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Alttestamentarische Frage

Kirchturmverbot? Burka-Pflicht? Buddha-Statuen in Klassenzimmern? Religion ist wieder ein Thema!

Moderation: Michael Eisenriegler

Re: Alttestamentarische Frage

Beitragvon Peter Thomas Suschny » 14. März 2010, 12:03

Michael Eisenriegler hat geschrieben:Jo, aber das sind dann keine "guten Moslems" und das wissen sie auch. Währenddessen auch die allerorthodoxesten Juden schon länger niemanden mehr steinigen, und das sind aber "gute Juden" im Sinne der Vorschriften der Tora.


Du warst aber wohl noch nicht in Israel im "Grätzel", wo viele gläubige Fanatiker wohnen.
Amos, ein Sohn einer Freundin meiner Eltern und ebenso mosaischen Glaubens aber so wie ich auch nicht religiös erzogen, fuhr einmal in den 70ern oder 80ern mit einem Mietauto (eventuell auch von Freunden ausgeborgt) am Sabbat durch so ein Viertel und wurde prompt mit Steinen beworfen. Er hielt an, erwischte den Steinwerfer, verprügelte ihn und fuhr weiter.
Ähnliches geschah zu meiner Überraschung erst im Vorjahr - ich hätte so was eher in Moskau erwartet, wo das jedes Jahr ist, wenn geschlechtlich anders orientierte, also Schwule und Lesben, in Tel Aviv einen Kongress abhalten wollten und ebenso von Rechtsradikalen überfallen wurden.
Die Anzahl der Orthodoxen ist ebenso gestiegen wie unter Christen und Moslems, die meisten als rechts-extrem geltenden Siedler, die auch die Hauptschuldigen sind, dass es bisher nur den Separat-Frieden mit Ägypten gibt, sind meistens amerikanische und russische Juden.
Insgesamt dominieren aber Gott sei Dank noch immer die gemäßigten Ausübenden ihrer religiösen Bedürfnisse.
Zuletzt geändert von Michael Eisenriegler am 14. März 2010, 12:16, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitatdarstellung korrigiert
Peter Thomas Suschny
 

Re: Alttestamentarische Frage

Beitragvon Michael Eisenriegler » 16. März 2010, 23:59

Naja, "Steine werfen" ist schon was anderes wie eine institutionelle und staatlich sanktionierte Steinigung. Aber ich fürchte, es ist noch immer kein Talmud-Gelehrter in dieem Forum aufgetaucht, der meine ursprüngliche Frage beantworten könnte. Denn Deine These von wegen orthodoxen vs. gemäßigten hatten wir schon, bringt aber nix, weil sie nicht erklärt, warum nicht zumindest die orthodoxen lautstark und nachhaltig die Einhaltung der Regeln aus dem Buch Levitikus bezüglich Steinigung fordern. Zur Erinnerung: Nur ein paar Seiten weiter sind in derselben Quelle die Grundregeln für koscheres Essen festgelegt, und diese werden ja sehr wohl auf Punkt und Beistrich eingehalten, wenn nicht sogar überinterpretiert. Dieser Widerspruch und seine Lösung interessiert mich.

cu,

Mikee
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Michael Eisenriegler
 

Re: Alttestamentarische Frage

Beitragvon Peter Thomas Suschny » 17. März 2010, 18:56

Michael Eisenriegler hat geschrieben:Naja, "Steine werfen" ist schon was anderes wie eine institutionelle und staatlich sanktionierte Steinigung. Aber ich fürchte, es ist noch immer kein Talmud-Gelehrter in dieem Forum aufgetaucht, der meine ursprüngliche Frage beantworten könnte. Denn Deine These von wegen orthodoxen vs. gemäßigten hatten wir schon, bringt aber nix, weil sie nicht erklärt, warum nicht zumindest die orthodoxen lautstark und nachhaltig die Einhaltung der Regeln aus dem Buch Levitikus bezüglich Steinigung fordern. Zur Erinnerung: Nur ein paar Seiten weiter sind in derselben Quelle die Grundregeln für koscheres Essen festgelegt, und diese werden ja sehr wohl auf Punkt und Beistrich eingehalten, wenn nicht sogar überinterpretiert. Dieser Widerspruch und seine Lösung interessiert mich.

cu,

Mikee


Erklärt sich dahingehend wohl am ehesten, dass auch die meisten Orthodoxen halt keine Mörder sein wollen und so weit Gottes Recht akzeptieren.
Ich persönlich halte nichts von der Abtreibung (aber genauso konsequent nichts von der Todesstrafe oder gar von den Narren, die einerseits gegen die Abtreibung sind, andererseits nicht zurückschrecken, Abttreibungsärzte zu ermorden, ist ja auch Mord), hatte mit Mutters verstorbene Cousine 1988 in der Nähe von New York, wo die wohnten, die Tochter eines Rabbiners aus Klosterneuburg war, die Diskussion, wie man als Jude gegen die Abtreibung sein kann, dann müsste ich wohl dagegenhalten, dass man halt angesichts der Shoah sich schwer tut, wenn schon hergestellte Kinder einfach per Messerschnitt ins Jenseits befördert werden; natürlich verstehe ich umgekehrt, dass ein Sohn von Freunden meiner Eltern, der heute ein Mit- oder Spät-60er sein dürfte, mir einmal 1979 erzählt hat, er als Arzt erinnert sich an Zeiten, wo die jungen Frauen (vor der Massenverbreitung der Pille und die Männer nahmen wohl selten ein Kondom und spielten lieber "aufpassen") sich im Strandbad auf die Pritschen warfen, um die Leibesfrucht zu töten, da ist mir natürlich auch die Fristenlösung lieber, aber wie gesagt für mich kein Ruhmesblatt (abgesehen davon, dass zu seinen Medizin-Student Zeiten in den zeitigen 1960ern heute Verhüten wesentlich leichter ist als damals).
Also aus der Warte sehen es vermutlich auch die meisten Juden, die orthodox sind, es gibt aber auch Orthodoxe, die Israel als Art Nazi-Staat sehen, obwohl sie dort leben, aber zwischen jemanden Steinen nachwerfen und steinigen ist halt doch ein gewaltiger Unterschied, sehe es vielleicht so: wenn Dir bei einem Kind die Hand ausrutsch, dann bist Du sicher noch lange nicht der Vater, der das Kind laufend und vorsätzlich züchtigt, ich tat das einmal bei meiner damals 2-jährigen Tochter, als sie - meine Frau war nicht daheim - dem 4-jährigen Bruder ein Metall-Spielzeugauto ins Gesicht haute, denn da ging es nicht um meine Genugtuung, ein Kind zu schlagen, sondern nur, dass sie lernen soll, dass sie ihn arg verletzen/töten könnte und das soll so weh tun, dass sie sich das das nächste Mal besser überlegt.
Peter Thomas Suschny
 

Re: Alttestamentarische Frage

Beitragvon Thomas Wagner » 20. März 2010, 23:18

Michael Eisenriegler hat geschrieben:Naja, "Steine werfen" ist schon was anderes wie eine institutionelle und staatlich sanktionierte Steinigung. Aber ich fürchte, es ist noch immer kein Talmud-Gelehrter in dieem Forum aufgetaucht, der meine ursprüngliche Frage beantworten könnte. Denn Deine These von wegen orthodoxen vs. gemäßigten hatten wir schon, bringt aber nix, weil sie nicht erklärt, warum nicht zumindest die orthodoxen lautstark und nachhaltig die Einhaltung der Regeln aus dem Buch Levitikus bezüglich Steinigung fordern. Zur Erinnerung: Nur ein paar Seiten weiter sind in derselben Quelle die Grundregeln für koscheres Essen festgelegt, und diese werden ja sehr wohl auf Punkt und Beistrich eingehalten, wenn nicht sogar überinterpretiert. Dieser Widerspruch und seine Lösung interessiert mich.


Ich kann Dir natürlich wie zu erwarten war keinen centimeter bei der Lösung des Problems weiterhelfen ;), aber mir fällt ein ähnlicher Widerspruch, über den ich gestolpert bin, ein.

In meiner halbwegs rebellischen Zeit während meiner Schulzeit ;) wollte ich meinen Religionslehrer ein wenig herausfordern, und hab ihn gefragt, wieso man sich bei Gott eigentlich für die guten Sachen bedanken, für die schlechten entschuldigen muß. Entweder er ist für alles verantwortlich, oder für gar nichts. Sehr überrascht hat mich, dass er uns wirklch die verschiedensten Thesen warum das so ist, versucht hat beizubringen. (Hängen geblieben ist nichts...)

Ich glaub dass es in so ziemlich jeder Religion unschlüssigkeiten gibt, die nicht wirklich sinnvoll erklärbar sind... Vielleicht ist Dein Problem auch eins davon...
Für mich gilt die Unschuldsvermutung!
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Thomas Wagner
 

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