Aktuelle Zeit: 22. Mai 2012, 03:46
   
Text-Größe

Leben, um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

Österreichische Außenpolitik, Weltinnenpolitik, Globalisierung, UNO, WTO, GATT und der ganze Rest.

Leben, um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

Beitragvon Stefan Mackovik » 19. Februar 2010, 07:53

Weiss nicht, ob es konkret hier reinpasst, aber es ist in jedem Fall auch ein weltpolitisches Thema.

Ich stelle mir seit einiger Zeit die Frage, ob nicht grundsätzlich was schief läuft in unserer (westlichen) Gesellschaft, wenn es um das Thema Arbeit geht.

Denn für die Mehrheit der Menschen ist "Arbeit" der zentrale Punkt im Leben, um den sich alles dreht. So arbeitet man mindestens 40 Stunden, meistens sogar um einiges mehr - und für Freizeit, Familie ist dann eigentlich nur "Nebensache". Wir definieren uns über unsere Arbeit, darüber was wir "leisten" und fühlen uns (in der großen Mehrheit) "minderwertig" wenn wir mal länger arbeitslos sind.

Dabei sollte, meiner Ansicht nach Arbeit nur Mittel zum Zweck sein - um sich eben das Leben finanzieren zu können, um Dinge tun zu können, die man gerne machen würde. Glücklich sind wohl da nur die, die ihren absoluten "Traumjob" gefunden haben, und das arbeiten, was sie gerne tun.

Dabei ist es ja gleichzeitig absurd, dass es zu wenig Arbeit gibt, während genügend Menschen 60 - 80 Stunden in der Woche arbeiten.Was würde also näher liegen, als die Arbeit gerechter zu verteilen - 3, die 27 Stunden die Woche arbeiten statt einem, der 80 arbeitet zum Beispiel.

Ich habe erst unlängst mit zwei Kollegen gesprochen, deren Traum es wäre, nur mehr 0 Stunden (oder weniger) pro Woche arbeiten zu müssen - und meiner wäre das auch. Endlich all die Dinge tun, die man immer gerne machen würde, für die man nach einem langen Arbeitstag aber zu müde ist, und die man dann im Endeffekt lange vor sich herschiebt, manchmal auch gar nicht macht.

Ich will jedenfalls dem Grundsatz

Arbeiten, um zu leben, statt leben um zu arbeiten

folgen.

Stefan
Alfons Haider hat recht.
Bild
Stefan Mackovik
 

Re: Leben, um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

Beitragvon Julia Braunegg » 19. Februar 2010, 08:48

Ich seh das auch so, befinde mich grad in einem Neuorientierungsprozess diesbezüglich, und mein langfristiges Ziel ist, die Arbeitszeit deutlich zu reduzieren, um Raum und Zeit für Kreativität und Nebenberufliches zu haben. Das Thema ist halt auch, dass man sich das erst einmal leisten können muss, der Durchschnittsjob mit 30 Stunden, wenn man Frau und nicht Technikerin ist, ist eher Hungerlohn-Bringer.

Jul
When your mouth drops open, click the shutter. -Harold Feinstein
Bild
Julia Braunegg
 

Re: Leben, um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

Beitragvon Stefan Mackovik » 19. Februar 2010, 09:30

Julia Braunegg hat geschrieben:Ich seh das auch so, befinde mich grad in einem Neuorientierungsprozess diesbezüglich, und mein langfristiges Ziel ist, die Arbeitszeit deutlich zu reduzieren, um Raum und Zeit für Kreativität und Nebenberufliches zu haben. Das Thema ist halt auch, dass man sich das erst einmal leisten können muss, der Durchschnittsjob mit 30 Stunden, wenn man Frau und nicht Technikerin ist, ist eher Hungerlohn-Bringer.

Jul


Sicher muss man da über Bezahlung auch sprechen. Das das ganze auch massiv mit Verteilungsgerechtigkeit zusammenhängt ist klar.

So lange wenige Prozent der Bevölkerung die große Mehrheit an Besitz haben, wird es nicht funktionieren.

Stefan
Alfons Haider hat recht.
Bild
Stefan Mackovik
 

Re: Leben, um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

Beitragvon Helmuth Korn » 20. Februar 2010, 19:24

Schwierig schwierig...also im Moment oder besser gesagt seit Jahren lebe ich um zu arbeiten. Nicht das ich der Überstunden-Junkie wäre aber 8-10 Stunden Arbeit können ziemlich viel Energie aussaugen.

Man darf sich da nix vormachen, die Zeit in der man arbeitet, also untertags, ist nunmal leistungsmäßig gesehen die produktivste. Alles danach ist eigentlich nur noch runterkommen von der Hektik, Ruhepause, schlafen, aufstehen, vorbereiten und dann gehts eigentlich wieder los.

Ich gratulier jedem der es schafft neben einem Vollzeit-Job unter der Woche noch Party zu machen, ich bring das leistungsmäßig nicht mehr und rein vom Lust- und Launefaktor sowieso nicht.

Wenns wärmer und sonniger wird geht freilich etwas mehr Leben neben der Arbeit weil man draußen aktiv sein kann aber wenn ich mein letztes hektisches Arbeitsjahr betrachte dann hab ich zwischendurch eigentlich keine Regeneration hingekriegt.

Andererseits bildet Arbeit auch den Charakter, man identifiziert sich mit "arbeiten gehen" und "produktiv sein", es ginge auch gar nicht anders, den Job kann man nicht so nebenbei machen, mit halber Flamme.

Ein Nebeneffekt ist dann natürlich teilweise mein geringes Verständnis für Menschen die einen wesentlich kleineren Teil ihrer Lebenszeit für Arbeiten investieren und dann drüber maulen. Oder nach einem Jahr intensiver Arbeit müde sind und eine Auszeit brauchen oder aber natürlich auch das studentische Leben.....so um 9 uhr vormittags die erste Vorlesung haben.....ehrlich gesagt, von diesen leuten möchte ich gar nichts kritisches hören...so intolerant das auch sein mag.
Helmuth Korn
 

Re: Leben, um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

Beitragvon Brigitte Grohmann » 20. Februar 2010, 19:40

Weil lernen ist ja nicht arbeiten? Wenns so easy ist, mach das doch nebenbei, statt der Ruhepause?
BTW ich fang auch erst um 9 zu arbeiten an.


brigitte
If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to
fucking fuck it up because that cunt's a cunt.
- Tucker's Law
Bild
Brigitte Grohmann
 

Re: Leben, um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

Beitragvon Helmuth Korn » 20. Februar 2010, 20:08

Brigitte Grohmann hat geschrieben:Weil lernen ist ja nicht arbeiten? Wenns so easy ist, mach das doch nebenbei, statt der Ruhepause?
BTW ich fang auch erst um 9 zu arbeiten an.


brigitte


lernen ist lernen und arbeiten ist arbeiten, darum sinds ja zwei unterschiedliche wörter, nicht?

der punkt dabei ist das ich einen vollzeitjob habe und nicht studiere. und für den steh ich meistens um halb 6 auf und möchte kein "der lehrplan ist so intensiv"-gemecker von leuten die vor 9 kein tageslicht wahrnehmen.

ja is ok, manche unternehmen fangen spät an, wir haben gleitzeit und dennoch sind bei uns halt leute die nach 9 kommen die "spätkommer". :-)
Helmuth Korn
 

Re: Leben, um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

Beitragvon Brigitte Grohmann » 20. Februar 2010, 21:16

Helmuth Korn hat geschrieben:
der punkt dabei ist das ich einen vollzeitjob habe und nicht studiere. und für den steh ich meistens um halb 6 auf und möchte kein "der lehrplan ist so intensiv"-gemecker von leuten die vor 9 kein tageslicht wahrnehmen.

Nur weil du dir nicht vorstellen kannst, was es bedeutet, ein paar tausend Seiten zu lernen, heisst das nicht, dass es nicht anstrengend ist. Ich find meinen Job wesentlich weniger stressig als das Studium.


brigitte
If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to
fucking fuck it up because that cunt's a cunt.
- Tucker's Law
Bild
Brigitte Grohmann
 

Re: Leben, um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

Beitragvon Helmuth Korn » 20. Februar 2010, 21:51

Brigitte Grohmann hat geschrieben:Nur weil du dir nicht vorstellen kannst, was es bedeutet, ein paar tausend Seiten zu lernen, heisst das nicht, dass es nicht anstrengend ist. Ich find meinen Job wesentlich weniger stressig als das Studium.


brigitte


Das finde ich schade das du dein Wirken weniger wichtig und anstrengend einschätzt als ein Studium. Wenn man über Jahre hinweg in ein und derselben Abteilung werkt schätze ich persönlich allein die Beziehungsarbeit als wesentlich anstrengender ein als die Beziehungsarbeit an einem universitären Institut.

Ich sehe teilweise über Wochen sogar Monate von Montag bis Freitag kein nennenswertes Tageslicht außer dem das beim Fenster reinschaut, das studentische Leben bietet da schon mehr Abwechslung und Pausen.
Helmuth Korn
 

Re: Leben, um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

Beitragvon Susanne Ofner » 21. Februar 2010, 10:59

Helmuth Korn hat geschrieben:der punkt dabei ist das ich einen vollzeitjob habe und nicht studiere. und für den steh ich meistens um halb 6 auf und möchte kein "der lehrplan ist so intensiv"-gemecker von leuten die vor 9 kein tageslicht wahrnehmen.

ja is ok, manche unternehmen fangen spät an, wir haben gleitzeit und dennoch sind bei uns halt leute die nach 9 kommen die "spätkommer". :-)


Die Uhrzeit, zu der wer aufsteht, sagt nichts darüber aus, wieviel man arbeitet oder wie anstrengend das Leben ist.
Su
Bild
Susanne Ofner
 

Re: Leben, um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

Beitragvon Julia Braunegg » 21. Februar 2010, 12:23

Danke Su, das wollt ich auch schon sagen. Helmuth, was genau ist 9 Uhr für eine magische Grenze für Dich? Ich hab während des Studiums oft in der Nacht gelernt (zum Beispiel in der Zeit, als ein dreiviertel Jahr lang das Haus, in dem ich wohne, saniert wurde). Da war tagsüber nicht an lernen zu denken, also hab ich meine 'Arbeitszeit' halt in die Nacht gelegt. Und dann war ich um 9 auch nicht wach, weil ich halt bis 5 in der frh gelernt hab. Lernen ist keine Party, auch nicht in der Nacht.

Brigitte sagte übrigens nicht, dass sie ihren Job als weniger wichtig empfindet, als das Studium, sondern als weniger stressig. Ich seh das genau so. Ein Arbeitsalltag hat, zumindest im Angestelltendasein, echte Vorteile: wenn du frei hast, hast du frei. Während des Studiums hast nie frei, weil Dir immer schon die nächste Prüfung im Genick sitzt. Klar, es ist eine Zeit, wo du dir das selber einteilen kannst. Aber selbst einteilen heisst nicht weniger Stress.

Ich tät lügen, würde ich sagen, ich hätt das Studieren nicht genossen, aber es ist kein Honigbrot.

Jul
When your mouth drops open, click the shutter. -Harold Feinstein
Bild
Julia Braunegg
 

Nächste

Zurück zu Welt

cron

Unterstützt durch

anema




Login Form