Ungarn will's wissen...
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Bankenrettung, Budgetloch, Arbeitslosigkeit - und wie geht's weiter?
Moderation: Gerald König
Ungarn will's wissen...
von Gerald König » 21. Juli 2010, 12:56
Der aktuelle Streit zwischen den Geldgebern EU+IWF und Geldnehmer Ungarn spitzt sich zu:
Ungarn's FIDESZ-Populisten möchten sich nichts vorschreiben lassen; der EU und dem IWF sind die Reformvorschläge Ungarns zu wenig nachhaltig.
Darüber hinaus scheint die Legislative schon wieder Freunderlwirtschaft massiv zu unterstützen - Ausnahmeregelungen für nahestehende Unternehmen beweisen dies.
Ich fürchte, damit entfernt sich Ungarn für die nächsten Jahre sehr weit von der EU und auch von notwendigen Strukturreformen - Nationalismus als Erfolgsrezept ist bisweilen eigentlich immer gescheitert.
Was man der leidgeprüften Bevölkerung allerdings nicht nachsagen kann: Kontraproduktive Streiks in der Tourismus-Hauptsaison.
Wenn sich die FIDESZ nicht bald für Kompromisse hergibt gilt wohl "Spekulanten aller Länder: Vereinigt euch...." ;-(
lgg
Ungarn's FIDESZ-Populisten möchten sich nichts vorschreiben lassen; der EU und dem IWF sind die Reformvorschläge Ungarns zu wenig nachhaltig.
Darüber hinaus scheint die Legislative schon wieder Freunderlwirtschaft massiv zu unterstützen - Ausnahmeregelungen für nahestehende Unternehmen beweisen dies.
Ich fürchte, damit entfernt sich Ungarn für die nächsten Jahre sehr weit von der EU und auch von notwendigen Strukturreformen - Nationalismus als Erfolgsrezept ist bisweilen eigentlich immer gescheitert.
Was man der leidgeprüften Bevölkerung allerdings nicht nachsagen kann: Kontraproduktive Streiks in der Tourismus-Hauptsaison.
Wenn sich die FIDESZ nicht bald für Kompromisse hergibt gilt wohl "Spekulanten aller Länder: Vereinigt euch...." ;-(
lgg
Re: Ungarn will's wissen...
von Stefan Mackovik » 21. Juli 2010, 13:51
Ich find's zwar traurig, dass es grad eine rechtspopulistische Regierung ist, die aufmuckt.
Aber ich finde es höchst an der Zeit, dass mal ein Land die Vorgaben von EU/IWF nicht einfach frisst.
Denn eines ist auch klar: EU und IWF sind nach wie vor auf neoliberalem Kurs und applaudieren, wenn "gegen die Schulden" Sozialleistungen o.ä. gekürzt werden.
Maßnahmen wie eine g'scheite Besteuerunung der Banken hätte ich mir eigentlich von den Parteien erwartet, die sich sonst immer "soziale Gerechtigkeit" auf die Fahnen schreiben, die agieren aber leider meist nach wie vor als neoliberale Musterschülder am Gängelband der der Wirtschafts"experten" (eher wohl -ideologen) von IWF, Weltbank & Co - siehe Griechenland.
Stefan
Aber ich finde es höchst an der Zeit, dass mal ein Land die Vorgaben von EU/IWF nicht einfach frisst.
Denn eines ist auch klar: EU und IWF sind nach wie vor auf neoliberalem Kurs und applaudieren, wenn "gegen die Schulden" Sozialleistungen o.ä. gekürzt werden.
Maßnahmen wie eine g'scheite Besteuerunung der Banken hätte ich mir eigentlich von den Parteien erwartet, die sich sonst immer "soziale Gerechtigkeit" auf die Fahnen schreiben, die agieren aber leider meist nach wie vor als neoliberale Musterschülder am Gängelband der der Wirtschafts"experten" (eher wohl -ideologen) von IWF, Weltbank & Co - siehe Griechenland.
Stefan
Alfons Haider hat recht.
Re: Ungarn will's wissen...
von Dieter Henkel » 21. Juli 2010, 14:43
Ein Besteuerung auf der Basis der Bilanzsumme und nicht des Gewinns halte ich allerdings für etwas eigenartig.
http://www.taz.de/1/politik/europa/arti ... teuer-vor/
http://www.taz.de/1/politik/europa/arti ... teuer-vor/
Re: Ungarn will's wissen...
von Gerald König » 21. Juli 2010, 20:17
Abwarten, was bei uns diesbezüglich noch kommt. Wobei die Ungarn werden es wohl damit schaffen, die Bankenlandschaft schön langsam wieder zu "ungarisieren"...
Ob der vielen Ausfälle von Fremdwährungskrediten ist z.B. heimische Banken die Ungarn-Lust ohnehin schon ziemlich vergangen (ja, natürlich auch selber schuld!).
Im aktuellen Fall finde ich EU-IWF-Abneigung nicht am Platz: Die kranke Kuh Ungarn scheißt nämlich dort, wo sie isst (frei nach einem ital. Sprichwort) - und ist dazu noch rotzfrech bzw. "nationaldümmlich".
Zuerst einmal kräftig mit Parteikorruption (welche schon wieder am Start steht) aufräumen und das versaute Investmentklima im Land verbessern, hätte wohl mehr Sinn gemacht als ein populistisches Gerangel mit Geldgebern.
lgg
Ob der vielen Ausfälle von Fremdwährungskrediten ist z.B. heimische Banken die Ungarn-Lust ohnehin schon ziemlich vergangen (ja, natürlich auch selber schuld!).
Im aktuellen Fall finde ich EU-IWF-Abneigung nicht am Platz: Die kranke Kuh Ungarn scheißt nämlich dort, wo sie isst (frei nach einem ital. Sprichwort) - und ist dazu noch rotzfrech bzw. "nationaldümmlich".
Zuerst einmal kräftig mit Parteikorruption (welche schon wieder am Start steht) aufräumen und das versaute Investmentklima im Land verbessern, hätte wohl mehr Sinn gemacht als ein populistisches Gerangel mit Geldgebern.
lgg
Re: Ungarn will's wissen...
von Harald Silvio Frassine » 21. Juli 2010, 21:01
in einem schiefen licht steht da für mich auch der iwf, der da in die länder reinregiert und einseitig ausgabenseitige - d.h. asoziale! - maßnahmen fordert.
Re: Ungarn will's wissen...
von Gerald König » 21. Juli 2010, 21:21
welche maßnahmen sind deiner ansicht nach "asozial"?
lgg
lgg
Re: Ungarn will's wissen...
von Harald Silvio Frassine » 21. Juli 2010, 21:46
ganz prinzipiell: steuern sind dazu da, sachen zu finanzieren, die sich einzelne nicht leisten können, einerseits für alle (z.b. die verteidigung), und andererseits besonders für die ärmeren: sozial-, gesundheits- und familienfördernde ausgaben.
---> diesen zielgrupppen schadet folglich jede ausgabenseitige sparpolitik.
und drum ist der iwf, ohne es vielleicht zu wollen, ein feind jedes sozialstaats.
---> diesen zielgrupppen schadet folglich jede ausgabenseitige sparpolitik.
und drum ist der iwf, ohne es vielleicht zu wollen, ein feind jedes sozialstaats.
Re: Ungarn will's wissen...
von Gerald König » 21. Juli 2010, 23:40
iwf-gelder sind indirekt auch steuergelder.
ist ja gut, wenn ein staat vor der pleite steht, dass er noch jemanden anpumpen kann - sonst würde es (auch) um die genannten zielgruppen wohl besonders übel stehen...
der ungarische durchschnittlohn (habe ich mir vor 2 tagen in ungarn sagen lassen - ist also nicht überprüft) liegt übrigens bei ca. 450-500 euro...
die flucht der bildungsschicht ins ausland ist also vorprogrammiert - magister arbeiten in österreich als lkw-fahrer...
"feind jedes sozialstaates": auch der sozialstaat österreich hat durch iwf-interventionen schon profitiert.
lgg
ist ja gut, wenn ein staat vor der pleite steht, dass er noch jemanden anpumpen kann - sonst würde es (auch) um die genannten zielgruppen wohl besonders übel stehen...
der ungarische durchschnittlohn (habe ich mir vor 2 tagen in ungarn sagen lassen - ist also nicht überprüft) liegt übrigens bei ca. 450-500 euro...
die flucht der bildungsschicht ins ausland ist also vorprogrammiert - magister arbeiten in österreich als lkw-fahrer...
"feind jedes sozialstaates": auch der sozialstaat österreich hat durch iwf-interventionen schon profitiert.
lgg
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