Grundsteuer erhöhen
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Bankenrettung, Budgetloch, Arbeitslosigkeit - und wie geht's weiter?
Moderation: Gerald König
Grundsteuer erhöhen
von Gerald König » 13. Juli 2010, 07:57
Wie hier schon erwartet, kommt nun auch die Grundsteuer in Diskussion.
Einen sehr interessanten Artikel gibt es unter:
http://derstandard.at/1277337939079/Gru ... ehr-zahlen
Da kann man sich wohl selbst als "kleiner Häuslbauer" nicht sehr deutlich gegen eine Anhebung der Einheitswerte bei Grundstücken (vor allem bei landwirtschaftlichen Grundstücken) aussprechen...
Die eine oder andere Milliarde (je nach Steuersatz und Freibetrag) ist hier jedenfalls drin...
lgg
Einen sehr interessanten Artikel gibt es unter:
http://derstandard.at/1277337939079/Gru ... ehr-zahlen
Da kann man sich wohl selbst als "kleiner Häuslbauer" nicht sehr deutlich gegen eine Anhebung der Einheitswerte bei Grundstücken (vor allem bei landwirtschaftlichen Grundstücken) aussprechen...
Die eine oder andere Milliarde (je nach Steuersatz und Freibetrag) ist hier jedenfalls drin...
lgg
Re: Grundsteuer erhöhen
von Peter Thomas Suschny » 13. Juli 2010, 18:17
Ich habe den Artikel nur so überflogen, aber da stößt mir was mehr als sauer auf: die Klimt-Villa in Hietzing, Feldmühlgasse 11.
Beinahe wäre die schon der Spitzhacke zum Opfer gefallen, Legionen von Handelsakademie-Schülerinnen und Schüler (ich auch, Mai 1980) hatten dort Lehrbüro für Bürotechnik, offiziell gehörte das Gebäude einer Wiener HTL.
Ich wohnte nicht nur 1972 - 1989 (bei meinen Eltern), sondern auch 1996 - 2006 mit meiner eigenen Familie in Hietzing, einmal Lainz, einmal Ober St. Veit.
Irgendeiner super schnellen Person gelang es ein Gott sei Dank weniger interessantes Nebengebäude in einer Nacht- und Nebelaktion dem Erdboden gleich zu machen.
Der Rest konnte unter einem eilig gegründeten Verein, dem auch die international renommierte Kunst- & Kultur-Expertin Francesca Habsburg (nebenbei auch die Gattin des älteren Sohns von Otto Habsburg, geschätzt wird sie aber international für ihr Werk und nicht für ihren Gatten oder dessen Herkunft) angehört, gerettet werden.
Um 1997 oder 1998 hörte man erstmals wieder quer durch Hietzing über dieses Gebäude, denn man wollte dort eilig alles abreißen und teure Wohnungen hinbauen
(also kein wirklicher Nutzen für bedürftige Wohnungssuchende), als irgendwer historisch Bewanderter dahinter kam, dass das Gustav Klimts letztes Atelier war, ähnlich wollte man schon in der Gloriette-Gasse eine andere wertvolle Villa einfach dem Bösendorfer zur Verfügung stellen.
Warum soll man da bitte einen Verein, der sowieso keine Förderung irgendwelcher Art erhält, ohne nicht jahrelang darum zu kämpfen, mit einer hohen Grundsteuer belasten? Okay, ich kenne die finanzielle Gebarung nicht, vielleicht haben die inzwischen Förderungen aller Art; der Stand um die letzte Jahrzehnt-Wende (also 2000/01) ging aber eher in die Richtung, dass die Klimt-Villa durch die jahrzehntelange Nutzung diverser Wiener Schulen desaströs war, ich bilde mir ein, man erkennt das nach wie vor, wenn man näher das Foto anschaut.
Man wird also für solche Objekte sicher mehr Ausnahmen finden müssen und ich hoffe, dass dann nicht mehr Ausnahmen als Regelfälle diese Grundstücks-Steuer in der Einhebung teurer machen, als das was rausschaut.
Beinahe wäre die schon der Spitzhacke zum Opfer gefallen, Legionen von Handelsakademie-Schülerinnen und Schüler (ich auch, Mai 1980) hatten dort Lehrbüro für Bürotechnik, offiziell gehörte das Gebäude einer Wiener HTL.
Ich wohnte nicht nur 1972 - 1989 (bei meinen Eltern), sondern auch 1996 - 2006 mit meiner eigenen Familie in Hietzing, einmal Lainz, einmal Ober St. Veit.
Irgendeiner super schnellen Person gelang es ein Gott sei Dank weniger interessantes Nebengebäude in einer Nacht- und Nebelaktion dem Erdboden gleich zu machen.
Der Rest konnte unter einem eilig gegründeten Verein, dem auch die international renommierte Kunst- & Kultur-Expertin Francesca Habsburg (nebenbei auch die Gattin des älteren Sohns von Otto Habsburg, geschätzt wird sie aber international für ihr Werk und nicht für ihren Gatten oder dessen Herkunft) angehört, gerettet werden.
Um 1997 oder 1998 hörte man erstmals wieder quer durch Hietzing über dieses Gebäude, denn man wollte dort eilig alles abreißen und teure Wohnungen hinbauen
(also kein wirklicher Nutzen für bedürftige Wohnungssuchende), als irgendwer historisch Bewanderter dahinter kam, dass das Gustav Klimts letztes Atelier war, ähnlich wollte man schon in der Gloriette-Gasse eine andere wertvolle Villa einfach dem Bösendorfer zur Verfügung stellen.
Warum soll man da bitte einen Verein, der sowieso keine Förderung irgendwelcher Art erhält, ohne nicht jahrelang darum zu kämpfen, mit einer hohen Grundsteuer belasten? Okay, ich kenne die finanzielle Gebarung nicht, vielleicht haben die inzwischen Förderungen aller Art; der Stand um die letzte Jahrzehnt-Wende (also 2000/01) ging aber eher in die Richtung, dass die Klimt-Villa durch die jahrzehntelange Nutzung diverser Wiener Schulen desaströs war, ich bilde mir ein, man erkennt das nach wie vor, wenn man näher das Foto anschaut.
Man wird also für solche Objekte sicher mehr Ausnahmen finden müssen und ich hoffe, dass dann nicht mehr Ausnahmen als Regelfälle diese Grundstücks-Steuer in der Einhebung teurer machen, als das was rausschaut.
Re: Grundsteuer erhöhen
von Gerald König » 13. Juli 2010, 23:17
Ausnahmen sind in Österreich fast der Regelfall;-)
Grundsteuern sind jedoch eine Massensteuer, welche primär die Reichen und den sog. Mittelstand trifft.
Also im Zeitgeist;-)
lgg
Grundsteuern sind jedoch eine Massensteuer, welche primär die Reichen und den sog. Mittelstand trifft.
Also im Zeitgeist;-)
lgg
Re: Grundsteuer erhöhen
von Peter Thomas Suschny » 14. Juli 2010, 17:00
Gerald König hat geschrieben:Ausnahmen sind in Österreich fast der Regelfall;-)
Grundsteuern sind jedoch eine Massensteuer, welche primär die Reichen und den sog. Mittelstand trifft.
Also im Zeitgeist;-)
lgg
Also, wer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, ist schnell wieder geschieden (Zitat Karl-Vater Otto von Habsburg, als er einmal bei einem Pfadi-Bruder, der jetzt eher beim CV anzutreffen ist, einmal bei einem Stiftungsfest eingeladen war).
Aber im Ernst: das Problem von Stiftungen, die man ordentlich besteuern soll, hat halt den Nachteil, dass von Fall zu Fall entschieden gehört, wozu die Stiftung da ist. Um z. B. das Vermögen von wem zu parken kann nicht mit einer solchen verglichen werden, die Kulturgut (Klimtvilla) erhält.
Ist genauso mit 2 super reichen Amerikanern: Bill Gates und Warren Buffet spenden sehr viel von ihrem Vermögen für wohltätige Zwecke, egal wie man vor allem zu ersterem sonst stehen mag mit seiner Marktdominanz (die EU hat ihn ja schon ein paar Mal wegen diverser Monopol- bzw. Quasi-Monopol-Stellungen ordentlich geschnalzt, was ich so gelesen habe).
Wenn man aber bedenkt, was angeblich der "Fünfte", wie ihn manche nur nennen und sein Freund, der immer gleich von "Hetzjagd" spricht, Geld horten, kann sicher ordentlich besteuert werden.
OT:
Absolut böse und absolut gut wird es sowieso nie geben unter den zumindest gut Wohlhabenden (ist heute eigentlich noch wer betucht, oder stirbt dieser Begriff?): André Heller durfte sowohl in den 90ern in Wattens als auch kürzlich wieder für ein Wiener Haus des Swarovski-Konzerns die Kristallwelten gestalten, der Sozialdemokrat Heller arbeitet also gerne mit der Verwandtschaft der Gattin des KHG zusammen, von dem er per se nicht viel halten kann, stammt der doch aus der FPÖ (erst heute die FPK, wie sich die Zeiten ändern ...).
Ach ja, apropos der Swarovski-Konzern, der hat in Wien eine Tochter-Firma, die Swarco Futurit, die fertigt Verkehrsleit-Systeme, sowohl Ampeln (die aber fast nur in den Export gehen), als auch die Radar-Vorwarn-Tafeln und so weiter, die waren lange in der Josef-Benc-Gasse in Neu-Erlaa, bis sie in die Nähe des Reinhardt-Seminars übersiedelt sind (Gasse jetzt vergessen, waren in den 90ern ein fleissiger Botendienstkunde, bis sie ein Kollege zu seinen Privatkunden machte).
Und besagte Swarco hat auch eine Tochterfirma in Chicago. Die bekamen die allerersten Mautvignetten 1997 für die Fertigung, als es dann im eiskalten Jänner Probleme gab und die nicht immer gut hielten, kam ein gewisser Herr Jörg Haider gleich auf die Idee, auf Produkte aus Chicago zu nörgeln, die aber eigentlich von einem österreichischen Weltkonzern mit Werk in Chicago stammten (was ich noch von damals weiß, ohne im Netz nachzublättern).
OT-Ende.
Re: Grundsteuer erhöhen
von Gerald König » 14. Juli 2010, 17:41
Stiftungen haben IMO den Sinn, reiche Menschen nicht zur Steuerflucht zu verführen.
Gäbe es hier internationale Einigkeit, wären Stiftungen ruckzuck kein Thema mehr...
lgg
Gäbe es hier internationale Einigkeit, wären Stiftungen ruckzuck kein Thema mehr...
lgg
Re: Grundsteuer erhöhen
von Brigitte Grohmann » 14. Juli 2010, 18:02
OK was ist in solchen Stiftungen drin?
Grundbesitz: das schau ich mir an, wie der flüchtet.
Firmen: detto.
Aktien, Sparbücher usf.: das einzige, was flüchten kann. Allerdings stehen diese Fluchtmöglichkeiten jetzt schon offen. Und so toll begünstigt, IIRC, sind Stiftungen jetzt beim Zinsertrag auch nicht mehr, da sind die Cayman Islands oder was grad aktuell ist sicher günstiger.
Fazit: Stiftungen zu wohltätigen Zweken analog den amerikanischen Foundations: fördern & kontrollieren.
Stiftungen, damit reiche Herrschaften sich nicht den Kopf zerbrechen müssen, wem der lieben Kinderlein sie was vererben (Trusts): wie natürliche Personen besteuern.
Einwände?
brigitte
Grundbesitz: das schau ich mir an, wie der flüchtet.
Firmen: detto.
Aktien, Sparbücher usf.: das einzige, was flüchten kann. Allerdings stehen diese Fluchtmöglichkeiten jetzt schon offen. Und so toll begünstigt, IIRC, sind Stiftungen jetzt beim Zinsertrag auch nicht mehr, da sind die Cayman Islands oder was grad aktuell ist sicher günstiger.
Fazit: Stiftungen zu wohltätigen Zweken analog den amerikanischen Foundations: fördern & kontrollieren.
Stiftungen, damit reiche Herrschaften sich nicht den Kopf zerbrechen müssen, wem der lieben Kinderlein sie was vererben (Trusts): wie natürliche Personen besteuern.
Einwände?
brigitte
If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to
fucking fuck it up because that cunt's a cunt.
- Tucker's Law
fucking fuck it up because that cunt's a cunt.
- Tucker's Law
Re: Grundsteuer erhöhen
von Peter Thomas Suschny » 14. Juli 2010, 18:51
Auch endlich einmal die vielen Einkaufstempeln, SCS und Co, besteuern, also ich meine die, die auf die grüne Wiese gebaut wurden und die Nahversorgung zerstören, ein Generali-Center oder eine Galleria können da eher nicht gemeint sein, sogar Herr Lugner hat eine No-Go-Gegend belebt (egal, ob er selber nervt oder nicht), No-Go meine ich übrigens nicht, wie andere, weil dort lauter Ausländer sind, sondern weil dort früher, bis 1990, nichts war, öde Leere.
Es befand sich die mittlererweile in die Lohnergasse (1210) übersiedelte Galvanisierungs-Anstalt Skolnik (heute Collani-Skolnik) dort (das hat mir aber wer erzählt, ich wusste es auch nicht, was ein Wandelndes Lexikon hineingefüttert bekommt, weiß es aber danach
;-))
Es befand sich die mittlererweile in die Lohnergasse (1210) übersiedelte Galvanisierungs-Anstalt Skolnik (heute Collani-Skolnik) dort (das hat mir aber wer erzählt, ich wusste es auch nicht, was ein Wandelndes Lexikon hineingefüttert bekommt, weiß es aber danach
;-))
Re: Grundsteuer erhöhen
von Gerald König » 14. Juli 2010, 23:18
Brigitte Grohmann hat geschrieben:Fazit: Stiftungen zu wohltätigen Zweken analog den amerikanischen Foundations: fördern & kontrollieren.
Stiftungen, damit reiche Herrschaften sich nicht den Kopf zerbrechen müssen, wem der lieben Kinderlein sie was vererben (Trusts): wie natürliche Personen besteuern.
Einwände? brigitte
um höhere vermögenssteuern werden wir über kurz oder lang ohnehin nicht herumkommen - denn über bip-zuwächse oder lohnsteuereinnahmen lässt sich das marode schinakel österreich ohnehin nicht mehr finanzieren.
ad fazit: keine einwände, gar keine;-)
lgg
Re: Grundsteuer erhöhen
von Michael Suda » 15. Juli 2010, 07:35
Gerald König hat geschrieben:Wie hier schon erwartet, kommt nun auch die Grundsteuer in Diskussion.
Einen sehr interessanten Artikel gibt es unter:
http://derstandard.at/1277337939079/Gru ... ehr-zahlen
Da kann man sich wohl selbst als "kleiner Häuslbauer" nicht sehr deutlich gegen eine Anhebung der Einheitswerte bei Grundstücken (vor allem bei landwirtschaftlichen Grundstücken) aussprechen...
Die eine oder andere Milliarde (je nach Steuersatz und Freibetrag) ist hier jedenfalls drin...
Nach der Wiener Wahl bitte, nach der Wiener Wahl!
Das Letzte, was Papa Häupl jetzt brauchen kann, ist eine Diskussion über in Folge Grundsteuererhöhung steigende Mietzinse....von den ang'fressenen "kleinen Häuselbauern" ganz zu schweigen.
Eine Steuer, die pauschal nur "die Reichen" trifft, wird man halt schwer konstruieren können - oder sie brächte auch viel zu wenig.
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
bleibt auch mein Himmel versperrt.
(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
Re: Grundsteuer erhöhen
von Gerald König » 15. Juli 2010, 08:24
Der Herr Pröll hat ohnehin schon wieder abgewunken (wegen dem Mittelstand und so)...
((Übersetzung aus dem heimischen Sprachgebrauch, extra für die heimische Sprachpolizei: (ob "des Mittelstandes"))
Natürlich würde es die Mieter auch anteilig treffen - aber der Finanzminister denkt da wohl auch nicht ganz unüberlegt an "seine" Bauern und Grundbesitzer.
Bei der Reichensteuer fallen mir da spontan die KESt sowie die Besteuerung von Wertpapiergewinne (Behaltefrist) ein - da wäre (auch wenn die Zinserträge derzeit matt sind) einiges drin.
Und (wie schon erwähnt) ohne höhere Vermögenssteuer (bzw. neue Steuererfindungen) wird es (trotz derzeit guter Konjunkturentwicklung) nie und nimmer gehen.
lgg
((Übersetzung aus dem heimischen Sprachgebrauch, extra für die heimische Sprachpolizei: (ob "des Mittelstandes"))
Natürlich würde es die Mieter auch anteilig treffen - aber der Finanzminister denkt da wohl auch nicht ganz unüberlegt an "seine" Bauern und Grundbesitzer.
Bei der Reichensteuer fallen mir da spontan die KESt sowie die Besteuerung von Wertpapiergewinne (Behaltefrist) ein - da wäre (auch wenn die Zinserträge derzeit matt sind) einiges drin.
Und (wie schon erwähnt) ohne höhere Vermögenssteuer (bzw. neue Steuererfindungen) wird es (trotz derzeit guter Konjunkturentwicklung) nie und nimmer gehen.
lgg
23 Beiträge
• Seite 1 von 3 • 1, 2, 3
- Foren-Übersicht
- Alle Cookies des Boards löschen • Delete style cookies • Time zone: Europe/Vienna [ Sommerzeit ]

