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Warum sind Autos bei uns so teuer?
Als Einstieg in die neue Blackbox wähle ich eines meiner Lieblingsthemen: Elektromobilität. Und verweise auf Christopher “Car Maniac” Karatsonyi, die wohl lauteste Stimme für Elektromobilität, mit Einschaltquoten auf Youtube, die Fernsehstars erblassen lässt.
In seinem aktuellen Video testet er den VW UNYX Ultra. Das nur in China erhältliche Fahrzeug hat eine Ausstattung wie ein Oberklassefahrzeug: Hochwertigste Materialien, edles Design, sehr viel Platz, hochreaktive und clevere Software, gewaltige Reichweite, ultraschnelles Laden. Das Fahrzeug kostet umgerechnet 30.000 €. Chris stellt die schlichte Frage: Warum nicht auch bei uns?
https://www.youtube.com/watch?v=681yw2IwEJM
Darüber nachdenkend kann ich das so beantworten:
In meiner HTL-Zeit (ich besuchte die HTL für Elektrotechnik in Wels) durften wir so um 1983 herum das Werk des Waschmaschinenherstellers Eudora in Gunskirchen besuchen. Sie stellten alles selbst her. Jedes Einzelteil der Maschinen. Die Bleche wurden selbst aus VOEST-Blech gestanzt und verschweißt, nicht nur für die Karosserie, sondern sogar die Motorenbleche, auch die Wicklungen für die Motoren wurden selbst gewickelt. Das gesamte Know-How war im Haus, für jedes Detail. Jedes Kunststoffteil wurde mit selbst gefertigten Werkzeugen in Spritzgußmaschinen selbst hergestellt. Das Granulat für den Spritzguß, die Werkzeugmaschinen, selbst die Schrauben kamen aus der Region. Woher hätte es sonst kommen können? Aus China vielleicht?
Wir haben Zug um Zug die Produktion aller Rohstoffe und Halbzeuge dorthin ausgelagert und dafür gesorgt, dass die Industrien dort aufgebaut werden. Wandel durch Handel war die Devise. Ohne Pakete aus China lässt sich in Europa heute nichts mehr produzieren. Weil Produzenten in China billiger produzieren. Wegen des geringeren Lebensstandards und wegen niedrigerer Standards wahrscheinlich, das erhöht unseren Gewinn, damit können wir unsere Sozialsysteme weiterhin erhalten und alle Aktionäre – also unsere Pensionsversicherungen – zufriedenstellen. Heute haben sie nachgezogen, haben unseren industriellen Level übertroffen und unsere Standards längst überboten.
Euroda ist 2003 in Konkurs gegangen. Geblieben ist der Markenname. VW kämpft damit, ein vergleichsweise bescheideneres Produkt zu einem viel höheren Preis in Europa anbieten zu müssen. Nur so kann VW Autos von teuren europäischen Arbeitskräften aus chinesischen Einzelteilen zusammen schrauben lassen. Nur durch die so erwirtschafteten Einkommen kann der Wirtschaftskreislauf bei uns am Leben erhalten werden. Und die selbst verschuldete Abhängigkeit von chinesischen Halbzeugen gibt es nicht nur in der Automobilindustrie. Die gibt es in jeder Produktionssparte.
Ach ja: Meine Eudora-Waschmaschine von 1980 läuft immer noch. Ohne jedes Problem, ohne Wartung, sie läuft einfach. Und es war nicht die Qualität, die Eudora umgebracht hat. Der Westen setzte auf Wandel durch Handel. Eine naive Abhängigkeit, genauso wie bei saudischem Öl, russischem Erdgas und amerikanischer Software.
Die Werkzeuge für die Produktion der Waschmaschinen wurden übrigens von einer tschechischen Firma aus der Konkursmasse gekauft, sie produzieren bis heute die Babynova, eine 3kg Waschmaschine für Singles und eine 10kg Waschmaschine für große Haushalte. Das Service-Netzwerk für Eudora (auch wenn man es eh nur sehr selten braucht) ist weiterhin intakt.
Thomas Rinder, Peter und Michael Eisenriegler1 Kommentar-
Franz Ablinger (bearbeitet)
Die Anschlussfrage stellt Chris nicht: Wie kommen wir aus dieser Falle wieder raus?
Ich denke, wir können bei Null beginnen. Wir sind vielleicht die Ersten, die eine Industrie erfinden, die auf Upcycling und der Verwertung von Altstoffen aufbaut. Weil es ist mehr als genug von allem da. Aber wir brauchen einen neuen Wirtschaftskreislauf, der alle leben lässt. Und den müssen wir erst erfinden. Erste Ansätze gibt es. Mir gefällt die Re:factory von Renault in Flins bei Paris sehr gut, die aus alten Autos neue macht…
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