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Cui bono?

Kirchturmverbot? Burka-Pflicht? Buddha-Statuen in Klassenzimmern? Religion ist wieder ein Thema!

Moderation: Michael Eisenriegler

Cui bono?

Beitragvon Gudrun Pürrer » 1. Februar 2010, 21:56

Wäre es nicht langsam an der Zeit, auch unter uns (bald schon) Altlinken und anderen antichristlichen Gesocks mal unsere Einstellung zum Christentum bzw. genauer gesagt zum Katholizismus und zu Religionen generell zu überdenken?
Nun, wahrscheinlich ja.
Sonst gäbe es dieses Forum hier ja nicht. Zu BB-Beginnzeiten hätte das Thema wohl niemanden zum Posten animiert.
Mich stören manchmal diese eingefleischten antireligiösen Reflexe.
Ich stell mal folgenden Gedanken in die schwarze Kiste:
In egomanischen turbo- bis casinokapitalistischen Zeiten ist doch die katholische Kirche (zumindest hier in unserer unmittelbaren mitteleuropäischen Umgebung) einer der letzten Orte, wo dem o.g noch was entgegengesetzt wird/werden kann.
In der Kirche ist bei weitem nicht alles gut, aber es ist gut , dass es sie gibt. Ein Kreuz muss ich auch nicht in der Klasse hängen haben, aber ich frage mich (und euch): Wenn wir die totale Säkularisierung einfordern: cui bono?
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Gudrun Pürrer
 

Re: Cui bono?

Beitragvon Helmuth Korn » 1. Februar 2010, 22:10

cui bono - wem nützt es......na schön, wollen wir kirche und religion gleichsetzen?

um mich von diesem ego-blaue-pille-kapitalismus nicht anstecken zu lassen benötigt es da die kirche?

ich gönne wirklich jedem christen seinen seelenfrieden und seine ideologie, jeder soll glücklich werden auf seine art aber ein kreuz an einem öffentlichen ort z.b. in der schule zwingt den nichtkatholischen und/oder atheistischen schülerInnen etwas auf was nicht da hingehört. der glaube ist privatsache.

ich sehe es aber auch ein das eine art von dörflicher struktur und religiösität für manche menschen ein zufluchtsort vor einer welt ist die sie manchmal nicht mehr verstehen wollen oder können.

Aber sogar ich habe schon mit dem Gedanken gespielt in einem Kloster eine Auszeit zu versuchen und einfach auf vieles vermeintlich wichtige (Internet usw.) zu verzichten um wieder klaren Verstand zu finden ohne Ängste.

Wenn wir sagen wir akzeptieren den Katholizismus als einen starken Teil unserer Vergangenheit und auch einen Teil unserer Gegenwart habe ich nichts dagegen.
Helmuth Korn
 

Re: Cui bono?

Beitragvon Harald Silvio Frassine » 1. Februar 2010, 22:15

religionsgemeinschaften scheinen wie spiegel zu sein, man kann in ihnen sehn was man will... - der katholizismus im besonderen zeigt sich dermaßen unterschiedlich...
ich kann das "cui bono" nicht klar beantworten, naja, ein bisschen schon, denn ohne kirchen gäb's keine feiertage... - aber da spielen wohl auf allen seiten sehr viele emotionen mit, weniger klare gedanken!
z.b. sollte die katholische sicht auf die kreuz- und andere debatten klar sein: wenn der papst selbst in synagogen und moscheen betet, demonstriert er, dass man dafür kein kreuz braucht. andere kleriker fordern sie aber AFAIR ein.
die mehrheitlich protestantischen schweizerInnen haben für das verbot von minaretten gestimmt, und die kirchen haben dazu geschwiegen, statt eindeutig stellung zu beziehen: was soll schlecht daran sein, gott mit bauwerken zu ehren?
also, nebelig, die g'schicht mit den religionen...
Politik ist zu wichtig, um sie den PolitikerInnen zu überlassen. Skype Me™!
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Re: Cui bono?

Beitragvon Gudrun Pürrer » 1. Februar 2010, 22:49

Helmuth Korn hat geschrieben:

um mich von diesem ego-blaue-pille-kapitalismus nicht anstecken zu lassen benötigt es da die kirche?

Für jene, die dagegen eher immun sind wie ev. du und ich vielleicht nicht, aber mich beruhigt es, dass es eine sehr starke gesellschaftliche kraft gibt, die dem was entgegenzusetzen hat.

Helmuth Korn hat geschrieben:
der glaube ist privatsache.


ich will ja jetzt nicht die 70er aus der Tasche ziehen. aber das private ist halt auch politisch ;-)
dazu vorhin auch meine cui bono - Frage: wem spielen wir in die Tasche, wenn wir die totale Säkularisierung einfordern? Hoffentlich nicht jenen, die wir eigentlich gar nicht auf unserer Seite wollen?
Helmuth Korn hat geschrieben: religiösität für manche menschen ein zufluchtsort vor einer welt ist die sie manchmal nicht mehr verstehen wollen oder können.



das klingt ein wenig von oben herab. religiösität ist denke ich sehr wohl eine art die welt zu verstehen. das klingt ja so, als würden sich jene, die sich der religion zuwenden, die welt aus eigener kraft nicht mehr verstehen können.

Helmuth Korn hat geschrieben:
Aber sogar ich habe schon mit dem Gedanken gespielt in einem Kloster eine Auszeit zu versuchen und einfach auf vieles vermeintlich wichtige (Internet usw.) zu verzichten um wieder klaren Verstand zu finden ohne Ängste.


Genau. Kann ich gut verstehen. Ich denke, man muss nicht immer bis Indien oder Tibet fahren (was natürlich auch ganz toll ist :-) ), um Spiritualität zu erfahren. Aber ich denke, dass solche Trips förderlich sind, umd das was daheim da ist, besser annehmen und schätzen zu können.
Ich habe mich dem lange kategorisch abgelehnten Christen- bzw. eigentlich Katholentum interessanterweise durch Aufenthalte u.a. in islamischen Ländern wieder etwas "angenähert". Ich hab plötzlich verstanden, was manche Moslems wohl meinen, wenn sie den Westen als verkommen betrachten. Ist doch in manchen Bereichen wirklich das reine Babylon hier bei uns (und ich meine jetzt nicht die Kürze der Röcke) ;-)
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Gudrun Pürrer
 

Re: Cui bono?

Beitragvon Brigitte Grohmann » 1. Februar 2010, 23:23

Cui bono? Mir bono (sry, mein Latein ist lang her :-)
Ich muss sowieso damit leben, das Spiritualisten jeder Art glauben, sie seien im Besitz der Wahrheit und ich werde in der jeweiligen Spielart der Hölle schmoren. In einer säkularen Welt können sie mir aber wenigstens nicht mein Diesseits vorschreiben.

Und grad die katholischen Kirche als Hort des Antikapitalismus zu sehen, lässt mich erstaunen. Wie war das mit der Vatikanbank etc...?


brigitte
If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to
fucking fuck it up because that cunt's a cunt.
- Tucker's Law
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Brigitte Grohmann
 

Re: Cui bono?

Beitragvon Helmuth Korn » 2. Februar 2010, 09:48

Gudrun Pürrer hat geschrieben:
Helmuth Korn hat geschrieben:

um mich von diesem ego-blaue-pille-kapitalismus nicht anstecken zu lassen benötigt es da die kirche?

Für jene, die dagegen eher immun sind wie ev. du und ich vielleicht nicht, aber mich beruhigt es, dass es eine sehr starke gesellschaftliche kraft gibt, die dem was entgegenzusetzen hat.

leuteeee, die gudrun hat mein dings....mein mail zerpflüüüüüückt...:-) kann man die kirche noch als starke gesellschaftliche kraft bezeichnen? die spö z.b. kann dies ja nicht mehr von sich behaupten

Helmuth Korn hat geschrieben:
der glaube ist privatsache.


ich will ja jetzt nicht die 70er aus der Tasche ziehen. aber das private ist halt auch politisch ;-)
dazu vorhin auch meine cui bono - Frage: wem spielen wir in die Tasche, wenn wir die totale Säkularisierung einfordern? Hoffentlich nicht jenen, die wir eigentlich gar nicht auf unserer Seite wollen?

ich glaub das ist eher aus den 60ern. na klar, alles ist politisch :-) in wahrheit gibt es seit den 60ern eine starke spaltung der gesellschaft in viele subkulturen. gemeinsame gesellschaftliche nenner gibts eigentlich kaum noch wenn es sie überhaupt jemals gegeben hat. die frage ist halt auch ob es überhaupt eine institution geben sollte die diese vorschreibt.

Helmuth Korn hat geschrieben: religiösität für manche menschen ein zufluchtsort vor einer welt ist die sie manchmal nicht mehr verstehen wollen oder können.



das klingt ein wenig von oben herab. religiösität ist denke ich sehr wohl eine art die welt zu verstehen. das klingt ja so, als würden sich jene, die sich der religion zuwenden, die welt aus eigener kraft nicht mehr verstehen können.

ist nicht von oben herab gemeint, aber "der herrgott wirds schon richten" ist ja nichts unbekanntes. sich einer religion zuzuwenden heißt schon auch etwas an gestaltungskraft aus der hand zu geben da ja gott der gestalter und erschaffer ist.

Helmuth Korn hat geschrieben:
Aber sogar ich habe schon mit dem Gedanken gespielt in einem Kloster eine Auszeit zu versuchen und einfach auf vieles vermeintlich wichtige (Internet usw.) zu verzichten um wieder klaren Verstand zu finden ohne Ängste.


Genau. Kann ich gut verstehen. Ich denke, man muss nicht immer bis Indien oder Tibet fahren (was natürlich auch ganz toll ist :-) ), um Spiritualität zu erfahren. Aber ich denke, dass solche Trips förderlich sind, umd das was daheim da ist, besser annehmen und schätzen zu können.
Ich habe mich dem lange kategorisch abgelehnten Christen- bzw. eigentlich Katholentum interessanterweise durch Aufenthalte u.a. in islamischen Ländern wieder etwas "angenähert". Ich hab plötzlich verstanden, was manche Moslems wohl meinen, wenn sie den Westen als verkommen betrachten. Ist doch in manchen Bereichen wirklich das reine Babylon hier bei uns (und ich meine jetzt nicht die Kürze der Röcke) ;-)


mah, indien und tibet würd ich gern mal sehn, echt mensch. :-) ich selbst war nie in einem islamischen land aber eine kultur die ihre töchter tötet weil sie vergewaltigt und dadurch entehrt wurden oder wo frauen von männern getrennt essen müssen kann kein vorbild sein und kann auch nicht den westen kritisieren. der islam war mal fortschrittlich aber das ist lange her, wir im westen bei all den negativen einflüssen und entwicklungen haben durch aufklärung und viel mühe es geschafft allgemein gültige ideologien (kirche, faschismus, stalinismus) aus unseren kulturen zu verdrängen, jetzt müssen wir es schaffen für uns werte zu finden die allgemeingültig sind....die allg. menschenrechte wären der geeignete katalog dafür meine ich.
Helmuth Korn
 

Re: Cui bono?

Beitragvon Helmuth Korn » 2. Februar 2010, 09:50

ich muß das mit dem posten noch üben
Helmuth Korn
 

Re: Cui bono?

Beitragvon Stefan Mackovik » 2. Februar 2010, 12:01

Also ehrlich gesagt: je ältzer ich werde, desto areligiöser und antiklerikaler werde ich.

Einerseits durch die Diskussionen a la "Minraettverbot" und "christliche Leitkultur, Kriege und Terrorismus im Namen von welcher Religion auch immer.
Andererseits glaub ich an die Vernunftfähigkeit des Menschen, und zwar ohne das es da irgendwo ein "höheres Wesen" gäbe, dass mich bestraft oder (seltener) lobt, wenn ich "moralisch" handle.

Für mich war ein Knakpunkt der Tod meines Vaters vor einigen Jahren, bei dem ich mir erwartet hätte, eventuell wieder religiös zu werden - von wegen Trost und so. Allein der Punkt kam nicht.

Die Frage ist für mich auch: ist Religion nicht oft eine Zufluchststätte wenn man sich "ohnmächtig" fühlt gegenüber gewissen Zuständen - und wäre es nicht besser, diese Zustände zu verändern zu versuchen, anstatt sich in eine Scheinwelt zu flüchten?
Alfons Haider hat recht.
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Stefan Mackovik
 

Re: Cui bono?

Beitragvon Harald Silvio Frassine » 2. Februar 2010, 12:52

wäre es nicht besser, diese Zustände zu verändern zu versuchen, anstatt sich in eine Scheinwelt zu flüchten?

gebe zu bedenken, dass die "scheinwelt" gerade auch die kraft zur veränderung geben kann!
Politik ist zu wichtig, um sie den PolitikerInnen zu überlassen. Skype Me™!
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Harald Silvio Frassine
 

Re: Cui bono?

Beitragvon Helmuth Korn » 2. Februar 2010, 13:07

Harald Silvio Frassine hat geschrieben:
wäre es nicht besser, diese Zustände zu verändern zu versuchen, anstatt sich in eine Scheinwelt zu flüchten?

gebe zu bedenken, dass die "scheinwelt" gerade auch die kraft zur veränderung geben kann!


nicht eher die selbsterkenntnis?
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