Milliarden in den Sand gesetzt?
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Bankenrettung, Budgetloch, Arbeitslosigkeit - und wie geht's weiter?
Moderation: Gerald König
Milliarden in den Sand gesetzt?
von Kurt Radowisch » 11. Juli 2011, 23:49
Falls ich hier falsch bin: Verschiebenator, bitte walte deines Amtes!
Ich und viele meiner Kollegen sehen im Moment dermaßen fern:
Wir schauen einen Film erst ca. 40 Minuten nach Beginn an, überspringen die Werbung per Mausklick und sind dann am Ende zeitmäßig dort, wo wir eh sowieso wären.
Die anderen zeichnen die Sendung auf und machen morgen oder übermorgen genau das gleiche.
Fragen:
Wieviele Millionen (wenn nicht Milliarden) werden so in den Sand gesetzt: für Werbung, die sich niemand anschaut?
Ist das der Werbewirtschaft wurscht?
Weiters: ist es denen wurscht, daß ich jeden Abend einen Kilo Papier ungelesen in den Müll schmeiße?
Das kostet doch alles Geld, nicht wenig Geld; Geld, das man eigentlich besser verwenden könnte.
Im Fernsehen habe ich gehört, daß im Fernsehen schon die Sekunde tausende Euronen kostet. Und das Geld muß ja irgendwer erwirtschaften.
Und die hochbezahlten Herrschaften von der Werbewirtschaft setzen das einfach nur so in den Sand?
Ich bin kein Buchhalter, ich bin nur Laborant. Aber sehe ich da was falsch?
LG Kurt
Ich und viele meiner Kollegen sehen im Moment dermaßen fern:
Wir schauen einen Film erst ca. 40 Minuten nach Beginn an, überspringen die Werbung per Mausklick und sind dann am Ende zeitmäßig dort, wo wir eh sowieso wären.
Die anderen zeichnen die Sendung auf und machen morgen oder übermorgen genau das gleiche.
Fragen:
Wieviele Millionen (wenn nicht Milliarden) werden so in den Sand gesetzt: für Werbung, die sich niemand anschaut?
Ist das der Werbewirtschaft wurscht?
Weiters: ist es denen wurscht, daß ich jeden Abend einen Kilo Papier ungelesen in den Müll schmeiße?
Das kostet doch alles Geld, nicht wenig Geld; Geld, das man eigentlich besser verwenden könnte.
Im Fernsehen habe ich gehört, daß im Fernsehen schon die Sekunde tausende Euronen kostet. Und das Geld muß ja irgendwer erwirtschaften.
Und die hochbezahlten Herrschaften von der Werbewirtschaft setzen das einfach nur so in den Sand?
Ich bin kein Buchhalter, ich bin nur Laborant. Aber sehe ich da was falsch?
LG Kurt
Re: Milliarden in den Sand gesetzt?
von Andreas Beer » 12. Juli 2011, 00:07
Ich bin ja weder Buchhalter noch sonstwas, am wenigstens Wirtschaftsexperte, aber fällt das nicht unter kalkulierten Streuverlust?
--
Die einzige Buchhandlung mit Tiefstpreisgarantie! http://www.meinebuchhandlung.at
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Re: Milliarden in den Sand gesetzt?
von Andreas Beer » 12. Juli 2011, 00:10
Nachtrag: zb Super Bowl. Da kostet ja die Werbesekunde auch das x-fache von selbiger an jedem anderen Tag. Also werden zumindest in Amerika die aktuellen bzw. zu erwartenden Werbungsschauer einkalkuliert.
--
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Re: Milliarden in den Sand gesetzt?
von Brigitte Grohmann » 12. Juli 2011, 00:17
Im Prinzip richtig. Und frueher gab es ja auch schon Videorecorder. Wenn es sich nicht rechnet, wird sowas ganz schnell wieder abgeblasen.
brigitte
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If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to
fucking fuck it up because that cunt's a cunt.
- Tucker's Law
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Re: Milliarden in den Sand gesetzt?
von Georg Kraml » 12. Juli 2011, 01:26
Kurt Radowisch hat geschrieben:Das kostet doch alles Geld, nicht wenig Geld; Geld, das man eigentlich besser verwenden könnte.
Nah. Wenn du konsequent keine sinnlose Werbung schalten würdest, wäre praktisch die gesamte Werbewirtschaft arbeitlos. Wohin mit den ganzen Grafikern, sonstigen "Kreativen", Zettelverteilern etc.? Die meisten Hersteller würden das Werbebudget, dass sie gespart haben, sofort wieder verlieren: entweder müssten sie mehr Sozialabgaben zahlen (mehr Arbeitslose) oder die Preise senken (mehr arme Arbeitslose, weniger Kaufkraft im Volk).
Finanziell wohl mehr oder weniger ein Nullsummenspiel, aber für allgemeines Selbstwertgefühl und sozialen Frieden ist es natürlich besser, wenn sie auch ein Werbetexter einreden kann, dass er einen echten Job hat und im Leben seinen Mann steht.
Hand runter wer mich nicht zynisch findet.
Re: Milliarden in den Sand gesetzt?
von Andreas Beer » 12. Juli 2011, 08:00
da war ja noch was:
http://www.meinebuchhandlung.at/product/197563/scheier,-christian:-wie-werbung-wirkt.html
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Re: Milliarden in den Sand gesetzt?
von Kurt Radowisch » 12. Juli 2011, 09:25
Werbung kann ja nur im Kopf des Kunden hängenbleiben, wenn derselbe sie - wenn auch nur flüchtig - wahrnimmt.
Aber da die meisten Zuseher Werbung im Fernsehen überspringen oder während der Werbepause weggehen, ist in diesem Fall die Werbung "für die Fisch' "
Ich weiß schon, daß die Werbewirtschaft eine ganze Menge Arbeitsplätze sichert. Ich sehe es nur als Arbeit, die schon von vornherein zum Wegschmeißen geleistet wird.
Da könnte ja eine Autofabrik auch funkelnagelneue Wagen in die Schrottpresse stecken und sagen: "Da haben wir nun wieder was Sinnvolles gemacht."
LG Kurt
Aber da die meisten Zuseher Werbung im Fernsehen überspringen oder während der Werbepause weggehen, ist in diesem Fall die Werbung "für die Fisch' "
Ich weiß schon, daß die Werbewirtschaft eine ganze Menge Arbeitsplätze sichert. Ich sehe es nur als Arbeit, die schon von vornherein zum Wegschmeißen geleistet wird.
Da könnte ja eine Autofabrik auch funkelnagelneue Wagen in die Schrottpresse stecken und sagen: "Da haben wir nun wieder was Sinnvolles gemacht."
LG Kurt
Re: Milliarden in den Sand gesetzt?
von Michael Suda » 12. Juli 2011, 10:06
Kurt Radowisch hat geschrieben:Werbung kann ja nur im Kopf des Kunden hängenbleiben, wenn derselbe sie - wenn auch nur flüchtig - wahrnimmt.
Aber da die meisten Zuseher Werbung im Fernsehen überspringen oder während der Werbepause weggehen, ist in diesem Fall die Werbung "für die Fisch' " [Rest gekürzt]
Ich glaube, du schließt zu sehr von deinen Angewohnheiten auf "die Allgemeinheit".
Und auch, wenn es stimmt: "die Wirtschaft" ist im Allgemeinen nicht blöd. Irgendwann hat man nachgewiesen, dass Werbung generell effektiv ist. Kräftig die Werbetrommel rührender Unternehmer A hat seine Umsätze vorher-nachher und mit jenen des still dasitzenden Unternehmers B (vergleichbares Produkt) verglichen und kam zu dem Schluss: "Das rechnet sich!"
Natürlich ist im Speziellen Vorsicht angebracht. Die Werbebranche will dem Unternehmer ja ebenfalls ihre Leistungen als Produkt verkaufen. Daher ist selbst die hirnrissigste, überteuerteste Kampagne immer überdrüber-superdupereffektiv. Aber ich glaube nicht, dass ein Großunternehmen, das entsprechende Instrumente (Überprüfung der Effektivität durch unabhängige Marktforscher, ausgefeilte Kostenrechnung) zum Einsatz bringen kann, einen Haufen "Schmarotzer" aus der sogenannten Kreativbranche auf Dauer durchfüttern würde, wenn die ihm nix bringen.
Und zuletzt, wurde schon sinngemäß erwähnt: Selbst wenn manche Werbung nachweisbar "Milliarden in den Sand" setzen würde, das Geld wäre ausgegeben, irgendwer lebt davon, irgendwer verdient daran. Sonst würde es vielleicht bloß irgendwo gehortet (oder in griechische Staatsanleihen, MEL-Aktien oder dubiose Finanzderivate investiert). Dass es eine alternative - wie heißt es so schön? - Mittelallokation gibt, heißt nicht automatisch, dass die Alternative besser ist.
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
bleibt auch mein Himmel versperrt.
(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
Re: Milliarden in den Sand gesetzt?
von Livia Rohrmoser » 12. Juli 2011, 10:56
Heh! Net eine meiner schönen regelmäßigen Einkünfte ruinieren! ;)
Das Geld, das erwirtschaftet werden muss, damit es für Werbung ausgegeben werden kann, wird - no na net - von der werbenden Firma erwirtschaftet. Von wem sonst. Die überlegen sich sehr wohl, was sich rechnet.
Auch Michael hat recht mit seinem Argument, dass es naiv ist zu glauben, wenn das Geld nicht für Werbung ausgegeben würde, stünde es für - was weiß ich - bessere Bildung, die Sozialversicherung oder sonst etwas Sinnvollem zur Verfügung (das ist genau die Art von Milchmädchenrechnung, die die FPÖ und das BZÖ so furchtbar gerne aufstellen). Das Geld gehört ja dem Unternehmen und irgendein Aufsichtsrat oder Manager bestimmt, wofür es ausgegeben wird.
Drittens kenne ich viele, die z.B. die Hofer-, Zielpunkt- oder Lidl-Flugblätter nahezu sehnsüchtig erwarten, um zu schauen, ob es ein günstiges Angebot für etwas gibt, was sie gerade brauchen. Nicht jeder hat hier Internet bzw. nicht jeder kann damit umgehen.
Noch ein eigenes Kapitel sind Live-Events. Beim Sport z.B. sitzen ja viele vor dem Fernseher um quasi als erste dabei zu sein. Die würden sich mit Aufzeichnungen nicht zufrieden geben. (Wohl einer der Gründe, warum die Superbowlwerbeminuten alle vernünftigen Preisdimensionen sprengen.)
Und eigentlich wiederhole ich hier nur mit meinen Worten, was Michael schon schrieb.
Livia
Das Geld, das erwirtschaftet werden muss, damit es für Werbung ausgegeben werden kann, wird - no na net - von der werbenden Firma erwirtschaftet. Von wem sonst. Die überlegen sich sehr wohl, was sich rechnet.
Auch Michael hat recht mit seinem Argument, dass es naiv ist zu glauben, wenn das Geld nicht für Werbung ausgegeben würde, stünde es für - was weiß ich - bessere Bildung, die Sozialversicherung oder sonst etwas Sinnvollem zur Verfügung (das ist genau die Art von Milchmädchenrechnung, die die FPÖ und das BZÖ so furchtbar gerne aufstellen). Das Geld gehört ja dem Unternehmen und irgendein Aufsichtsrat oder Manager bestimmt, wofür es ausgegeben wird.
Drittens kenne ich viele, die z.B. die Hofer-, Zielpunkt- oder Lidl-Flugblätter nahezu sehnsüchtig erwarten, um zu schauen, ob es ein günstiges Angebot für etwas gibt, was sie gerade brauchen. Nicht jeder hat hier Internet bzw. nicht jeder kann damit umgehen.
Noch ein eigenes Kapitel sind Live-Events. Beim Sport z.B. sitzen ja viele vor dem Fernseher um quasi als erste dabei zu sein. Die würden sich mit Aufzeichnungen nicht zufrieden geben. (Wohl einer der Gründe, warum die Superbowlwerbeminuten alle vernünftigen Preisdimensionen sprengen.)
Und eigentlich wiederhole ich hier nur mit meinen Worten, was Michael schon schrieb.
Livia
Männer sind Schweine. Aber jede will doch ab und zu mal Schwein haben.
Re: Milliarden in den Sand gesetzt?
von Susanne Ofner » 12. Juli 2011, 12:22
Livia Rohrmoser hat geschrieben:Drittens kenne ich viele, die z.B. die Hofer-, Zielpunkt- oder Lidl-Flugblätter nahezu sehnsüchtig erwarten, um zu schauen, ob es ein günstiges Angebot für etwas gibt, was sie gerade brauchen
Ja, es gibt solche Leute.
Wobei ich mir ja ziemlich sicher bin, dass sie Geld sparen würden, wenn sie die Prospekte gezielt nicht anschauen. Ich bin davon überzeugt, dass ein Haufen Bedürfnisse im Sinn von "das brauche ich" erst durchs Prospektstudieren entstehen.
Su
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