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Weniger Arbeitszeit statt Sonntagsöffnung

Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Bankenrettung, Budgetloch, Arbeitslosigkeit - und wie geht's weiter?

Moderation: Gerald König

Re: Weniger Arbeitszeit statt Sonntagsöffnung

Beitragvon Michael Suda » 24. Juni 2011, 10:48

Stefan Mackovik hat geschrieben:[hier gekürzt] Nennen wir's halt statt "neoliberal" "wirtschaftszentriert". Das Motto "geht's der Wirtschaft gut, geht's den Menschen gut" verdeutlicht ja ganz gut, was nach wie vor in den Augen vieler nach wie vor Sache ist.

Provokante Frage: Wann, bitte, war das je anders? Die Akteure waren vielleicht andere, die Machtverhältnisse und der Kapitalbesitz waren vielleicht anders verteilt, aber es ist immer darum gegangen, dass Einkommen durch Produktion generiert und dann verteilt werden muss. Verteilen ohne Generieren, "dett is nüscht", wie der Berliner zu sagen pflegt.

Dabei sollte aus meiner Sicht ja Wirtschaft umgekehrt ein Mittel zum Zweck sein, damit eben Bedürfnisse von Menschen befriedigt werden können.[Rest gekürzt]

Damit sind wir beim Punkt. Es geht um die gerechte Verteilung von Profiten. Aber bevor man sich über die Verteilung Gedanken macht, müssen erst einmal Profite erwirtschaftet werden.

Das Königreich Saudi Arabien, eine ziemlich tyrannische Despotie mit abartig-religiösen Moralvorstellungen, konnte es sich in der Vergangenheit bekanntlich leisten, sein Volk mit großzügigen wohlfahrtsstaatlichen Transferleistungen ruhigzustellen, da es ein lukratives Staatsmonopol auf Rohöl verwaltet, das Teil eines Rohstoff-Weltoligopols ist. Sonst wäre das Land nix als ein paar überbevölkerte Oasen voller islamisch-fundamentalistischer Beduinenclans.

Da wir nix Vergleichbares haben, brauchen wir insbesondere intellektuelle Exportgüter aller Art. Ein Herr Mateschitz mit seinem sonst eher überflüssigen Koffeinsprudel hat so etwas "erfunden" (präziser: er hat eine Marke und ein verkaufbares Image rundherum intellektuell "kreiert") und damit seinen gewaltigen Wohlstand begründet und unser aller Wohlstand ein klein wenig vermehrt.

Wer also Profite und Einkommen umverteilen möchte, braucht erst Gründer/innen dieser Sorte. Mir gefällt das emotional wie intellektuell überhaupt nicht, aber es ist leider so. Besteuere diese soziale Schicht zu Tode, schikaniere sie durch Gewerbe- und Krankenkassenbürokratie, treibe sie möglichst gleich am Anfang ihrer Karriere ins Ausland, und übrig bleiben eingewanderte Hilfskräfte, die die Drecksarbeiten machen, Staatsangestellte im weitesten Sinne, gremialvorstehende Kommerzialräte, die das Wachszieher- oder Installateursgewerbe in fünfter Generation ausüben, "altes", langfristig sterbendes weil nicht mehr innovatives, verbürokratisiertes Kapital (z.B. Banken und Versicherungen) und Empfänger/innen von Transferleistungen.

Und das wird nicht reichen.
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
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Re: Weniger Arbeitszeit statt Sonntagsöffnung

Beitragvon Brigitte Grohmann » 24. Juni 2011, 11:10

Michael Suda hat geschrieben:Provokante Frage: Wann, bitte, war das je anders? Die Akteure waren vielleicht andere, die Machtverhältnisse und der Kapitalbesitz waren vielleicht anders verteilt, aber es ist immer darum gegangen, dass Einkommen durch Produktion generiert und dann verteilt werden muss. Verteilen ohne Generieren, "dett is nüscht", wie der Berliner zu sagen pflegt.

Wenigstens wird heute verteilt. Diverse Kirchen und Herrscher in der europäischen Geschichte haben hauptsächlich generieren lassen und dann an sich genommen.


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Re: Weniger Arbeitszeit statt Sonntagsöffnung

Beitragvon Susanne Ofner » 24. Juni 2011, 11:32

Michael Suda hat geschrieben:Aber bevor man sich über die Verteilung Gedanken macht, müssen erst einmal Profite erwirtschaftet werden.



Dass es an Profiten mangelt, wär mir aber noch nicht gar so aufgefallen.
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Re: Weniger Arbeitszeit statt Sonntagsöffnung

Beitragvon Brigitte Grohmann » 24. Juni 2011, 11:43

Die Profite fallen halt überraschenderweise nie in den Ländern an, in denen sie besteuert würden. Außer bei Kleinunternehmen, für die steuermindernde internationale Schachtelkonstruktionen nicht in Frage kommen.
Ich kenn Red Bulls gesetzliches Setup nicht, würde mich aber schwer wundern, wenn sie in Österreich Unternehmenssteuern zahlen. Das Steuerzahlen erledigen bei Firmen mit dieser Größe die Mitarbeiter, die auch nicht auskönnen.


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Re: Weniger Arbeitszeit statt Sonntagsöffnung

Beitragvon Michael Suda » 24. Juni 2011, 12:23

Brigitte Grohmann hat geschrieben:[hier gekürzt]Ich kenn Red Bulls gesetzliches Setup nicht, würde mich aber schwer wundern, wenn sie in Österreich Unternehmenssteuern zahlen. Das Steuerzahlen erledigen bei Firmen mit dieser Größe die Mitarbeiter, die auch nicht auskönnen.

Sicher, aber von den Sprudelmixern und ihrem Erfolg, egal wo sie ihre "Hardware" (den Sprudel) erzeugen und den Gewinn versteuern, profitieren auf jeden Fall ihre angestellten Mitarbeiter/innen und vermutlich hunderte Auftragnehmer/innen im In- und Ausland, von Herrn Mateschitz' persönlicher Steuerberatungskanzlei über dutzende Werbegafiker/innen bis zu der Firma, die das Catering für eine Party im Hangar 7 liefert.
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Re: Weniger Arbeitszeit statt Sonntagsöffnung

Beitragvon Michael Suda » 24. Juni 2011, 12:33

Susanne Ofner hat geschrieben: Dass es an Profiten mangelt, wär mir aber noch nicht gar so aufgefallen.

  1. Wenn es hier und heute so ist, heißt das nicht, dass es morgen und immer so sein muss.
  2. Es sind auch schon "böse Kapitalisten" wie Banken kaputt gegangen.
Bei Banken ist das Problem, dass ein Haufen (mehr oder weniger) Unschuldiger mit-kaputtgehen kann. Passiert das zu vielen Banken gleichzeitig, etwa weil sie der Versuchung nicht widerstehenden konnten, lukrativ verzinste griechische Staatsanleihen zu kaufen und Griechenland den Staatsbankrott erklärt, hilft auch keine Einlagensicherung mehr. Selbst ein Rothschild konnte 1931 die CA nicht mehr ohne Staatshilfe sanieren.
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Re: Weniger Arbeitszeit statt Sonntagsöffnung

Beitragvon Brigitte Grohmann » 24. Juni 2011, 12:39

Michael Suda hat geschrieben:Sicher, aber von den Sprudelmixern und ihrem Erfolg, egal wo sie ihre "Hardware" (den Sprudel) erzeugen und den Gewinn versteuern, profitieren auf jeden Fall ihre angestellten Mitarbeiter/innen und vermutlich hunderte Auftragnehmer/innen im In- und Ausland, von Herrn Mateschitz' persönlicher Steuerberatungskanzlei über dutzende Werbegafiker/innen bis zu der Firma, die das Catering für eine Party im Hangar 7 liefert.

ah, daran zweifelt eh keiner. Ich find nur den Gedanken seltsam, dass einer die Steuerfreiheit quasi als Geschenk dafür bekommt, dass andere Geld zum Versteuern verdienen dürfen. Find ich ein bissl schräg.
BTW produziert wird der Sprudel eh in Österreich.


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