Mißbrauchsfälle
Kirchturmverbot? Burka-Pflicht? Buddha-Statuen in Klassenzimmern? Religion ist wieder ein Thema!
Moderation: Michael Eisenriegler
Mißbrauchsfälle
von Harald Havas » 12. März 2010, 12:21
Wieso bereuen und entschuldigen sich katholische Priester und Würdenträger eigentlich immer erst und treten zurück, wenn sie erwischt werden?
Vorher war das kein "ethisches Problem" ((c) Schönborn) oder Verbechen oder eine Sünde?
H.
Vorher war das kein "ethisches Problem" ((c) Schönborn) oder Verbechen oder eine Sünde?
H.
Vorstand, ja, Präsi, ja, Admin - leider nein. Alle Fragen zur BB bitte daher hier. Danke!
Re: Mißbrauchsfälle
von Michael Suda » 12. März 2010, 12:36
Harald Havas hat geschrieben:Wieso bereuen und entschuldigen sich katholische Priester und Würdenträger eigentlich immer erst und treten zurück, wenn sie erwischt werden?
Vorher war das kein "ethisches Problem" ((c) Schönborn) oder Verbrechen oder eine Sünde?
H.
Na ja, sei jetzt bitte nicht sozusagen "päpstlicher als der Papst"! Machen wir es nicht alle so, wenn wir etwas - einen Fehler im weitesten Sinn - zu verbergen haben?
Das soll kein Versuch sein, die katholischen "Klemmis" mit ihren verwirrten sexuellen Gefühlen zu entschuldigen.
Aber wer tritt eben schon zurück, wenn er dadurch praktisch einen Fehltritt gesteht? Das müsste schon geradezu jemand mit übermenschlich starken ethischen Prinzipien sein - und so jemand "widersteht" auch anderen "Versuchungen"!
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
bleibt auch mein Himmel versperrt.
(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
Re: Mißbrauchsfälle
von Harald Silvio Frassine » 12. März 2010, 12:39
naja, ist das bei verbrecherInnen nicht immer so?
wer begeht schon "tätige reue" vor dem betretenwerden?
kommen aber erschwerende faktoren dazu: in der parallelwirklichkeit "kirche" ist ein bereuender täter wohl kaum zur polizei, sondern eher zum beichtveter gegangen, der wiederum an das beichtgeheimnis gebunden war, und aus einem missverstandenen gedanken von kirchenautonomie (und in der tradition früherer weltlicher macht der kirche) dem bereuenden kaum je den weg zur polizei auferlegt hätte.
wer begeht schon "tätige reue" vor dem betretenwerden?
kommen aber erschwerende faktoren dazu: in der parallelwirklichkeit "kirche" ist ein bereuender täter wohl kaum zur polizei, sondern eher zum beichtveter gegangen, der wiederum an das beichtgeheimnis gebunden war, und aus einem missverstandenen gedanken von kirchenautonomie (und in der tradition früherer weltlicher macht der kirche) dem bereuenden kaum je den weg zur polizei auferlegt hätte.
Re: Mißbrauchsfälle
von Julia Braunegg » 12. März 2010, 12:51
Ich glaub auch, damit sind katholische Priester nicht alleine. Die meisten Verbrecher entschuldigen sich nicht bei ihren Opfern, bevor sie auffliegen.
Und gerade bei Mißbrauch sind sich die Täter oft nicht einmal ihrer Schuld bewusst, soweit ich weiss, weil sie selbst oft in ihrer Entwicklung irgendwie stecken geblieben sind.
Ich erinner mich zu gut an die Akten aus meiner Gerichtszeit, in denen es um solche Fälle ging. Hab nächtelang wachgelegen damals nur vom Lesen der Aussagen mißbrauchter Kinder.
Jul
Und gerade bei Mißbrauch sind sich die Täter oft nicht einmal ihrer Schuld bewusst, soweit ich weiss, weil sie selbst oft in ihrer Entwicklung irgendwie stecken geblieben sind.
Ich erinner mich zu gut an die Akten aus meiner Gerichtszeit, in denen es um solche Fälle ging. Hab nächtelang wachgelegen damals nur vom Lesen der Aussagen mißbrauchter Kinder.
Jul
When your mouth drops open, click the shutter. -Harold Feinstein
Re: Mißbrauchsfälle
von Harald Havas » 12. März 2010, 12:55
Michael Suda hat geschrieben:Das müsste schon geradezu jemand mit übermenschlich starken ethischen Prinzipien sein
... was man von (oberen) Kirchenmänner per se erwarten könnte/sollte?
Michael Suda hat geschrieben:- und so jemand "widersteht" auch anderen "Versuchungen"!
Und wenn nicht disqaulifizieren sie sich für ihren Beruf aber per definition.
Und ich will da nicht unnötig moralisieren. Aber es ist genau dieser doppelte Standard, der mich so ärgert.
H.
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Re: Mißbrauchsfälle
von Andreas Serloth » 12. März 2010, 14:54
Harald Havas hat geschrieben:Und wenn nicht disqaulifizieren sie sich für ihren Beruf aber per definition.
Geh, Harald, disqualifizieren...
Die Personen, auf die wir uns beziehen, geben vor, über ethische Standards zu verfügen, die, würden sie sie tatsächlich aufweisen, die Handlungen, auf die wir uns beziehen, verhindern würden.
Das ist, wie uns die Geschichte lehrt, der absolute Normfall und wahrscheinlich schon im Anforderungsprofil festgeschrieben bei den Sachwaltern organisierten Aberglaubens -- auch bei denen der katholischen Version.
as
Re: Mißbrauchsfälle
von Harald Havas » 12. März 2010, 15:15
Andreas Serloth hat geschrieben:Die Personen, auf die wir uns beziehen, geben vor, über ethische Standards zu verfügen, die, würden sie sie tatsächlich aufweisen, die Handlungen, auf die wir uns beziehen, verhindern würden.
Eben, sag ich ja. Aber vielleicht fällt denen das jetzt vielleicht auch mal auf?
Bzw., um das noch mal zu verdeutlichen, wenn schon Mißbrauchsfälle sozusagen systemimmanent auftreten und vertuscht werden, fällt dann niemandem auf, dass das bei Aufdeckung plötzlich verspätet auftretende Bereuen, Entschuldigen un Zurücktreten mit den eigenen Ansprüchen und den Kernpunkten des angebliche praktizierten und laut gepredigten Glaubens (10 Gebote, anyone?) in krassestem Widersprich steht?
Oder um den Eisenstädter Bischof Paul Iby zu zitieren:
"Ich weiß nicht, was unter der Decke des Schweigens noch alles verborgen ist. Ich sehe das mit Betroffenheit, was ich erfahren habe. Wenn weitere Fälle auftauchen, weiß ich nicht, ob ich das durchstehen und ertragen kann".
H.
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Re: Mißbrauchsfälle
von Andreas Serloth » 12. März 2010, 15:43
Harald Havas hat geschrieben:Eben, sag ich ja. Aber vielleicht fällt denen das jetzt vielleicht auch mal auf?
Es ist beim fröhlichen Hexengrillen nicht aufgefallen, nicht beim Ungläubigenräden, beim Indianer- oder Sarazenenaufspießen ebensowenig wie beim Weihen von Kanonen oder, weniger blutig und dennoch gegen Glaubesregeln: Beim Ablasshandel, es fällt nicht auf, wenn Leute elendiglich an AIDS krepieren, und ja, darunter auch nach den Prinzipien des Glaubens unschuldige, die gar nicht mal selbst ohne den Satansgummi fickten, sondern nur ihre verwerflichen Eltern, es fiel der IRA noch nichtmal auf, dass auch die andere Seite an den gleichen Gott glaubt etcpepe. Newswert Null also, warum sollt's grad jetzt auffallen?
as
Re: Mißbrauchsfälle
von Harald Havas » 12. März 2010, 15:48
Hm. Guter Punkt. Allerdings ist das alles entweder zeitlich oder räumlich weit weg. Jetzt ist es halt hier und jetzt.
Und, um mich noch mal zu wiederholen. Es sind nicht die Taten, die in diesem Zusammenhang moralisch in Frage stelle (sonst no na eh), sondern den Umgang damit. In eigentlich allen anderen genannten Fällen haben die Beteiligten ihre Taten und Ansichten ja - tw. mit ihrem Glauben - gerechtfertigt.
Jetzt nicht. Aber erst _nachdem_ sie erwischt wurden!
H.
Und, um mich noch mal zu wiederholen. Es sind nicht die Taten, die in diesem Zusammenhang moralisch in Frage stelle (sonst no na eh), sondern den Umgang damit. In eigentlich allen anderen genannten Fällen haben die Beteiligten ihre Taten und Ansichten ja - tw. mit ihrem Glauben - gerechtfertigt.
Jetzt nicht. Aber erst _nachdem_ sie erwischt wurden!
H.
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Re: Mißbrauchsfälle
von Harald Havas » 12. März 2010, 17:37
BTW:
;-)
- Warnung.jpg (24.12 KiB) 303-mal betrachtet
;-)
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