen verbunden. Ich finde gerade diese Aufbau hoch interessant. Er mag nicht perfekt sein. Aber er ist für mich und etliche andere gerade sehr passend – und aus vielerlei Gründen passender als das was Facebook, Instagram und insbesondere X tun.
So wie ich auch die neue Blackbox als interessantes Experiment sehe, bei dem es sicher viele gute Gegenargumente gibt, warum sie nicht funktionieren wird. Aber ohne ausprobieren und davon lernen kommen wir nicht weiter.
Ich fürchte, wir sind da aber einfach gegenteiliger Meinung, was ja nichts macht. Du nutzt halt das Fediverse nicht und ich schon. Und das ist auch in Ordnung. Solange ich hier hin und wieder drüber schreiben darf 😉
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