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Sogar der IWF hat's schon bemerkt...

Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Bankenrettung, Budgetloch, Arbeitslosigkeit - und wie geht's weiter?

Moderation: Gerald König

Re: Sogar der IWF hat's schon bemerkt...

Beitragvon Georg Kraml » 20. Juni 2011, 00:07

Stefan Mackovik hat geschrieben:Um die Ziele zu erreichen, verlangt man von Griechnland, sein Familiensilber zu verscherbeln - und nennt das "notwendige Privatisierungen"

Ohne dir im Grundsätzlichen widersprechen zu wollen: Griechenland ist ein schlechtes Beispiel. Die politische Kaste Griechenlands hat wirklich unverantwortlich Geld verschleudert und dazu Kredite aufgenommen, die das Land selbst mit viel Fantasie nie aus dem normalen Budget heraus zurückzahlen hätte können. Seien wir uns ehrlich, man muss kein Neoliberaler sein, um nicht zu verstehen, warum gesunde Menschen in angenehmen Bürojobs mit Mitte 40 in Pension geschickt werden müssen.

Griechenland ist einer der wenigen Fälle, in denen die Warnungen der Neoliberalen vor hoher Staatsquote weitgehend bewahrheitet haben. Wenn erst einmal ein bestimmter kritischer Prozentsatz der Bevölkerung unmittelbar für die Regierung arbeitet, kann die Politik der Versuchung nur noch schwer widerstehen, sich Wahlerfolge durch höhere Gehälter, niedrigere Pensionsalter und mehr Urlaub zu kaufen.

Ich weiß, dass das nicht nur Staaten passiert, sondern auch Unternehmen in diese Falle gehen können (cf. Detroit), aber trotzdem.
Georg Kraml
 

Re: Sogar der IWF hat's schon bemerkt...

Beitragvon Michael Suda » 20. Juni 2011, 07:18

Stefan Mackovik hat geschrieben:Ohne mir jetzt die Mühe zu machen, alles nachzulesen, aber: der kapitalistisch-neoliberal geprägte Westen hat aus der Krise ja offensichtlich GAR NIX gelernt, das zeigt gerade Griechenland, aber auch Portugal, Irland, Spanien... deutlich:

Was hätte man denn deiner Meinung nach konkret tun können? In den Augen liberal-konservativer Ökonomen haben die Notenbanken ja schon in der Sub-Prime-Bankenkrise die "Todsünde" begangen, den Markt durch Flutung mit Papiergeld liquide zu halten.

Noch immer werden "die Märkte" als Allheilmittel angesehen, noch immer gehts nur darum, dass 2 - 3 grosse privatwirtschaftliche Unternehmen nur ja nix böses über einen denken - genannt "Ratingargenturen", dafür schröpft man gerne auch breite Bevölkerungsschichten und lässt Verursacher der Krise und Superreiche vergleichsweise glimpflich davon kommen.

[hier gekürzt]

Langsam wünsche ich mir wirklich, dass eine zweite große Krise kommt, vielleicht wachen dann die Herrschaften Politiker und Wirtschafts/Bankenbosse endlich auf und erkennen, dass es so nicht weitergehen darf und kann...

Äh, nach meiner Zählung ist die Staatsschuldenkrise eigentlich eh schon die zweite Krise der Finanzwirtschaft in den letzen fünf Jahren.

Gut, als ein mögliches, von dir genanntes Mittel zur Liquidhaltung der Volkswirtschaften halte ich das Flüssigmachen von privaten Werten durch starke bis konfiskatorische Besteuerung von Vermögen fest.

Sonst hätte Griechenland konkret nur mehr folgende Alternativen:

  1. Offizieller Staatsbankrott, das heißt Zahlungseinstellung (keine Gehälter, keine Pensionen, keine Bedienung alter Schulden mehr) und "Neustart" des Systems der Staatsfinanzen bei Null;
  2. Austritt aus der Euro-Zone und (innere) Entschuldung durch inflationäre Papiergeldproduktion ("Abwertung");
  3. der laufende Spar- und Sanierungskurs.
Das Problem ist, dass Griechenland für 1. und 2. keinen Cent Kredit im In- und Ausland bekommen wird. Und um genau das geht es: "Ohne Gold kein Sold" wie Onkel Dagobert zu sagen pflegt, nicht Blut sondern Geld muss fließen, ohne werthaltige Bezahlung kommt das Wirtschaftsleben zum Stillstand. Ohne Bezahlung der Polizisten bleiben nur mehr die Bürgerwehr und das Standgericht.

Und die griechische Regierung kann ohne Hilfe bald nicht mehr zahlen.
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
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Michael Suda
 

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