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Der Papst und die Kondome

Kirchturmverbot? Burka-Pflicht? Buddha-Statuen in Klassenzimmern? Religion ist wieder ein Thema!

Moderation: Michael Eisenriegler

Der Papst und die Kondome

Beitragvon Michael Eisenriegler » 23. November 2010, 00:36

Stefan Bachleitner twitterte soeben:
Papst Benedikt XVI. baut Gummiparagrafen in röm.-kath. Glaubenslehre ein. Es gilt die Unfehlbarkeitsvermutung.

Abgesehen davon, daß das natürlich ein wunderschönes Bonmot ist: Wie kann es in der katholischen Kirche überhaupt möglich sein, daß ein Papst in einer zentralen Glaubensfrage die Richtung ändert?

Ich habe noch Bischof Krenn vor mir, an dem ist jede Kritik abgeprallt, und seine Argumentation war implizit immer dieselbe:

Ich bin der Bischof
Der Bischof wird vom Papst ernannt.
Der Papst ist unfehlbar.
Was wollt Ihr also von mir?


Das leuchtete mir ein. Deshalb hielte ich es auch immer für ziemlich müßig, für verheiratete Priester, weibliche Würdenträgerinnen, schwule Hochzeiten oder sonstwas zu streiten (abgesehen davon, daß das natürlich nicht meine Kirche ist), weil es in diesem dogmatischen Gebäude quasi per definitionem keinen Raum für Reformen gibt. Wem das nicht passt, so meine These, solle sich eine andere Glaubensgemeinschaft suchen, aber nicht mit dem Kopf immer und immer wieder gegen eine Wand rennen.

Aber vielleicht täusche ich mich ja, und sie bewegt sich doch. Bleibt aber die Frage: "Warum eigentlich?".

Mit welcher theologischen Begründung kann ein Papst also seine Meinung ändern? Bitte um Erklärung!

cu,

M.
Bitte keine Supportfragen an mich schicken, sondern ausschließlich an Admin! Danke!
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Michael Eisenriegler
 

Re: Der Papst und die Kondome

Beitragvon Kurt Radowisch » 23. November 2010, 00:47

Gummiparagrafen sind dazu da, sie zu dehnen.
Und Gummis lassen sich ganz schön weit dehnen!

LG Kurt
Kurt Radowisch
 

Re: Der Papst und die Kondome

Beitragvon Susanne Ofner » 23. November 2010, 08:30

Michael Eisenriegler hat geschrieben:Mit welcher theologischen Begründung kann ein Papst also seine Meinung ändern? Bitte um Erklärung!


Der Papst kann in so gut wie allem seine Meinung ändern (sofern er bibelkonform bleibt), außer in den so genannten Ex-Cathedra-Entscheidungen, also in den Fällen, in denen er eine Entscheidung in seiner Eigenschaft als *unfehlbarer* Papst trifft und sie somit zum Dogma erhebt. Diese Entscheidungen qua Unfehlbarkeit kommen aber gar nicht oft vor.

Abgesehen davon könnte die ganze Linie geändert werden - solange sich die neue Position von Bibel und Co her ableiten lässt, aber das ist bei einem vielschichtigen und vielfältigen Werk wie der Bibel eher nicht das Problem.

Es steht z. B. irgendwo in der Bibel (im Neuen Testament) zu der Frage, wie ein Bischof zu sein hat, dass ein Bischof nur einmal verheiratet sein soll. Also ließen sich ganz locker allein damit die Zölibatsbestimmungen aushebeln.

Dass sich nie was ändert, hat IMO vor allem damit zu tun, dass die katholische Kirche keine Demokratie, sondern eine autokratische Diktatur ist und Strömungen von unten daher ins Leere gehen.
Su
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Susanne Ofner
 

Re: Der Papst und die Kondome

Beitragvon Andreas Beer » 23. November 2010, 09:20

gibts irgendwo die Stelle zum genauen nachlesen? würde ja gerne wissen welche bedingungen der alte benedikt dran knüpft.
--
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Re: Der Papst und die Kondome

Beitragvon Dieter Henkel » 23. November 2010, 09:40

Michael Eisenriegler hat geschrieben:Abgesehen davon, daß das natürlich ein wunderschönes Bonmot ist: Wie kann es in der katholischen Kirche überhaupt möglich sein, daß ein Papst in einer zentralen Glaubensfrage die Richtung ändert?
[...]
weil es in diesem dogmatischen Gebäude quasi per definitionem keinen Raum für Reformen gibt.

Ganz so ist das nicht. Es gab immer wieder Änderungen. Man denke nur an die Einführung des Zölibat im Mittelalter oder den Ablasshandel oder die Abhaltung der Messe in der Landessprache anstatt in Latein.
Dieter Henkel
 

Re: Der Papst und die Kondome

Beitragvon Susanne Ofner » 23. November 2010, 09:46

Andreas Beer hat geschrieben:gibts irgendwo die Stelle zum genauen nachlesen? würde ja gerne wissen welche bedingungen der alte benedikt dran knüpft.


Mist, mein Beitrag ist im Orkus verschwunden.

Ja, gibts, aber ich kann erst gegen Abend nachschauen.
Was ich sonst noch geschrieben hätte, kann ich auch erst später nachholen. Sorry.
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Re: Der Papst und die Kondome

Beitragvon Kurt Radowisch » 23. November 2010, 12:05

Papst J.P. II sprach zu Gott: "O Herr, werden Priester irgendwann einmal heiraten dürfen?"
Da sprach Gott: "Nicht, so lange du lebst!"
"Und, O Herr, wird es je wieder einen Papst aus Polen geben?"
Da sprach Gott: "Nicht, so lange ICH lebe!"

LG Kurt
Kurt Radowisch
 

Re: Der Papst und die Kondome

Beitragvon Susanne Ofner » 23. November 2010, 17:02

Andreas Beer hat geschrieben:gibts irgendwo die Stelle zum genauen nachlesen? würde ja gerne wissen welche bedingungen der alte benedikt dran knüpft.


Ich weiß gar nicht, welche "Stelle" du meinst, merke ich, und ob du dich überhaupt auf mein Posting beziehst - letzteres nehme ich aber an, weil du direkt drauf geantwortet hast.

Bibelstelle über verheiratete Bischöfe?
Erster Brief des Apostels Paulus an Timotheus, Kapitel 3 (1 Tim 3):
Da geht es um Vorsteher der Gemeinde und wie sie sein sollen, unter anderem so:
"... ein Mann ohne Tadel ... nur einmal verheiratet, nüchtern, besonnen, bescheiden, gastfreundlich, fähig zu lehren ..."

Dass diese "Vorsteher" als Bischöfe zu verstehen sind, geht aus den (katholischen) Erläuterungen dazu hervor. Dort wird darauf verwiesen, dass bereits im Philipperbrief (Phil 1,1) "Bischöfe und Diakone" bekannt sind. In besagtem Philipperbrief werden diese - ich habs nachgeschlagen, als "Vorsteher und Diakone" bezeichnet.
Und die oben zitierte Bibelstelle wird in den Erläuterungen dazu ausdrücklich als "Bischofsspiegel" bezeichnet.

Wobei: man kann natürlich auch Stellen finden, in denen es ausdrücklich heißt, dass solche Leute besser ehelos bleiben sollen.
Der Hintergedanke dabei ist, IIRC, dass mann sich ganz der Gemeinde etc. widmen kann, wenn mann keine familiären Verpflichtungen hat.

Es lässt sich also beides argumentieren.

Dass Religionen im Zweifelsfall lieber die Auslegung heranziehen, in denen mehr Kontrolle über die menschliche Sexualität möglich ist, ist ja eine bekannte Tatsache.
Die Sexualität als eine "Lebensenergie", die allen Menschen zur Verfügung steht, unabhängig von Reichtum, Ansehen, Bildung etc., also eine zutiefst egalitäre Quelle für Spaß und Freude, das scheint etwas zu sein, das das die (geistige) Herrschaft über Menschen erschweren könnte - und da werden also Beschränkungen aller Art eingeführt und das freie Erleben der Sexualität ist mit schwersten Sanktionen belegt (man denke nur an so Schmankerln wie Steinigung bei außerehelichem/unehelichem Sex).
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Susanne Ofner
 

Re: Der Papst und die Kondome

Beitragvon Mathias Wilde » 13. April 2012, 11:16

Beim Thema Papst und Kondome denke ich persönlich gar nicht so sehr an verheiratete Bischöfe, sondern mehr an aidskranke Mütter in Afrika mit zehn Kindern...

Ich hab vor längerem einen ganz witzigen Artikel im Spiegel gelesen. Passt ganz gut zu dem Thema, denk ich.
Mathias Wilde
 

Re: Der Papst und die Kondome

Beitragvon Livia Rohrmoser » 13. April 2012, 14:10

*ggg*
So was nennt man Eigentor, oder?
Livia
Männer sind Schweine. Aber jede will doch ab und zu mal Schwein haben.
Bild
Livia Rohrmoser
 

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