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Stadt begrünen zur Temperatursenkung

Erderwärmung, Verkehrspolitik, Energiewende - oder auch nicht?

Moderation: Harald Silvio Frassine

Re: Stadt begrünen zur Temperatursenkung

Beitragvon Peter Thomas Suschny » 8. August 2010, 16:41

Harald Silvio Frassine hat geschrieben:hm, was wär denn dann eine möglichkeit, die alten gründerzeitviertel zu durchgrünen??? ich wohn seit 1987 in fünfhaus inmitten des häusermeers


Ich wohnte zwischen 1989 und 1996 am Storchengrund in der Diefenbachgasse, gehört vermutlich zur Katastralgemeinde Sechshaus, so es eine gibt.
Seit damals ist vor allem dieses Gebiet zweimal (1989 und 1999, Zahlen für 2009 habe ich noch nicht gesehen) nacheinander das in ganz Wien am Kaufkraft ärmsten geltende Viertel, was auch mit der Durchgrünung ziemlich Deiner Darstellung entspricht
Chancen sehe ich nur, das bei einer Überbauung des Westbahnhof-Güterbahnhof-Areals (falls die kommt und nicht als zu teuer gilt, also ich meine eine Platte zwischen zumindest Schmelzbrücke bis Johnstraße, wie sie die näher zum Bahnhof liegenden Gleise nutzen wollen, weiß man noch immer nicht exakt) dort endlich mehr grün kommt, die Verbreiterung der Felberstraße vor dem Westbahnhof war wohl ein Zugeständnis an schwarz und blau, die geplante Vertreibung der Prostituierten dort halte ich für eine Mischung aus Populismus und Dilettantismus.

OT:
Lediglich der kleine Park gegenüber der AHS und der Grünstreifen an der Wienzeile, wo demnächst ein Hotel samt Büros und Einkaufsmöglichkeit gebaut werden soll, neben dem ehemaligen US-Autohändler; der Grünstreifen dort war aber 1994 breit genug, dass ein bei Nebel und Sturm notlandender Heißluftballon unbeschädigt aufsetzte.
Peter Thomas Suschny
 

Re: Stadt begrünen zur Temperatursenkung

Beitragvon Harald Silvio Frassine » 8. August 2010, 18:45

die Verbreiterung der Felberstraße vor dem Westbahnhof war wohl ein Zugeständnis an schwarz und blau

nein, das ist eine rote doktrin, dass parallel zu jedem öffi eine schnellstraße sein muss, siehe vorortelinienbegleitstraße b222.
Chancen sehe ich nur, das bei einer Überbauung des Westbahnhof-Güterbahnhof-Areals

da ist die raumordnung schon fertig und sieht natürlich gemischte nutzung vor, mit einem kleinen beserlpark.
Bild
Harald Silvio Frassine
 

Re: Stadt begrünen zur Temperatursenkung

Beitragvon Peter Thomas Suschny » 8. August 2010, 19:00

Harald Silvio Frassine hat geschrieben:nein, das ist eine rote doktrin, dass parallel zu jedem öffi eine schnellstraße sein muss, siehe vorortelinienbegleitstraße b222.


Da schau, da kennt wer noch die B 222, die ist aber insgesamt Gott sei Dank kläglich abgeblitzt: was Du kennst, ist das, was realisiert wurde, geplant war die aber von der A 23-Abfahrt Altmannsdorf quer durch Hietzing auch die Verbindungsbahn entlang, mein Vater hat gleich 1972 dagegen unterschrieben und hat sogar gegen seine sonstige politische Überzeugung wegen aufkommender Gerüchte, dass die Hietzinger ÖVP die hinter dem Rücken der Wähler durchdrücken will, bei den BV-Wahlen 1983 in Wien - so wie ich auch - ALÖ gewählt, meine erste Grün-Wahl in den 80ern also.
Peter Thomas Suschny
 

Re: Stadt begrünen zur Temperatursenkung

Beitragvon Peter Thomas Suschny » 9. August 2010, 18:04

Harald Silvio Frassine hat geschrieben: lebenswerte städte haben ihren stadtwald, ihren mönchs- oder uhrturmberg.


Hatte Wien auch, bevor es sich ausdehnte: Grüner Prater und Stadtpark sind nicht so zu verachten, der 15. war vor 80 oder 100 Jahren, knapp nach der Eingemeindung noch wesentlich grüner, die Schmelz war ein Riesenexzerierplatz, aber nicht betoniert, wenn ich so an alte Ansichten von Wien 15 denke.
Und die Bevölkerung war ebenso hoch: als noch unter dem Bürgermeister Lueger der Zentralfriedhof errichtet wurde, war Wien 2,1 Mio. Stadt und der Friedhof soll dem Vernehmen nach so groß dimensioniert worden sein, weil Wien als 4 Mio Einwohner Stadt gedacht war.
Die Frage muss also auch in die Richtung gehen: wieso ziehen so viele in die Umlandgemeinden in den letzten 50 Jahren und wieso ist der öffentliche Nahverkehr so heruntergekommen, dass viel zu viele Auto fahren, denn für die wird die Stadt gerecht gemacht, damit die alle irgendwo parken können; heute sah ich z. B. von Schwechat stadteinwärts bei der Zentralwerkstatt der Wiener Linien einen typischen Mechaniker (der Bekleidung nach) von dort Richtung stadteinwärts eingeordnet mir einem Opel Monza, das ist ein motorisch starkes und größenmäßig überdimensioniertes Auto, warum also (man sieht auch des öfteren 48er-Leute seelenruhig in der Kluft bei einem Riesen-Mercedes Parkscheine einfach nachlegen), wieso sind also sogar Wien intern die Öffis so viel langsamer, dass Leute mit Wiener Kennzeichen zum Arbeitsplatz reisen? Schließlich reist ja nicht jeder von Rodaun nach Eßling in die Arbeit.
Peter Thomas Suschny
 

Re: Stadt begrünen zur Temperatursenkung

Beitragvon Dieter Henkel » 9. August 2010, 18:10

Du darfst aber auch nicht übersehen, dass die durchschnittliche Wohnraumfläche pro Person heute wesentlich höher liegt als damals. Einkaufzentren waren damals auch so gut wie unbekannt und die "Notwendigkeit" für Parkplätze auf der Straße war damals auch nicht gegeben und Radfahrer brauchten auch keine eigenen Verkehrsflächen, somit war einfach mehr Platz für Grün da.
Dieter Henkel
 

Re: Stadt begrünen zur Temperatursenkung

Beitragvon Harald Silvio Frassine » 9. August 2010, 18:18

Peter Thomas Suschny hat geschrieben:
Harald Silvio Frassine hat geschrieben: lebenswerte städte haben ihren stadtwald, ihren mönchs- oder uhrturmberg.

Hatte Wien auch, bevor es sich ausdehnte: Grüner Prater und Stadtpark sind nicht so zu verachten, der 15. war vor 80 oder 100 Jahren, knapp nach der Eingemeindung noch wesentlich grüner, die Schmelz war ein Riesenexzerierplatz, aber nicht betoniert, wenn ich so an alte Ansichten von Wien 15 denke.

außerdem war der märzpark riesengroß, bevor die austrofaschistInnen die dollfuß-kirche und die sozialdemokratInnen die stadthalle bauten.
Bild
Harald Silvio Frassine
 

Re: Stadt begrünen zur Temperatursenkung

Beitragvon Peter Thomas Suschny » 9. August 2010, 18:46

Harald Silvio Frassine hat geschrieben:außerdem war der märzpark riesengroß, sozialdemokratInnen die stadthalle bauten.


Man hätte aber schon damals eine um 20 % günstigere Eintrittskarte für alle schaffen können, die nicht mit dem Auto hinfahren ... okay, ist schwer zu kontrollieren, aber ein Gratisfahrschein hin und her un gleichzeitig schon vor 3 Jahrzehnten dort eingeschränkte Parkmöglichkeiten für Hallenbesucher hätten wenigstens nicht die blöde Angewohnheit gebracht, eine Halle mit dem Auto zu besuchen, die 5 Minuten zu Fuß zur Stadtbahn/U 6 liegt; und warum die Bim in die Märzstraße verlegt wurde, ist noch weniger nachvollziehbar, die fuhr ja früher komplett durch die Hütteldorfer Straße, allfällig nachvollziehbare Autobusse mit Stadthallenbesuchern aus den Bundesländern hätten bequem über die Gablenzgasse anreisen können, mehr als den Anfang der 70er Jahre hinter der Stadthalle liegenden Red-Star-Platz nach Ottakring in die Huttengasse (oder ist es die Kendlerstraße?) zu verfrachten, haben die nicht zu Stande gebracht, dort hatten wir nämlich noch 1973 ein Match Schüler gegen Lehrer und dann nach der Busgarage von der Gablenzgasse weg alles begrünen, wäre nach mittlererweile 25 oder 35 Jahre auch schon wieder schön begrünt.
Peter Thomas Suschny
 

Re: Stadt begrünen zur Temperatursenkung

Beitragvon Michael Suda » 9. August 2010, 21:11

Peter Thomas Suschny hat geschrieben:[hier gekürzt] Und die Bevölkerung war ebenso hoch: als noch unter dem Bürgermeister Lueger der Zentralfriedhof errichtet wurde, war Wien 2,1 Mio. Stadt und der Friedhof soll dem Vernehmen nach so groß dimensioniert worden sein, weil Wien als 4 Mio Einwohner Stadt gedacht war. [hier auch]

  1. Der Zentralfriedhof wurde nicht unter Bürgermeister Lueger angelegt. Nur ein Teil der architektonischen Dekoration (insbesondere das Tor II und die so genannte Lueger-Gedächtniskirche) stammt aus dieser Zeit, der Friedhof selbst ist ein Produkt der liberalen Ära, er wurde bereits 1874 eröffnet. http://de.wikipedia.org/wiki/Zentralfriedhof_Wien
  2. Du möchtest nicht in einem Wien in den Grenzen von 1912 mit 2,1 Mio Einwohnern leben. Das war nur in einer Stadt möglich, in der Betten mit zwei Mietern belegt waren.
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
Bild
Michael Suda
 

Re: Stadt begrünen zur Temperatursenkung

Beitragvon Dieter Henkel » 11. August 2010, 18:21

Edit: Beiträge bezüglich Straßenbahnverbindungen hierher verschoben, OT-Beiträge hierher.
Dieter Henkel
 

Re: Stadt begrünen zur Temperatursenkung

Beitragvon Peter Thomas Suschny » 13. August 2010, 16:20

Wie ich es schon erwähnte: der Favoritner Gewerbering ist ein Betriebsansiedel-Areal, wo der alte Baumbestand gewahrt wurde und trotzdem Firmen-Autos parken, diese Woche war ich bei einer Firma auf Nummer 3, die Acryl-, Plexiglas und ähnliches fertigt, bei der Dame im Büro konnte man beim Fenster raus mannshohe Gebüsch-Stauden sehen, ich äußerte mein Wohlgefallen, sie lachte über den Dschungel hinter ihr, wie sie es nannte und meinte, ihr wären Rasen Geleise in ganz Wien sehr recht.
Peter Thomas Suschny
 

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