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Gerechte Umweltpolitik = Gerechte Sozialpolitik

Erderwärmung, Verkehrspolitik, Energiewende - oder auch nicht?

Moderation: Harald Silvio Frassine

Gerechte Umweltpolitik = Gerechte Sozialpolitik

Beitragvon Fabian Schmid » 23. Juli 2010, 12:29

Wie hier: http://www.democracynow.org/2010/7/22/neither_the_destruction_of_the_9th sehr interessant von der amerikanischen Umweltaktivistin Majora Carter eindrucksvoll argumentiert wird.

Im Grunde geht es darum, dass Ghettos durch baupolitische Maßnahmen entstehen (wie z.B. eine Autobahn quer durch die Bronx, Müllhalde, ...) und diese dann in weitere Folge der Bevölkerung gesundheitlich etc. schaden.

Carters Punkt ist aber - und das ist die Quintessenz des Videos meiner Meinung nach - dass einfache umweltpolitische Maßnahmen auch erheblich dazu beitragen, soziale Schwierigkeiten zu überwinden; ein Aspekt, der meiner Meinung nach viel zu selten betont wird in der Klima-Debatte.

Es geht also nicht nur darum, die Umwelt zu schützen - was für viele Politiker vielleicht ein zu altruistischer Gedanke ist; sondern das Ganze lohnt sich auch sozialpolitisch: Die Kriminalitätsrate sinkt z.B., wenn Straßen begrünt und Parks geschaffen werden, bloß auf Grund der Tatsache, dass die Menschen dann ihre Häuser verlassen (wollen) und unterwegs sind. Durch die gesteigerte Mobilität (Fahrradwege/Öffis) können die Menschen das Ghetto verlassen, die "Grenzen" werden geöffnet.

Ich halte das (Video) auf jeden Fall für einen guten Denkimpuls, und wollte es daher mal teilen.
Fabian Schmid
 

Re: Gerechte Umweltpolitik = Gerechte Sozialpolitik

Beitragvon Susanne Ofner » 23. Juli 2010, 13:59

Danke - ich halte solche Zusammenhänge für extrem wichtig.
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Susanne Ofner
 

Re: Gerechte Umweltpolitik = Gerechte Sozialpolitik

Beitragvon Brigitte Grohmann » 23. Juli 2010, 14:35

Sehr spannender Gedanke.
Ich hab grad eine Reality-Show gesehen, in der eine resolute Oma verdreckte und verlassene Ecken eines Gebäudekomplexes in Gärten und Spielplätze verwandeln lässt. Angeblich ist damit asoziales Benehmen und sogar Drogenkriminalität gesunken, weil die Bewohner die Flächen als ihre sehen und sich entsprechend darum kümmern.


brigitte
If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to
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Re: Gerechte Umweltpolitik = Gerechte Sozialpolitik

Beitragvon Fabian Schmid » 23. Juli 2010, 14:52

Ja, klar. Man darf denke ich als Städteplaner die psychologische Komponente auf keinen Fall außer Acht lassen; aber gerade das passiert dauernd.

Als kleines Beispiel (vielleicht etwas off-topic in Umwelt): Ich finde z.B. dass der (Wiener) Gürtel besonders beim Abschnitt Gumpendorferstraße bis zum AKH eine extreme, unsichtbare "Grenze" darstellt. Und zwar - vor allem - weil es so langwierig ist, ihn zu überqueren. Da geht man über eine Ampel, dann ist da die Ubahn, dann geht man über noch eine Ampel. Und braucht 5 Minuten von einer Seite auf die andere.

Das mag jetzt vielleicht lächerlich klingen, aber ich denke, man sollte da ansetzen und z.B. Fußgängerbrücken bauen, sodass man ohne Wartezeit von einer Seite auf die andere kommt. Und man hätte langfristig und psychologisch vielleicht eine bessere Vermischung. Nicht, dass der 15. oder der 16. jetzt "Ghettos" wären, aber ich finde, dass man schon einen Unterschied merkt, wenn man vom 8. in den 16. kommt, z.B. .
Fabian Schmid
 

Re: Gerechte Umweltpolitik = Gerechte Sozialpolitik

Beitragvon Brigitte Grohmann » 23. Juli 2010, 18:17

Ich komm dort jeden Tagvorbei und kann die Beobachtung so nicht teilen. Der 8. un 7. laufen in Gürtelnähe schon sehr in Richtung 15./16. aus, mit Callshops, Wettcafes u. dgl.
Fussgängerbrücken gegenüber bin ich auch etwas skeptisch. Sie sind ein Hindernis für alle, die nicht jung, gesund und ohne Ballast unterwegs sind.


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Re: Gerechte Umweltpolitik = Gerechte Sozialpolitik

Beitragvon Harald Silvio Frassine » 23. Juli 2010, 21:29

jedenfalls wär der 15. (wo ich wohn) weniger ghetto, wenn der im step versprochene grünkeil endlich käme!!!
ja, öko- und souzialpolitik spielen zusammen.
Politik ist zu wichtig, um sie den PolitikerInnen zu überlassen. Skype Me™!
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Re: Gerechte Umweltpolitik = Gerechte Sozialpolitik

Beitragvon Susanne Ofner » 24. Juli 2010, 10:25

Fabian Schmid hat geschrieben:
Als kleines Beispiel (vielleicht etwas off-topic in Umwelt): Ich finde z.B. dass der (Wiener) Gürtel besonders beim Abschnitt Gumpendorferstraße bis zum AKH eine extreme, unsichtbare "Grenze" darstellt. Und zwar - vor allem - weil es so langwierig ist, ihn zu überqueren. Da geht man über eine Ampel, dann ist da die Ubahn, dann geht man über noch eine Ampel. Und braucht 5 Minuten von einer Seite auf die andere.


Dass der Gürtel wegen seiner schlechten Überquerbarkeit eine Mobilitätsbarriere darstellt, steht außer Zweifel.
Das wissen, denke ich, "alle". Jedenfalls wussten es schon in den 1980er Jahren diverse Wirtschaftskammerleute, als sie das Einkaufsverhalten (Attraktivität von Nahversorgungs-Standorten) untersuchten und feststellten, dass Leute davor zurückscheuen, den Gürtel zu überqueren, um ein Geschäft auf der anderen Seite zu besuchen.

Denen ging es zwar nicht um Umwelt, aber deine Beobachtung der Gürtel-Barriere wird somit dennoch untermauert.

Eine Barriere für die nichtmotorisierte Mobilität ist aus meiner Sicht per se der Umwelt abträglich, weil dadurch die sanften Mobilitätsformen zulasten des MIV benachteiligt werden.
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Susanne Ofner
 

Re: Gerechte Umweltpolitik = Gerechte Sozialpolitik

Beitragvon Peter Thomas Suschny » 24. Juli 2010, 15:22

Also ich habe das etwas beobachtet, wie sich das in den Jahren seit 1999 entwickelt hat (wohnte zwischen 1989 und 96 ebenfalls im 15., aber Diefenbachgasse bei Ortnergasse).
Der 16. hat sich durch Soho in Ottakring viel besser entwickelt, dem 15. fehlt noch immer so ein Impuls, die Struktur der Häuser ist aber insgesamt sehr ähnlich
(Gründerzeit, Wohnraumverbesserungen durch Lifteinbau, oft gekoppelt mit Dachbodentausbauten ändern die Situation nur sehr langsam, da zeitintensiv).
Ein weiterer netter Beitrag war beim Integrationspreis in "Wien heute" zu sehen, wo in der Mitte des 16. (also nicht dort, wo er am Wilhelminen- bzw. Gallitzinberg ja auch eine Art Cottage hat), wo noch immer die Häuser dicht stehen und viele Autos parken, in einem Park gemeinsam gegärtnert wird, In- und Ausländerinnen, gelegentlich auch Männer und das daher ebenso zu einer freundschaftlichen Atmosphäre führt.
Schöne Parkanlagen zum Bewundern wie Schönbrunn oder Stadtpark würden aber wohl nicht viel bewirken, allzu kleine Parks bringen auch kaum was; in Parkanlagen mit möglichen sozialen Spannungen unterschiedlicher Jugend-Cliquen wären zudem zumindest am Anfang Sozialarbeiter/innen oder Pädagogen/innen als Parkbetreuung sicher kein Fehler.
Peter Thomas Suschny
 

Re: Gerechte Umweltpolitik = Gerechte Sozialpolitik

Beitragvon Dieter Henkel » 24. Juli 2010, 16:43

Fabian Schmid hat geschrieben:Ich finde z.B. dass der (Wiener) Gürtel besonders beim Abschnitt Gumpendorferstraße bis zum AKH eine extreme, unsichtbare "Grenze" darstellt. Und zwar - vor allem - weil es so langwierig ist, ihn zu überqueren. Da geht man über eine Ampel, dann ist da die Ubahn, dann geht man über noch eine Ampel. Und braucht 5 Minuten von einer Seite auf die andere.

Das mag jetzt vielleicht lächerlich klingen, aber ich denke, man sollte da ansetzen und z.B. Fußgängerbrücken bauen, sodass man ohne Wartezeit von einer Seite auf die andere kommt.

Das würde nicht viel helfen, glaube ich. Der zeitliche Aufwand wäre zwar geringer, aber es bleibt die Barriere, weil zum Queren die Ebene gewechselt werden muss. Das tut sich die Mehrheit dann wahrscheinlich auch nicht an.
Dieter Henkel
 

Re: Gerechte Umweltpolitik = Gerechte Sozialpolitik

Beitragvon Peter Thomas Suschny » 24. Juli 2010, 17:30

Oder man müsste zu einer der krassesten städtebaulichen (Gott sei Dank gescheiterten) Verkehrslösung der späten 60er/zeitigen 70er retour, als man erwog, die Gürtelstadtbahn abzureißen und dafür eine Stadtautobahn zu schaffen.
Nicht nur, dass die U 6 dann jahrelang umgebaut werden müsste, ist ja in den letzten 15 Jahren aus gut einem Drittel der Stadtbahnbögen bereits stark von jungem Publikum frequentierte Szene-Lokale geworden, ob und wann weitere folgen, hängt von der Stadtplanung ab, im Bereich gegenüber des AKHs, also auf der Währinger Seite des Gürtels, sind etliche Bögen noch ungenützt bzw. seit einigen Jahren leerstehend, irgendwo sah ich erst kürzlich eine 6-stellige Telefonnummer, d. h. zuletzt vermutlich vor 1990 genutzt, als die 6-stelligen sukzessive 7-stellig wurden.
Peter Thomas Suschny
 

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