Überraschende Totalsperre am Gürtelabschnitt der U6
Diskussionen zur Politik in der Bundeshauptstadt.
Moderation: Susanne Ofner
Überraschende Totalsperre am Gürtelabschnitt der U6
von Michael Suda » 13. Juli 2011, 11:14
derStandard,at (Online-Ausgabe)
Info der Wiener Linien (WL)
ORF-Online Wien
Man kann es einmal vorsichtig so ausdrücken: Wenn man sich - mit äußerst kurzer Vorbereitungszeit und anderen Vorankündigungen (Durchfahren und Sperre der Station Josefstädter Straße nur für den Fahrgastwechsel) - zu so etwas entschließt, dann sind vielleicht Teile des gemauerten Viaduktes (die Hochbahnstationen der U6 am Gürtel sind quasi "um den Viadukt", auf dem die Gleise liegen, herumgebaut worden; Stationsgebäude und Fahrweg sind also statisch zwei getrennte Bauwerke) dort kurz vor oder jenseits des Prädikats "Einsturzgefahr".
Möglicherweise liegt das daran, dass man im Stationsbereich Josefstädter Straße schon vor Jahrzehnten, also zur Zeit, als die U6 noch Stadtbahn hieß, einen schotterlosen Oberbau ausprobiert hat. Ich spekuliere, aber vielleicht war man damals beim Abtragen von Gewölbeschichten und Drüberbetonieren ein klein bisserl zu großzügig.....und jetzt müssen da in Nullkommanix irgendwelche Verstärkungselemente rein.
Info der Wiener Linien (WL)
ORF-Online Wien
Man kann es einmal vorsichtig so ausdrücken: Wenn man sich - mit äußerst kurzer Vorbereitungszeit und anderen Vorankündigungen (Durchfahren und Sperre der Station Josefstädter Straße nur für den Fahrgastwechsel) - zu so etwas entschließt, dann sind vielleicht Teile des gemauerten Viaduktes (die Hochbahnstationen der U6 am Gürtel sind quasi "um den Viadukt", auf dem die Gleise liegen, herumgebaut worden; Stationsgebäude und Fahrweg sind also statisch zwei getrennte Bauwerke) dort kurz vor oder jenseits des Prädikats "Einsturzgefahr".
Möglicherweise liegt das daran, dass man im Stationsbereich Josefstädter Straße schon vor Jahrzehnten, also zur Zeit, als die U6 noch Stadtbahn hieß, einen schotterlosen Oberbau ausprobiert hat. Ich spekuliere, aber vielleicht war man damals beim Abtragen von Gewölbeschichten und Drüberbetonieren ein klein bisserl zu großzügig.....und jetzt müssen da in Nullkommanix irgendwelche Verstärkungselemente rein.
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
bleibt auch mein Himmel versperrt.
(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
Re: Überraschende Totalsperre am Gürtelabschnitt der U6
von Susanne Ofner » 13. Juli 2011, 11:57
Na wui. Spontane Sperre für so lange Zeit ist heftig.
Bin gespannt auf die Hintergründe.
Bin gespannt auf die Hintergründe.
Su
Re: Überraschende Totalsperre am Gürtelabschnitt der U6
von Dieter Henkel » 13. Juli 2011, 12:08
Von "Einsturzgefahr" kann ich in keinem Artikel lesen und halte deine Vermutung für etwas gewagt. Wie jeder weiß, können bei Restaurierungen und Reparaturen Dinge auftreten, die auch bei guter Planung nicht vorhersehbar waren. Wenn jetzt eben mehr Platz zum Arbeiten (auf dem Gleiskörper) benötigt wird, dann ist eine Vollsperre unausweichlich.
Das Abtragen der Betondecke muss nicht notwendigerweise durch "Einsturzgefahr" ausgelöst worden sein, es kann auch einfach sein, dass man festgestellt hat, dass es in naher Zukunft ein ernstes Problem werden könnte und man es lieber besser gleich macht, wo man ohnehin schon an der Station arbeitet.
Edit: Eines zeigt die Führung des Ersatzverkehrs jedoch eindeutig: Der 8er hätte niemals eingestellt werden dürfen.
Das Abtragen der Betondecke muss nicht notwendigerweise durch "Einsturzgefahr" ausgelöst worden sein, es kann auch einfach sein, dass man festgestellt hat, dass es in naher Zukunft ein ernstes Problem werden könnte und man es lieber besser gleich macht, wo man ohnehin schon an der Station arbeitet.
Edit: Eines zeigt die Führung des Ersatzverkehrs jedoch eindeutig: Der 8er hätte niemals eingestellt werden dürfen.
Re: Überraschende Totalsperre am Gürtelabschnitt der U6
von Livia Rohrmoser » 13. Juli 2011, 12:24
Dieter Henkel hat geschrieben:Edit: Eines zeigt die Führung des Ersatzverkehrs jedoch eindeutig: Der 8er hätte niemals eingestellt werden dürfen.
Ich will ja nicht sagen, dass das damals schon viele gesagt haben, aber die Wiener Linien haben es mit wirtschaftlichen Motiven begründet.
Was für mich heißt, wie ebenfalls nicht neu, liebe Wiener Stadtregierung: Finanziert sie endlich ordentlich!
Livia
Männer sind Schweine. Aber jede will doch ab und zu mal Schwein haben.
Re: Überraschende Totalsperre am Gürtelabschnitt der U6
von Dieter Henkel » 13. Juli 2011, 17:34
Livia Rohrmoser hat geschrieben:Ich will ja nicht sagen, dass das damals schon viele gesagt haben, aber die Wiener Linien haben es mit wirtschaftlichen Motiven begründet.
Was für mich heißt, wie ebenfalls nicht neu, liebe Wiener Stadtregierung: Finanziert sie endlich ordentlich!
Nein, die Stadtregierung wollte den 8er weg haben (dann kann man mehr Platz für die Autos schaffen), die Wiener Linien (oder damals noch "Stadtwerke") hätten ihn schon weiter betrieben, hatten aber nichts zu melden, IIRC.
Es haben übrigens damals schon viele gewusst, dass es eine Schnapsidee ist, immerhin fuhr der 8er jahrzehntelang parallel zur Stadtbahn und beide Verkehrsmittel waren nicht leer. Die Umbenennung zur U-Bahn und dem Credo, dass es keine Parallelführung von Straßen- und U-Bahn geben dürfe (Schwachsinn, die beiden Verkehrsmittel bedienen unterschiedliche Bedürfnisse), folgte dann die Einstellung.
Es hat große Bürgerproteste gegen die Einstellung gegeben, so ziemlich das erste Mal beim Verschwinden einer Straßenbahnlinie.
Re: Überraschende Totalsperre am Gürtelabschnitt der U6
von Harald Silvio Frassine » 13. Juli 2011, 22:42
U.a. hatte der 8er auch mehr Stationen, z.B. bei mir die Station Felbersstraße.
Re: Überraschende Totalsperre am Gürtelabschnitt der U6
von Michael Suda » 18. Juli 2011, 10:31
Livia Rohrmoser hat geschrieben:Dieter Henkel hat geschrieben:Edit: Eines zeigt die Führung des Ersatzverkehrs jedoch eindeutig: Der 8er hätte niemals eingestellt werden dürfen.
Ich will ja nicht sagen, dass das damals schon viele gesagt haben, aber die Wiener Linien haben es mit wirtschaftlichen Motiven begründet.
Was für mich heißt, wie ebenfalls nicht neu, liebe Wiener Stadtregierung: Finanziert sie endlich ordentlich!
Livia
Das Problem ist die symbiotische Union zwischen WL und Stadt Wien, auch wenn erstere jetzt g'schamig das Stadtwappen aus ihrem Logo entfernt haben.
Die WL werden von der Stadt im Grund m.E. recht großzügig alimentiert, dafür müssen sie aber auch tanzen, wenn der Bürgermeister die Geige hebt und etwa den "ULF-Walzer" intoniert. Auch ein U-Bahnbetrieb mit Sechswagenzügen im Vierminutenintervall nach Aspern oder Leopoldau ist betriebswirtschaftlich nicht zu rechtfertigen, die WL dürfen das aber aus politischen Gründen nicht einmal flüsternd zugeben. Das wäre bei einem Betriebsführer ohne ökonomische Verflechtung mit der Stadt vielleicht nicht garantiert.
Gegen solche Dinge wär ein Parallelbetrieb U6/Achterwagen am Gürtel eine betriebswirtschaftliche Petitesse gewesen. Allerdings müsste man da z.B. auch mitkalkulieren, dass in diesem Fall der Bahnhof Währing wahrscheinlich nicht aufgelöst und die Liegenschaft in weiterer Folge nicht verkauft hätte werden können, usw.
Der Unterschied liegt bekanntlich in der politischen Wirkung der U-Bahn als Instrument der Propaganda, der Stadtplanung und der Stadtentwicklung, die bisher kaum ökonomisch hinterfragt wird.
Auch Frau Vassilakou ist aus meiner Sicht drauf und dran, diesem für Politiker/innen fatalen "Zauber der U-Bahn" zu verfallen. Was hört man neuerdings für Gerüchte, dass die U1-Südverlängerung nicht abgesagt oder aufgeschoben wird, sondern, im Gegenteil, eine (unbedingt teurere) Neuplanung nach Oberlaa (Therme Wien) im Gange ist?
Das Problem bei jeder derzeit vorgeschlagenen Straßenbahnerweiterung ist nämlich, dass die WL die Abstell- und Wartungskapazitäten für Tramways (m.E. bewusst und gezielt) so knapp halten (d.h. Anlagen schließen, Flächen verkaufen), dass etwa für einen rückumgestellten 13er wahrscheinlich auch eine komplett neue Abstellanlage geschaffen werden müsste, die natürlich ein Schweinegeld kosten würde. Da, wo es politisch opportun ist, kalkulieren die WL dann plötzlich mit geradezu beinhart-kapitalistischer Raison! Zusätzliche Busse kann man dagegen flexibler zur Not auch im Freien auf dem Hof einer der drei Betriebsgaragen (oder sogar auf öffentlichen Verkehrsflächen!) abstellen oder einfach eine Drittfirma mit der Bedienung einer Linie beauftragen.
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
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Re: Überraschende Totalsperre am Gürtelabschnitt der U6
von Michael Suda » 18. Juli 2011, 11:06
Dieter Henkel hat geschrieben:Von "Einsturzgefahr" kann ich in keinem Artikel lesen und halte deine Vermutung für etwas gewagt. Wie jeder weiß, können bei Restaurierungen und Reparaturen Dinge auftreten, die auch bei guter Planung nicht vorhersehbar waren. Wenn jetzt eben mehr Platz zum Arbeiten (auf dem Gleiskörper) benötigt wird, dann ist eine Vollsperre unausweichlich.[Rest gekürzt]
Hmmm, ich lese in einer offiziellen Info der Stadt Wien den Satz:
"Aufgrund von unvorhergesehene Umständen, müssen die Wiener Linien im Zeitraum von 18. Juli bis Ende August den gesamten Betrieb der Linie U6 zwischen den Stationen Westbahnhof und Alser Straße einstellen."
An anderer Stelle heißt es:
"Nach den ersten Sanierungsmaßnahmen wurde festgestellt, dass zusätzliche und technisch komplexe Arbeiten am Mauerwerk unterhalb der Bahnsteige und im Stationsgebäude notwendig sind."
Sehr vage und nebulös! Wenn man sich aus wirtschaftlichen Gründen entschlossen hätte, einfach gründliche Sanierungsarbeiten vorzuziehen, warum gibt man das nicht einfach zu? Meiner Erfahrung nach, schwurbelt man vor allem dann so um den heißen Brei herum, wenn ein Journalist aus der Wahrheit etwas machen könnte, das mit den Begriffen "Angst" oder "Sorgen machen" getagt würde! Klar, jeder würde im Fall, dass meine Spekulation richtig wäre, sofort fragen: "Und was ist mit den übrigen Otto-Wagner-Stationen, mit dem ganzen Stadtbahnviadukt?"
Zur Beruhigung: die Stadtbahn wurde als Vollbahn mit Achs- und Meterlasten geplant, wie sie für um 1900 übliche Güterzüge und schwerste Dampflokomotiven gepasst hätten. Die hält bei normalen, regelmäßigen Instandhaltungsarbeiten die heutigen Leichtmetrozüge der U6 locker noch ewig und drei Tage aus - so nicht eben vielleicht bei Bauarbeiten irgendwo, irgendwann was verpfuscht worden wäre......
Und manchmal bedienen sich möglicherweise sogar Journalisten ("Wiener Zeitung", Online-Ausgabe, "Tramlinie muss U6 bis Herbst ersetzen" in der Blackbox (fürs Protokoll: ich kenne Herrn Christian Mayr nicht persönlich, er ist aber der m.E. über die Verhältnisse bei den WL stets am besten informierte Lokalberichterstatter und würde sicher kein Gerücht aus dem Internet kolportieren, wenn es nicht mindestens eine zweite Quelle gäbe).
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Re: Überraschende Totalsperre am Gürtelabschnitt der U6
von Dieter Henkel » 18. Juli 2011, 12:35
Ich schließe ja nicht aus, dass Einsturzgefahr besteht, aber es handelt sich um eine Vermutung. Da wir nicht die Informationen besitzen, können wir maximal spekulieren. Besteht sie überhaupt? Besteht sie, seit jetzt gearbeitet wird? Bestand sie vorher schon?
Nur weil mehr Platz benötigt wird und man daher auch von den Gleisen aus arbeiten muss, heißt es noch lange nicht, dass deswegen Einsturzgefahr besteht. Selbst wenn - dann wurde wenigstens richtig reagiert und man lässt keine U-Bahnen mit Fahrgästen dort fahren.
Bei dem von dir zitierten Text findet sich wieder einmal ein beliebter Fehler von nicht ganz sattelfesten Reportern. ;-)
"Der „E-Wagen” wird übrigens die erste Nacht-Straßenbahn werden, da die Betriebszeiten jenen der U-Bahn entsprechen und diese am Wochenende inzwischen auch in der Nacht unterwegs ist."
Die Nacht-Straßenbahn gab es von 1917-1945 schon. Damals verband sie als Rundlinie die Bahnhöfe (Linien 12 & 14)
Nur weil mehr Platz benötigt wird und man daher auch von den Gleisen aus arbeiten muss, heißt es noch lange nicht, dass deswegen Einsturzgefahr besteht. Selbst wenn - dann wurde wenigstens richtig reagiert und man lässt keine U-Bahnen mit Fahrgästen dort fahren.
Bei dem von dir zitierten Text findet sich wieder einmal ein beliebter Fehler von nicht ganz sattelfesten Reportern. ;-)
"Der „E-Wagen” wird übrigens die erste Nacht-Straßenbahn werden, da die Betriebszeiten jenen der U-Bahn entsprechen und diese am Wochenende inzwischen auch in der Nacht unterwegs ist."
Die Nacht-Straßenbahn gab es von 1917-1945 schon. Damals verband sie als Rundlinie die Bahnhöfe (Linien 12 & 14)
Re: Überraschende Totalsperre am Gürtelabschnitt der U6
von Kurt Radowisch » 18. Juli 2011, 14:35
Jetzt gibt es wenigstens wieder mehr Buchstaben-Linien. Ich glaube, vor dem E waren eh der D und der O die letzten Linien dieser Art.
LG Kurt
LG Kurt
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