Es gibt kaum etwas Schöneres im Leben von uns Österreichern als tief durchzuatmen – und dann gründlich zu sudern. Im Gehen, im Stehen, im Liegen, beim Einkaufen, beim Autofahren, beim Warten auf die Bahn, die natürlich wieder zu spät kommt – unser Sudern kennt weder Ort noch Haltung noch Tageszeit. Wir sudern nicht irgendwie. Wir sudern professionell. Mit Hingabe. Wir Österreicher haben das Jammern zur Kunstform erhoben, zum nationalen Kulturerbe, und dass es noch nicht unter dem Schutz der UNESCO steht ist paradoxerweise ein weiterer Grund dafür.
Das Kernelement des Suderns ist die Passivität. Man analysiert das Problem nicht, um es zu lösen – man analysiert es, um sich daran zu weiden. Lösungen sind geradezu unerwünscht, denn ohne Problem kein Sudern, und ohne Sudern: Wäre man dann noch ein echter Österreicher? Eine echte Österreicherin?
Dabei wäre die Alternative so einfach: aufstehen, etwas tun, das Beste draus machen. Und sich in stoischer Gleichmut üben bei Dingen, die man nicht ändern kann. Wie das hierzulande geht, davon kann man sich am 17. April in Retz überzeugen. Denn Retz und das Retzer Land sind anders. Hier ist die Dichte der Nicht-Suderanten erstaunlich hoch.
Der Film „Macher:innen von Morgen” zeigt ein Mosaik an nachhaltigen Initiativen aus der Klimamodellregion Retzer Land – Menschen, die nicht warten, bis irgendwer in Wien oder Brüssel das Problem löst, sondern die einfach loslegen. Photovoltaik hier, Bodenpflege dort, ein bisschen Mut überall.


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