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Alternative Wahlberichterstattung - Beispiel "Meine Wahl"

Diskussionen zur Politik in der Bundeshauptstadt.

Moderation: Susanne Ofner

Alternative Wahlberichterstattung - Beispiel "Meine Wahl"

Beitragvon Stefan Mackovik » 5. Oktober 2010, 23:58

Ich hatte vergangenen Sonntag das Vergnügen, bei der ATV- Diskussion bzw. Veranstaltung "Meine Wahl" zur Wien- Wahl in der Stadthalle teilzunehmen. Dabei bin ich im "Fansektor" der Grünen gesessen, und muss ehrlich zugeben, dass es Spaß gemacht hat - und sich wohltuend, wie übrigens auch anderen Sendungen auf den Privaten über die Wahl von der 08/15- ORF- Berichterstattung unterschieden hat.

Die Atmosphäre glich, wohl auch nicht ganz unbeabsichtigt den Gladiatorenkämpfen im alten Rom.

Die "Fansektoren" waren feinsäuberlich getrennt, links außen grün, danach rot, Mitte rechts schwarz und rechts außen blau. Wobei jeweils rot/grün und schwarz/blau eigene Zugänge zu ihren Plätzen hatten. Hat man da eventuell Ausschreitungen vorbeugen wollen?

Schon vor der Halle gab's jede Menge Stimmung: je nach Grüppchen viel grüne, rote, gelbe (ÖVP) oder blaue Farbe, Luftballons, Windräder, Trommlergruppen.

Nur Otternasen hat leider keiner verteilt und die Volksfront war auch nicht vor Ort - wohl weil die vier Parteien jeweils ein Kontingent von etwa 500 Eintrittskarten vergeben durften, als "parteiloser" konnte man also gar nicht rein.

Drin dann sehr gute Stimmung, Sprechchöre von ÖVP, FPÖ aber vor allem den Roten - man merkt dieser Partei an, dass sie ihre Wurzeln in der Arbeiterbewegung hat.

Als Vorbereitung wurden wir von einem ATV- Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass wir den Raum zwei Stunden nicht verlassen sollten, nur kurz klatschen dürften, bei den gegnerischen Kandidaten keine "Buh"- Rufe ausstoßen loslassen sollten. Für Gelächter auf der linken Seite sorgte, dass den "Rechten" (politisch wie auch laut Sitzordnung) das Aufstehen nicht gefahrlos möglich war, weil sich dort ein Kamerakran befand.

Ich glaube allerdings nicht, dass ATV ernsthaft damit gerechnet hat, dass sich das aufgeheizte Publikum an die Vorgaben halten würde - im Gegenteil war es wohl insgeheim ein nicht unwesentliches Konzept der Sendung.

Die Anwesenheit der Anhänger der vier Partei hat dann wohl auch dazu beigetragen, dass so mancher Politiker zur Hochform auffiel, als politischer Linksausleger ist mir das jedenfalls bei Vassilakou, Häupl aber auch bei Marek aufgefallen - Strache schien das Konzept überraschenderweise nicht besonders zu liegen.

Besonders laut wurde es im Saal, als Strache drohte, die Sendung zu verlassen, weil er zu einem Thema nicht zu Wort gekommen war - ich nehm' an, dass die "Auf Wiedersehen" - Rufe auch im TV zu hören waren.

Ich muss ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich die TV- Sendung selbst noch nicht gesehen habe - also keine Ahnung wie's dort 'rüber kam.

Und selbstverständlich kann man Sendungen wie diese nicht kritiklos nur in positivem Licht sehen - Politik ist schließlich meist im wahren Leben kein Gladiatorenkampf sondern harte Arbeit, und so mancher mag das "Grölen des Volkes" in einer TV- Sendung als störend bis bedrohlich empfinden.

Trotzdem habe ich das Format als erfrischend neu und anders empfunden, zumal einerseits die Moderatoren unkonventionelle Fragen stellten, zum anderen weil in dem Setting das ewig gleiche populistisch-NLPmässige Phrasen-dreschen nicht möglich war.

Herkömmliche Diskussionssendungen mit Politikern (Runder Tisch, Betrifft und wie sie alle heißen) kann ich mir gar nicht mehr anschauen ohne Magengeschwüre zu bekommen.

Zusammen mit diversen anderen Formaten, beispielsweise auch auf puls4, etwa "Wahl 2010 - Der Kampf um Wien" oder "Wahlkampfgeschichten" auf dem selben Sender tragen aus meiner Sicht jedenfalls dazu bei, frischen Wind in die Wahlkampfberichterstattung zu bringen und er weiß,. vielleicht helfen sie auch, die allgemeine Polit(iker)verdrossenheit etwas zu senken.
Alfons Haider hat recht.
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Stefan Mackovik
 

Re: Alternative Wahlberichterstattung - Beispiel "Meine Wahl

Beitragvon Michael Suda » 6. Oktober 2010, 06:40

Sehr interessanter Bericht, dessen einem Resümée ich mich anschließen möchte: der ORF ist, was die Berichterstattung über den Wiener Wahlkampf betrifft, völlig abgemeldet, less than zero.

Wird sich wohl auch auf die Einschaltquoten auswirken.
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
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Michael Suda
 

Re: Alternative Wahlberichterstattung - Beispiel "Meine Wahl

Beitragvon Susanne Ofner » 6. Oktober 2010, 09:08

Stefan Mackovik hat geschrieben:Herkömmliche Diskussionssendungen mit Politikern (Runder Tisch, Betrifft und wie sie alle heißen) kann ich mir gar nicht mehr anschauen ohne Magengeschwüre zu bekommen.


Allerdings. Und es ist verlorene Zeit, wenn (hochrangige) PolitikerInnen in der Runde sitzen, denn die geben irgendwelche ewig gleichen Statements von sich und versuchen sowieso, jede Reaktion auf die Äußerungen anderer so hinzudrehen, dass sie etwas aus ihrem Fundus an vorbereiteten Phrasen anbringen können.

Danke für deinen Bericht!
Und dass Strache nicht in Hochform kommt, wenn es statt aufgeputschter Anhänger auch "gegnerische Fans" gibt, wundert mich eigentlich nicht.
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Susanne Ofner
 


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