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NÖM, SÜT, und die allgemeine Aufregung über Milch

Einzug, Zuzug, Nachzug, Flucht. Assistenzeinsatz vs. Rehaugen. Deutsche im Hörsaal, Tschetschenen in Traiskirchen und Türken am Bau. Oder umgekehrt?

Moderation: Julia Braunegg

Re: NÖM, SÜT, und die allgemeine Aufregung über Milch

Beitragvon Michael Suda » 2. September 2010, 07:17

Harald Silvio Frassine hat geschrieben:jetzt ist es wirklich ein politikum geworden: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_ ... akzeptabel

Solange die Effen ned mehr als solche "Fahrradl-in-Peking-umg'fallen-Presseaussendungen" dapacken, muss man sich vor ihnen wirklich nicht fürchten!

So was kommt ja nicht einmal unter "Weiters wortspendeten" in die Medien. Eine Woche zu spät und viel zu fad! Ich hätte das an Stelle von diesem Blauzwerg viel kürzer, aggressiver und griffiger formuliert! Die NÖM kann froh sein, dass ich nicht mietbarer Politberater bin. ;-)
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
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Michael Suda
 

Re: NÖM, SÜT, und die allgemeine Aufregung über Milch

Beitragvon Martin Polak » 6. September 2010, 18:02

Julia Braunegg hat geschrieben:
Martin_Polak hat geschrieben:Das ist eine völlig andere Situation. Du hast nicht schon 10 Jahre lang in Kanada gelebt, ohne je ein Wort Französisch gehört zu haben. Sprich, du hast nicht in einer kanadischen Parallelwelt gelebt. Natürlich lernen Kinder schnell.


Und warum gehen wir davon aus, das Kinder, die hier in einer Parallelgesellschaft gelebt haben, automatisch nicht mehr so lernen, wie solche, die erst später hergekommen sind?


Eine gute Frage, die aber nicht sehr schwierig zu beantworten ist:
Du kommst mit X Jahren (als Kind) nach Kanada (oder woanders hin), vermutlich nicht unbedingt in einem "deutschsprachigen Viertel". Du kommst in die Schule, lernst neue Freunde kennen, alle sprechen sie kein Wort Grazerisch (oder andere fremdartige Sprachvariationen). Auch deine Nachbarn nicht, die Zuckerlverkäuferin auch nicht, sprich, bis auf deine Eltern vermutlich kaum jemand. Du bist wohlwollend pausenlos (außer im Elternhaus) mit französischsprachigen Menschen unterwegs, spielst mit denen in der Sandkiste, schummelst mit denen bei der Matheschularbeit oder teilst mit ihnen dein Jausenbrot, weils dir heute nicht schmeckt. Deine Eltern werden versuchen, dich dabei zu unterstützen, die Landessprache gut zu erlernen, was sie selbst entweder auch tun oder eben nicht, weil sie sie schon beherrschen.

Jetzt die Situation "in the ghetto": Mit deinen Freunden sprichst du nicht deutsch, obwohl du von Geburt an in zB. Wien lebst. Mit den Eltern sowieso nicht. Im TV und sonstwo hörst dus auch nicht, nur in der Schule (wo ja jeder unglaublich gerne hingeht!). In deinem Freundes- und Familienkreis ist es womöglich verpöhnt, Deutsch zu sprechen. Siehst du den Unterschied? Wenn du eine Sprache als Kind im Alltag oft und intensiv (und korrekt) hörst/liest, wirst du sie (nicht nur als Kind) schneller und besser erlernen als wenns eben nicht so ist. Das ist glaub ich unbezweifelbar.

Ich bin der Ansicht, dass wir auch Kindern, die zu Hause vielleicht weniger Glück haben mit den Fähigkeiten ihrer Eltern oder sogar mit deren Einstellung, das Lernen ermöglichen können.


Wir könnens nicht nur, wir sollen es. Das ist meiner Meinung nach unsere Pflicht (dh. einerseits unsere persönliche, andererseits auch insofern, als wir dafür Sorge tragen müssen, dass die Politik sich darum kümmert, dh. dass wir Politiker in ihre Ämter wählen -- sofern möglich --, die Verhältnisse schaffen, die einer solchen Ghettoisierung entgegenwirken, zB. eben durch die (erfolgte) Öffnung der Gemeindebauten, durch Sozialprogramme, durch gezielte Fördermaßnahmen, durch, wenn/wo möglich, guten Muttersprachenunterricht, wo es pädagogisch sinnvoll ist. Wir sollen auf alle möglichen Arten dafür sorgen, dass diese (soziale und räumliche) Ghettoisierung eben nicht voranschreitet, sondern zurückgeht. Wir sollen positive Anreize setzen, dass es eben keine Parallelgesellschaften gibt, sondern eine einzige gut funktionierende. Die türkische Familie soll Spaß daran haben und den Sinn darin sehen, Deutsch zu erlernen (und vielleicht dabei auch besser Türkisch zu lernen).
Der Unsinn ist ja zu glauben, dass man Leute dazu zwingen muss -- wenn sie den Sinn sehen, werden sies eh machen, wenn ich ihnen aber jeglichen Sinn wegnehme, weils genauso geht, ohne Deutsch zu lernen, dann werden sies nicht machen. Ich mach ja genauso nichts, worin ich weder Sinn noch persönliche Befriedigung seh, ich vermute, das macht jeder andere auch so.

Martin_Polak hat geschrieben:Ich bin keineswegs der, der den schwarzen Peter "den Ausländern" zuspielt; das sind großteils Versäumnisse der Politik, die Verhältnisse geschaffen hat, unter denen es nicht weiter verwunderlich ist, dass solche Parallelgesellschaften entstehen. (Und über einen Kamm scher ich bitte auch nicht, ich habe nie von "alle", sondern von "es gibt" und "manche" gesprochen...)


Ich hatte ganz konkret (um auch gleich auf weiter unter zu antworten) das Gefühl, du unterstellst, dass es in allen Türkischen Familien verpönt ist, Deutsch zu lernen und sprechen. Und das kann ich mir so nicht vorstellen.


Das habe ich weder so geschrieben noch gemeint noch gedacht. Nichts läge mir ferner, als so einen, verzeih, Schas zu schreiben.
Ich habe, im Gegenteil, weil mir nämlich bewusst ist, dass das missverstanden werden kann, immer von: "es gibt" und "manche" und "einige" etc. geschrieben, und mehrmals darauf hingewiesen, dass es bei weitem nicht "alle" sind. Mehr als das kann ich nicht. Wenn du das überlesen hast, tut mir das leid, ich wüsste aber nicht, wie ich es hätte besser hervorheben sollen.

Martin
Martin Polak
 

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