Mißbrauchsfälle
Kirchturmverbot? Burka-Pflicht? Buddha-Statuen in Klassenzimmern? Religion ist wieder ein Thema!
Moderation: Michael Eisenriegler
Re: Mißbrauchsfälle
von Peter Thomas Suschny » 13. März 2010, 11:26
Dieter Henkel hat geschrieben:Peter Thomas Suschny hat geschrieben:Peter Thomas Suschny hat geschrieben:Auch wenn ich überhaupt nichts vom Zölibat halte, denke ich, dass das nicht unbedingt dazu beiträgt (und wenn, nur zu einem kleinen Teil). Wenn ein Priester seinen Trieben nachgehen will und er heterosexuell orientiert ist, wird er das eher mit seiner Köchin tun als mit den Kindern. Und dabei ist die Kirche durchaus großzügig und zahlt angeblich die Alimente für bis zu vier Kinder (solange der Pfarrer es nicht öffentlich macht). ;-)/quote]
Ups, dieser Teil stammt vom Dieter Henkel, keine Ahnung, wie mir das jetzt weggerutscht ist, dass ich das zitiert habe, bitte um Vergebung meiner Sünde ...
Das Zitieren musst du noch üben. ;)
Schon richtig, aber wie Du siehst, habe ich mich gleich darauf artig entschuldigt - ich bin doch ein braver Tou-Tou :-)))
Re: Mißbrauchsfälle
von Gerald Baeck » 13. März 2010, 12:11
Harald Silvio Frassine hat geschrieben:dann ist es nur deshalb ein katholisches problem, weil der kath. kirche dir meisten internate gehören?
Das und weil die Taten innerhalb der Kirche gedeckt wurden und nahezu ohne Konsequenzen blieben. Dadurch entstand sowas wie ein ideales Arbeitsumfeld für Päderasten.
Re: Mißbrauchsfälle
von Andreas Serloth » 13. März 2010, 12:55
Harald Silvio Frassine hat geschrieben:Die Täter könnten ebensogut Lehrer, Verwaltungsbeamte, Hackler, Hardwareentwickler oder Goldfischdompteure sein.
betrifft sicher soziale berufe mehr als andere.
Wahrscheinlich, ja. Wohl ein Aspekt von "Gelegenheit macht Diebe" (und / oder dessen Umkehr: Diebe suchen die Gelegenheit).
Harald Silvio Frassine hat geschrieben:...oder trägt nicht doch das dogmatische pflichtzölibat dazu bei? dafür spräche, dass katholische und nicht evangelische einrichtungen betroffen sind.
Wird wohl so sein, dass die eingeforderte zölibatäre Lebensweise nicht ohne Effekt im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen ist. Es ging aber im Kontext grad um Fälle institutionalisierter Grausamkeit seitens der Kirche -- also etwa um direkte Folter_erlaubnis_ wenn nicht Folter_gebot_, aber eben nicht um ein Sexual_verbot_ das unter anderem verhindern soll, was es möglicherweise und nur unter Regelverstoss begünstigen könnte.
as
Re: Mißbrauchsfälle
von Susanne Ofner » 13. März 2010, 13:11
Michael Eisenriegler hat geschrieben: Ich glaube daher nicht, daß das Zölibat die Pädophilie fördert, aber es zieht Pädophile an.
Das sehe ich ähnlich.
Sexuelle Gewalt gegen Kinder/Jugendliche hat nichts mit Zölibat zu tun, sondern da sind die üblichen Zutaten im Spiel, die auch sonst gelten: pädophile Interessen in Verbindung mit Machtgefälle, "Verfügungsgewalt" über die betreffenden jungen Menschen, geringe Gefahr des Auffliegens (z. B. weil das Ganze in geschlossenen Systemen wie Internaten etc. - oder eben in Familien - passiert.
In den innerkatholischen Strukturen gibt es halt viele solche geschlossenen Systeme (Priesterseminare, Internate), sodass es dort besonders leicht ist, pädophile Neigungen auszuleben.
Allerdings sollte man in der aktuellen medialen Aufregung nicht übersehen, dass der Großteil an sexueller Gewalt unverändert in den scheinbar ganz normalen Familien (sprich, außerhalb zölibatärer und kirchlicher Strukturen) vorkommt.
Su
Re: Mißbrauchsfälle
von Michael Suda » 13. März 2010, 19:10
Peter Thomas Suschny hat geschrieben:Dieter Henkel hat geschrieben:Auch wenn ich überhaupt nichts vom Zölibat halte, denke ich, dass das nicht unbedingt dazu beiträgt (und wenn, nur zu einem kleinen Teil). Wenn ein Priester seinen Trieben nachgehen will und er heterosexuell orientiert ist, wird er das eher mit seiner Köchin tun als mit den Kindern. Und dabei ist die Kirche durchaus großzügig und zahlt angeblich die Alimente für bis zu vier Kinder (solange der Pfarrer es nicht öffentlich macht). ;-)
Ich sehe das ähnlich. Ein Mann, der sich in Ausübung seines Berufs zur sexuellen Enthaltsamkeit verpflichtet hat und es nicht mit seiner Tuchent oder einem Taschentuch treiben will, kann doch, egal ob hetero- oder homosexuell oder natürlich auch bi geneigt, seine Vorlieben gegen Bezahlung in jedem einschlägigen Etablissement ausleben. [Rest gekürzt]
Ich glaube schon, dass Zölibat und Sex-der-nicht-dem-Kinderkriegen-dient-ist-böse-Sexualmoral ein gewichtiger Teil des Problems sind. Dazu kommt, meines Wissens bisher unerwähnt, dass die katholische Kirche auf Führungsebene (Priesterschaft und höher) eben ein reiner, unverfälschter Männerbund ist.
Für einen homosexuellen Mann, der innerlich mit seiner Sexualität Probleme hat, könnte es daher verführerisch sein, genau diesem Bund beizutreten, da gerade dieser Bund ihm auch gewisssermaßen eine "spirituelle Distanzierung" von den angeblichen Tiefen der Sexualität verspricht.
Aber wehe, wenn diese Distanzierung dann eben doch nicht klappt, und der Mann bereits voll in den seelsorgerischen Apparat der Katholischen Kirche integriert ist. Böse Zungen behaupten, dann könnte es ihn partout gerade in die erzieherische Ecke ziehen.....
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
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(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
Re: Mißbrauchsfälle
von Kurt Radowisch » 14. März 2010, 10:35
Mich würde interessieren, wie kirchlicherseits reagiert würde, sollte sich herausstellen, daß auch der Papst in früheren Jahren bei seinen Zöglingen die Hände nicht bei sich behalten konnte. Wie gesagt, rein hypothetisch.
LG Kurt
LG Kurt
Re: Mißbrauchsfälle
von Michael Suda » 14. März 2010, 12:04
Kurt Radowisch hat geschrieben:Mich würde interessieren, wie kirchlicherseits reagiert würde, sollte sich herausstellen, daß auch der Papst in früheren Jahren bei seinen Zöglingen die Hände nicht bei sich behalten konnte. Wie gesagt, rein hypothetisch.
Du meinst den amtierenden Papst? Halte ich für unwahrscheinlich. Bei den vielen kontroversen Debatten, die er schon als Kardinal und Chef der Glaubenskongregation ausgelöst und geführt hat (als eine der Speerspitzen der Reaktion gegen den Geist des Zweiten vatikanischen Konzils übrigens), hätte sich längst jemand gefunden, der geredet hätte.
Aber Papst Benedikt traue ich zumindest die intellektuelle Einsichtsfähigkeit zu, das Problem und seine Wurzeln in der katholischen Sexualmoral zu erkennen. Nicht zutrauen kann ich ihm allerdings die Fähigkeit, diese schlimmen Wurzeln zu beseitigen. Er wird sich wohl mit der Ausrede und Symptombekämpfung begnügen, das "Bodenpersonal Gottes" müsste eben mehr beten, mehr beichten, mehr Buße tun und sich strengerer Überwachung - durch, wohlgemerkt, Seinesgleichen und keine Außenstehenden -unterwerfen.
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Re: Mißbrauchsfälle
von Kurt Radowisch » 14. März 2010, 12:16
Michael Suda hat geschrieben:
Du meinst den amtierenden Papst?
Ja.
Wenn schon sein Bruder Georg zugegeben hat, seine (Georgs) Zöglinge zumindest geohrfeigt zu haben, könnte doch noch mehr unter der nun schon angekratzten Oberfläche schlummern.
LG Kurt
Re: Mißbrauchsfälle
von Peter Thomas Suschny » 14. März 2010, 12:18
Kurt Radowisch hat geschrieben:Mich würde interessieren, wie kirchlicherseits reagiert würde, sollte sich herausstellen, daß auch der Papst in früheren Jahren bei seinen Zöglingen die Hände nicht bei sich behalten konnte. Wie gesagt, rein hypothetisch.
LG Kurt
Ich glaube, dass durchaus die Struktur mit der Unfehlbarkeit des Papstes sexuellem Missbrauch Tür und Tor öffnet, wieso hat er als Bischof vor rund 30 Jahren einen solchen Mann nicht aus der Kirche raus geworfen, wenn die gestern in den Nachrichten geäußerten Vorwürfe stimmen?
Aber ein Sängerknaben-Erzieher genauso wie der heute erwähnte Arzt in Niederösterreich haben sich an kein Zölibat zu halten, sie sind bestenfalls Célibataire, also ledig, was ich mich erinnere vom Französisch-Unterricht in der HAK ist ja diese Begriff verwandt mit dem Zölibat, also eine Art Ledig-bleiben-Gelübde.
Ich kann mich nur erinnern, dass mein einer Herr Schwager einige Jahre in einem Kloster hier in Österreich lebte (er kam 1970 mit noch nicht 15 Jahren aus Ungarn hier her) und dort zuschauen musste, wie ein Glaubens-Mann dort eine Katze (also ein Tier statt einem Menschen) misshandelte, seien wir also froh, dass die Tiere nicht plaudern können, wer weiß, was da noch herauskäme.
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