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Die Geschichte vom Mönch, der den Tyrannen tötete
Im 9. Jahrhundert herrschte in Tibet ein König namens Langdarma. In den buddhistischen Chroniken gilt er als Feind des Dharma: Klöster wurden geschlossen, heilige Schriften verbrannt, Mönche zur Flucht gezwungen. Viele fürchteten, dass der Buddhismus im Land ausgelöscht würde.
Unter den Verfolgten war ein Mönch namens Lhalung Pelgyi Dorje. Er soll lange gezögert haben, denn Töten widerspricht den Gelübden eines Buddhisten. Doch schließlich kam er zu dem Schluss, dass das Töten eines einzigen Tyrannen unermessliches Leid verhindern könne – eine schwere Tat, deren schlechtes Karma er auf sich nehmen müsse, um die Lehre retten und noch größeres Unheil abzuwenden.
Pelgyi Dorje bereitete sich sorgfältig vor. Er kleidete sich als schwarzer Ritualtänzer, wie sie bei Hofzeremonien auftraten. In den weiten Ärmeln seines Gewandes verbarg er Pfeil und Bogen. So gelangte er unauffällig in die Nähe des Königs, der gerade einer Vorführung zusah.
Im entscheidenden Moment trat der Mönch vor, spannte den Bogen aus dem Ärmel heraus — und schoss. Der Pfeil traf den König tödlich. Chaos brach aus, Soldaten stürzten herbei, doch der Attentäter war bereits auf der Flucht.
Draußen wartete sein Pferd. Es war ursprünglich schneeweiß, doch Pelgyi Dorje hatte es zuvor mit Ruß schwarz eingefärbt, damit es nicht erkannt würde. Auch sein Mantel war wendbar — außen schwarz, innen weiß.
Er ritt davon, verfolgt von königlichen Reitern, die nach einem Mörder auf einem schwarzen Pferd suchten. Am Ufer eines Flusses hielt er an und ritt mitten durch das Wasser. Der Ruß wusch sich aus dem Fell, aus dem schwarzen Pferd wurde wieder ein weißes. Und: Er wendete seinen Mantel, nun war auch er wieder weiß gekleidet.
Als die Verfolger den Fluss erreichten, suchten sie weiter nach einem Mann auf einem schwarzen Pferd und übersahen den ruhig davoreitenden Mönch auf einem weißen.
Er floh in die abgelegenen Berge Tibets und verbrachte dort den Rest seines Lebens als Einsiedler.
Heidi Bellio, Andrea Strommer und 2 andere3 Kommentare-
So eine schöne Geschichte!
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Ich versteh die Aussage dahinter nicht…
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@Tom Die Aussage ist, dass die Reinheit der Motivation entscheidend ist. Der Mönch war danach kein Mönch mehr, er hat seine Gelübde gebrochen und sein Karma schwer belastet. Aber er tat es aus Mitgefühl und Weisheit und sein Mitgefühl war so groß, dass er die für ihn entstehenden Konsequenzen tragen wollte.
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