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StreetView und Privacy

Vorratsdatenspeicherung, Urheberrecht, ORF, you name it!

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StreetView und Privacy

Beitragvon Michael Eisenriegler » 7. März 2010, 11:09

Die Deutschen machen wieder mal gegen Big G und dessen Dienste StreetView und Earth mobil, nachzulesen hier. Ich verstehe allerdings nicht ganz, worin die Privacy-Probleme eigentlich bestehen. Ein Haus oder ein Grundstück darf man doch ablichten und veröffentlichen, oder? Weiters sollten Abbildungen von Personen im öffentlichen Raum - bis auf Ausnahmen - eigentlich auch veröffentlicht werden dürfen, oder nicht? Zumindest nach österreichischem Recht sehe ich das eigentlich so.

Interessant wird's allerdings bei Google Earth. Wenn der Satellit gerade abdrückt, während jemand mit seinem Seitensprung auf der Terrasse liegt, dann hat das natürlich was.

Mikee
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Re: StreetView und Privacy

Beitragvon Michael Suda » 7. März 2010, 12:18

Michael Eisenriegler hat geschrieben:Die Deutschen machen wieder mal gegen Big G und dessen Dienste StreetView und Earth mobil, nachzulesen hier. Ich verstehe allerdings nicht ganz, worin die Privacy-Probleme eigentlich bestehen. [hier gekürzt]

Was ich so von der Diskussion mitbekomme - und ich bekomme schon was mit -, dann geht es den Menschen vor allem um zwei Problemkreise:
  1. Die eine, ganz massiv geäußerte Sorge ist die, dass viele glauben, Google würde damit so eine Art "Shopping-Liste" oder "Suchmaschine" für Einbrecher etc. schaffen: Man fährt virtuell eine komplette Stadt ab, sucht sich die interessantest aussehenden Objekte aus, checkt die Umgebung, etc.. Das ist in Wahrheit natürlich kein wirkliches "Privacy-Problem".
  2. Die andere ist, dass viele Leute glauben, dass sie über Google StreetView permanent überwacht werden, ihnen die Gugel-Tant also sozusagen dauernd über den Gartenzaun oder durchs Wohnungsfenster linst. Das beruht natürlich auf einem Irrtum.
Sei es, wie es sei, in Österreich hat Google Inc., wenn man Medienberichten http://futurezone.orf.at/stories/1640376/ trauen darf, eine Meldung abgegeben, sich den gemäß Datenschutzrecht vorgesehenen Checks unterzogen, und ist registriert worden. Damit ist die Sache generell einmal legal. Google scheint aber derzeit selbst eher bestrebt zu sein, diesen Ball flach zu halten.
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Re: StreetView und Privacy

Beitragvon Chris Haderer » 7. März 2010, 23:18

Naja, ganz so ist das mit den Personen auf der Straße natürlich nicht. Erstens gibt es einmal das Recht aufs eigene Bild - mit allen daraus resultierenden Implikationen (bis zur Honorarforderung beim Abdruck etc.). Wenn es in Österreich viel von etwas gibt, dann sind es Gesetze, und so haben wir auch ein Medienrecht. In diesem ist definiert, wann eine Person im öffentlichen Raum abgebildet werden darf (es geht dabei um die Veröffentlichung, nicht um das eigentliche Fotografieren) - nämlich erst in größeren Personengruppen oder in exponierten Rollen (es ist medienrechtlich also völlig legal etwa Demonstranten der Reihe nach durchzukatalogisieren). Was die "Google-Gefahr" angeht: Ich find den Google Cache viel bedenklicher als StreetView.
Chris Haderer
 

Re: StreetView und Privacy

Beitragvon Michael Eisenriegler » 7. März 2010, 23:24

Chris Haderer hat geschrieben:Wenn es in Österreich viel von etwas gibt, dann sind es Gesetze, und so haben wir auch ein Medienrecht. In diesem ist definiert, wann eine Person im öffentlichen Raum abgebildet werden darf (es geht dabei um die Veröffentlichung, nicht um das eigentliche Fotografieren) - nämlich erst in größeren Personengruppen oder in exponierten Rollen (es ist medienrechtlich also völlig legal etwa Demonstranten der Reihe nach durchzukatalogisieren).

Stimmt, eigentlich gibt's diese Bestimmungen irgendwo. Scheint aber völlig totes Recht zu sein, weil sonst wären die ganzen unsäglichen Partyfotografen schon längst pleite gegangen. Oder hab' ich was übersehen?

cu,

Mikee

P.S.: Hallo, Chris! Schön, Dich wieder mal zu lesen!
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Re: StreetView und Privacy

Beitragvon Andreas Serloth » 8. März 2010, 00:52

Chris Haderer hat geschrieben:Naja, ganz so ist das mit den Personen auf der Straße natürlich nicht. Erstens gibt es einmal das Recht aufs eigene Bild - mit allen daraus resultierenden Implikationen (bis zur Honorarforderung beim Abdruck etc.). Wenn es in Österreich viel von etwas gibt, dann sind es Gesetze, und so haben wir auch ein Medienrecht. In diesem ist definiert, wann eine Person im öffentlichen Raum abgebildet werden darf (es geht dabei um die Veröffentlichung, nicht um das eigentliche Fotografieren) - nämlich erst in größeren Personengruppen oder in exponierten Rollen (es ist medienrechtlich also völlig legal etwa Demonstranten der Reihe nach durchzukatalogisieren). Was die "Google-Gefahr" angeht: Ich find den Google Cache viel bedenklicher als StreetView.


Nuja, ein Recht aufs eigene Bild gibt's zwar, korrekt. Selbiges gilt jedenfalls für nichtöffentliche Personen (also Nudlaugen wie du und ich, nicht aber für wieauchimmer definierte Promis; Grenze wohl Ermessenssache). Sinngemäß -- und aus dem Gedächtnis -- treten die Konsequenzen dieses Rechts allerdings erst dann in Kraft, wenn aus der Aussageintention der abbildenden Person hervorgeht, dass die abgebildete Person das zentrale (oder ein relevantes) Motiv der Abbildung darstellt. Um an deinem "Demonstranten katalogisieren" Argument anzuknüpfen: Max Mustermann dürfte in der Demonstrantenschar demnach nicht, Otto Walkes demnach schon namentlich bezeichnet werden (aber eigentlich OT)

Bissi knapp bissi viel, ich weiß, daher kürzer und nur unwesentlich unschärfer: Besagtes Recht wird _nicht_ schlagend, wenn die abgebildete Person bloßes Beiwerk ist. Was bei G-Earth wohl stets der Fall ist.

Nichtsdesto kann ich die mit G-Abbildungen verbundene Aufregungen bzw. Befürchtungen nachvollziehen, relevante Argumente:
- Das Verhalten einer Privatperson im öffentlichen Raum wird in G-Earth abgebildet
- Die abgebildete Person wird bezüglich der Abbildung nicht gewarnt oder informiert, befindet sich in Unkenntnis bezüglich eigener, evt. prekärer Situation (Nasenbohren am Straßenrand _ist_nicht_gleich_ Nasenbohren am Straßenrand vor der wahrgenommenen Kamera!)
- In GE abgebildete Personen konnten bereits identifiziert werden = negative soziale Kompetenzen können nicht ausgeschlossen werden
- Randargument: Die GE-Publikationen öffentlichen Raums erfassten auch bereits Personen in deren eigenem Privatbereich (z.B. Mann mit runtergelassener Hose auf privatem Grundstück, weil die GE-Kamera halt über die Hecke lugte)
- Das Szenario unterscheidet sich in NICHTS von Totalüberwachung via Videokamera. Einziger Unterschied: Du weißt nicht _wo_, du weißt nicht _wann_, und du weißt nicht _ob's_ dich trifft.

as
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Re: StreetView und Privacy

Beitragvon Andreas Serloth » 8. März 2010, 01:01

Ich hab jetzt meinen Abschlusssatz vergessen:

Andreas Serloth hat geschrieben:Einziger Unterschied: Du weißt nicht _wo_, du weißt nicht _wann_, und du weißt nicht _ob's_ dich trifft.


Was die Unsicherheit nur noch vergrößert. Und das (wahrgenommene) Bedrohungspotenzial verstärkt.

as
Andreas Serloth
 

Re: StreetView und Privacy

Beitragvon Michael Suda » 8. März 2010, 07:42

Chris Haderer hat geschrieben:Naja, ganz so ist das mit den Personen auf der Straße natürlich nicht. Erstens gibt es einmal das Recht aufs eigene Bild - mit allen daraus resultierenden Implikationen (bis zur Honorarforderung beim Abdruck etc.).[hier gekürzt]

Nicht zuletzt deshalb verpixelt/blurrt Google bei StreetView ja alle Gesichter der auf der Straße zu sehenden Menschen.
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Re: StreetView und Privacy

Beitragvon Dieter Henkel » 8. März 2010, 08:32

Andreas Serloth hat geschrieben:- Das Szenario unterscheidet sich in NICHTS von Totalüberwachung via Videokamera. Einziger Unterschied: Du weißt nicht _wo_, du weißt nicht _wann_, und du weißt nicht _ob's_ dich trifft.

Ich sehe da sehr wohl einen gravierenden Unterschied. Nämlich den, dass Street View eine Momentaufnahme ist, während die Videoüberwachung eine ständige Einrichtung darstellt. Letztere ist damit ein massiver Eingriff, während erstere einem Blitzeinschlag im Nachbarhaus gleichkommt.
Dieter Henkel
 

Re: StreetView und Privacy

Beitragvon Susanne Ofner » 8. März 2010, 08:57

Naja, eigentlich möchte ich auch nicht zufällig abgebildet werden, wenn das Bild dann weltweit die Runde macht.
IMO gehts da um ein Prinzip.
Su
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Re: StreetView und Privacy

Beitragvon Michael Suda » 8. März 2010, 09:06

Michael Suda hat geschrieben:[hier gekürzt]Sei es, wie es sei, in Österreich hat Google Inc., wenn man Medienberichten http://futurezone.orf.at/stories/1640376/ trauen darf, eine Meldung abgegeben, sich den gemäß Datenschutzrecht vorgesehenen Checks unterzogen, und ist registriert worden. [hier auch]

Zur Vervollständigung und Ergänzung: Google Inc., 1600 Ampitheatre Parkway 94043-Mountain View, California, USA, ist unter der Registernummer DVR:4000437 mit der Datenanwendung (DAN 4000437/001) 'Erstellung von digitalen Bildaufnahmen aus dem öffentlichen Raum für den Dienst "Google streetview"' im österreichischen Datenverarbeitungsregister eingetragen.
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