Wundert sich jemand über das Ergebnis?
Diskussionen zur Politik in der Bundeshauptstadt.
Moderation: Susanne Ofner
Re: Wundert sich jemand über das Ergebnis?
von Martin Polak » 14. Oktober 2010, 10:49
Michael Suda hat geschrieben:Viele haben anscheinend beispielsweise das Gefühl, dass die türkische Community, Eingebürgerte wie Nichteingebürgerte, inzwischen eine Größe und ein (soziales) Gewicht erreicht hat, bei dem sie anfängt, den Alteingesessenen auf der Nase herumzutanzen.
Das ist ja auch genau der Punkt, der auch bedingt ist durch eine gewisse selektive Wahrnehmung.
Ich kann dir einige Beispiele nennen, wo ich finde, dass Mitbürger mit Migrationshintergrund anderen (damit auch "Alteingesessenen", aber auch irgendwie mir) auf der Nase herumtanzen, wo man sich wirklich verarscht vorkommt. ABER: Das tun andere ganz ohne Migrationshintergrund auch. Wenn du aber nur wahrnimmst, dass der böse Türke nach Wien kommt und sich hier zB. Vorteile erschleicht, die ihm gar nicht zustehen, und die Stimmung etc. passt, dann projizierst du das leicht einmal auf "die Türken" oder "die Ausländer und übersiehst dabei geflissentlich (oder lässt es dort durchgehen), dass viele der "Unsrigen" genauso agieren. Entweder blendet man das aber aus, oder man toleriert es.
Stimmt das (in meiner Zeit im 15. hatte ich diesen Eindruck noch nicht)?
Ich würde hier ganz klar "Ja" sagen.
Es kommt vor, und hier dienen ganz kleine Dinge gleich als Katalysatoren, um eine ganze Menge an Menschen empfänglich für HCs Diktion zu machen. Und das wird geschickt ausgenutzt.
Das Problem ist, kurz ausgedrückt: Wie machst du Leute so denkfähig, dass sie solche Kleinigkeiten objektiv bewerten und nicht zum Anlass nehmen, in Vorurteile zu verfallen, Pauschalurteile zu fällen und somit gewisse Parteien zu wählen?
Argumente sind hier nämlich nicht mehr wirksam.
Es wäre ein Fehler zu sagen, die 27 Perzent FPÖ-Wählerinnen und Wähler seien nur paar "Verirrte" (Schafe?), und mit der richtigen Wahlwerbung "holen wir die zurück", wie das jetzt einige bei der SPÖ tun. Genau diese bevormundende Haltung der Mächtigen treibt die Leute noch mehr in Richtung FPÖ.
Ich glaube auch, dass eine Trivialisierung dieser Thematik der Sache nicht gerecht wird und ihr eher schadet als hilft. Das einfache Gemüt und die einfache Argumentation mancher/vieler dieser Wähler ist nicht durch ebenso einfache Handlungen zu kompensieren/zu reparieren.
Martin
Re: Wundert sich jemand über das Ergebnis?
von Kurt Radowisch » 14. Oktober 2010, 11:37
Ein Arbeitskollege, der im 20. wohnt, hat mir folgenden Anhang gemailt:
Meinungen hierzu?
LG Kurt
Meinungen hierzu?
LG Kurt
Re: Wundert sich jemand über das Ergebnis?
von Brigitte Grohmann » 14. Oktober 2010, 15:52
Eine Volksschule mit vielen kleinen Kindern?
Ich weiss schon, es geht um die vielen kleinen Muhammeds und Aishes, richtig? Wie ich schon vorher gesagt hab, in bestimmten Vierteln konzentrieren sich bestimmte soziale Schichten. In einer Voksschule im 7. Bezirk hättest du dafür lauter Lauras und Leons. Die nicht vorhandene soziale Durchmischung gibt es in jeder Stadt.
(ich halte allerdings auch Eltern für Idioten, die ihr Kind in Wien "Osayamwenre" nennen, warum machen sie es dem Kleinen unbedingt schwer?)
brigitte
Ich weiss schon, es geht um die vielen kleinen Muhammeds und Aishes, richtig? Wie ich schon vorher gesagt hab, in bestimmten Vierteln konzentrieren sich bestimmte soziale Schichten. In einer Voksschule im 7. Bezirk hättest du dafür lauter Lauras und Leons. Die nicht vorhandene soziale Durchmischung gibt es in jeder Stadt.
(ich halte allerdings auch Eltern für Idioten, die ihr Kind in Wien "Osayamwenre" nennen, warum machen sie es dem Kleinen unbedingt schwer?)
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If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to
fucking fuck it up because that cunt's a cunt.
- Tucker's Law
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Re: Wundert sich jemand über das Ergebnis?
von Dieter Henkel » 14. Oktober 2010, 16:48
Brigitte Grohmann hat geschrieben:(ich halte allerdings auch Eltern für Idioten, die ihr Kind in Wien "Osayamwenre" nennen, warum machen sie es dem Kleinen unbedingt schwer?)
Was, wenn sie erst später hergezogen sind? Sie deshalb gleich Idioten zu nennen, halte ich für ziemlich falsch.
Re: Wundert sich jemand über das Ergebnis?
von Brigitte Grohmann » 14. Oktober 2010, 17:37
Ich red auch nicht von exakt diesen Eltern, sondern generell von Eltern, die ihrem Kind super-exotische Namen geben. Vielleicht sind sie auch keine Idioten, sondern einfach schlechte Eltern, weil sie ihrem Kind damit unnötig Steine in den Weg legen. Das kann man jetzt bejammern, dass unsere Gesellschaft so böse ist, dass es ein David leichter hat als ein Osayamwenre, aber als Mutter würd ich das eher pragmatisch denn philosophisch sehen und es meinem Kind so leicht wie möglich machen.
brigitte
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Re: Wundert sich jemand über das Ergebnis?
von Harald Silvio Frassine » 14. Oktober 2010, 21:51
der eigentliche punkt ist aber der, dass 95% der imigrantInnenkinder so gut deutsch kennen wie die einheimischen! (und ebenso wie die völlig inländischen kinder bildungsfernere oder -nähere eltern haben.)
Re: Wundert sich jemand über das Ergebnis?
von Susanne Ofner » 14. Oktober 2010, 22:24
Harald Silvio Frassine hat geschrieben:der eigentliche punkt ist aber der, dass 95% der imigrantInnenkinder so gut deutsch kennen wie die einheimischen!
Ich kann nicht sagen, ob der Prozentsatz, den du nennst, korrekt ist.
Aber sicher ist, dass ein "ausländischer" Name nicht gleichbedeutend mit "keine Deutschkenntnisse" und/oder "Nachteil für die 'unsrigen' Kinder" ist.
Das Klassenklima zusammenhauen kannst dir auch mit ein, zwei "österreichischen" Rotzpipen (oder, fairer ausgedrückt - ein, zwei "österreichischen" Kindern, die mit Problemen nimmer zurandekommen).
Ich weiß, Anekdoten können keine statistisch gesicherten Zusammenhänge ersetzen, aber nur zur Illustration:
Ich bin am Land in die Volksschule gegangen, Ende der 1960er Jahre. "Ausländerkinder" gabs keine. Die Underdogs bei uns in der Klasse waren einerseits die Kinder der Bauern (arme Eltern, keine Hilfe beim Hausübungmachen, weniger schöne Buntstifte, schiache Hausschuhe, ärmliche Kleidung) und die Kinder ausm Caritas-Schülerheim (so richtig schlimm arme Kinder in jeder Hinsicht: aus völlig desolaten Familien rausgenommen und in dieses Internat verfrachtet, wo schwarze Pädagogik samt Prügeln herrschte).
Diese Kinder hatten alles an Nachteilen, die man nur haben kann. In der Klasse der letzte Dreck, von der Lehrerein scheel angesehen. Die ersten, die in der Ecke stehen mussten etc. Vielfach schlechtere Schulleistungen als die anderen, zum Teil verhaltensauffällig (no na) etc. etc.
Sie haben halt österreichischen Dialekt gesprochen.
Ich würde sagen, das ist von der schul-sozialen Problematik durchaus vergleichbar mit den Kindern, die heute unter "Ausländer" zusammengefasst und gebrandmarkt werden.
Nur hat keiner die Idee gehabt, sie für (Mangel an guten) Schulleistungen anderer Kinder verantwortlich zu machen. Und niemand hat gesagt, "mein Kind soll nicht in derselben Klasse wie diese völlig verwahrlosten Heimkinder sitzen".
Begriffe wie "Integration" waren damals unbekannt, aber der Gedanke, dass man die Auffälligen gleich mal aussondert, war ebenso unbekannt.
Nein, ich will der Schule der 1960er Jahre bestimmt keine Lanze brechen (ich weiß schon, welche Entsetzlichkeiten da vorkamen). Aber in Summe hat das mit der Integration halbwegs geklappt. Die besseren SchülerInnen sind zu den schlechteren gesetzt worden, damit letztere ein bissl Unterstützung haben etc., und keines der "besseren Kinder" hat davon einen Schaden erlitten.
Su
Re: Wundert sich jemand über das Ergebnis?
von Dieter Henkel » 15. Oktober 2010, 17:04
Susanne Ofner hat geschrieben:Die besseren SchülerInnen sind zu den schlechteren gesetzt worden, damit letztere ein bissl Unterstützung haben etc., und keines der "besseren Kinder" hat davon einen Schaden erlitten.
... und haben vielleicht sogar ein wenig Sozialkompetenz dabei erworben.
Re: Wundert sich jemand über das Ergebnis?
von Peter Thomas Suschny » 15. Oktober 2010, 17:39
Brigitte Grohmann hat geschrieben:dass es ein David leichter hat als ein Osayamwenre,
brigitte
David ist aber der ur-jüdische Namen, das kann gut gehen (David Lasar bei der FPÖ, Vater Siegfried war wenigstens noch bei der ÖVP Leopoldstadt Bezirksrat), kann aber auch gefährlich sein.
Ansonsten gebe ich Dir aber recht. Das gilt übrigens auch für die ganzen urgermanischen Namen, nämlich nicht Adolf (der ist ja erst durch Hitler so einschlägig geworden, soll in Deutschland übrigens jetzt wieder langsam kommen), aber Ortolf, Guntbert, Kri(e)mhilde, ... warum gibt man das einem Kind nicht als 2 oder 3. Namen, den muss es wenigstens nie führen (Barbarella z. B. wie meine Jüngste ...)
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