Sozialversicherungen abschaffen!
Für alle Politikfelder, für die es derzeit kein eigenes Forum gibt. Vielleicht wird ja eines daraus...
Moderation: Andreas Beer
Re: Sozialversicherungen abschaffen!
von Gerald König » 27. Mai 2010, 22:09
Brigitte Grohmann hat geschrieben:Soviel Gold kann ich mir nicht leisten. Ich werd dann aufs Gemüsezüchten umsteigen :-)
da kann die fiona p-g. sicher gute tipps geben;-)
Eine einzige Organisation ist aber IMO noch leichter durch INteresenvertreter erpressbar als 27 Organisationen. Derzeit müssen Ärztekammer und Pharmalobby mit jedem einzelnen SV-Träger streiten, bei einem steuerfinanzierten System brauchen sie nur einmal njet sagen bzw. viel weniger Entscheidungsträger, hm, sagen wir mal, überzeugen.
brigitte
ehrlich gesagt wäre ich schon froh, wenn es nur 25 oder 26 wären - als erster schritt.
ad ärztekammer und pharma: die jeweiligen organisationen der sv sind derzeit mit sicherheit recht gut vernetzt...
lgg
Wer braucht Krankenversicherungen?
von Michael Eisenriegler » 4. Juni 2010, 00:53
Ich weiß schon, "es ist alles sehr kompliziert" und "wer Visionen hat braucht einen Arzt", um zwei abgedroschene Zitate österreichischer Bundeskanzler nochmals hervorzukramen. Aber es ist doch so: Jeder braucht eine Versicherung gegen Krankheit, aber wer braucht Krankenversicherungen? Und davon gleich 19 Stück?
In der vergangenen Wochen hat das alte, in der 2. Republik mühsam von zünftisch auf sozialpartnerschaftlich umgestrickte System der "selbstverwalteten" Sozialversicherungen eindrucksvoll unter Beweis gestellt, daß es komplett reformiert werden muß, und zwar dringend.
Exkurs ad "selbstverwaltet": Hat sich schon einmal jemand ernsthaft die Frage gestellt, worin diese "Selbstverwaltung" eigentlich besteht? Auf der Website der SVA sind unter dieser Überschrift lediglich Stehsätze zu finden.
Man erfährt allerdings, daß es einen Haufen Gremien gibt, und daß diese von der WKÖ und anderen Organisationen beschickt werden. Die Namen dieser Organisationen erfährt man nicht, ganz zu schweigen von den Namen der handelnden Personen. Und dann erfährt man noch, daß es einen "Beirat" geben soll, dem "Vertreter der Versicherten" angehören. Wer und vor allem wo sind die? Wer hat sie legitimiert? Und warum sagen die nichts, wenn denen, die sie vertreten sollen, gerade das Wasser bis zum Hals steht?

Die Situation ist also mehr als unbefriedigend. Das österreichische Gesundheitssystem wird von einem Wildwuchs an Organisationen beherrscht, die damit beschäftigt sind, ihre Versicherten und sich selbst zu verwalten und die Leistungen, die diese in Anspruch nehmen, mit den Ärzten zu verrechnen. Wir sprechen hier von 19 getrennten Körperschaften (und einem Hauptverband), die alle über Vorstände, Beiräte, Generalversammlungen, Kontrollversammlungen, Datenbanken, Rechnungskreise, IT-Abteilungen, Tintenburgen undwasweißchnochalles verfügen. Wir sprechen über einen völlig unnötigen und aufgeblähten Verwaltungsapparat, den kein Mensch braucht, und das in Zeiten von Budgetknappheit, Einsparungen und dringend nötiger Verwaltungsreform. Dabei könnte alles viel einfacher sein.
Den Apparat, den man dafür benötigen würde, um allen(!) hier lebenden Menschen eine anständige Gesundheitsversorgung zukommen zu lassen gibt es nämlich schon: Die Finanzämter und das Gesundheitsministerium. Erstere könnten die Beiträge zum Gesundheitssystem ganz einfach als Steuern einheben, und letzteres könnte die Verhandlungen mit der Ärztekammer führen, um ein einheitliches Tarifsystem auszuarbeiten und regelmäßig zu ergänzen. Es würde dann einfach jeder, der im Melderegister geführt wird (oder einen Aufenthaltstitel hat) bei seiner Bezirkshauptmannschaft seine eCard bekommen. Die Beiträge zum Gesundheitssystem (vulgo Gesundheitssteuer) würden zweckgebunden mit der Lohn- und Einkommenssteuer eingehoben und wie bisher sozial gestaffelt. Und wer kein Einkommen hat zahlt auch nichts, warum auch? Wir sind eines der reichsten Länder der Welt, und wir werden es wohl zusammenbringen, daß jeder, der hier lebt, auch eine anständige ärztliche Versorgung erhält. Das Geld, das man durch die Einsparungen in der Verwaltung lukrieren könnte, würde wohl locker reichen, um diejenigen, die bisher durch den Rost gefallen sind, wieder ins System hineinzuholen.
Wie eingangs erwähnt, eine solcher Umbau des Systems ist sicher "kompliziert" und eine "Vision". Aber ich denke es lohnt, darüber nachzudenken. Denn wenn man einen großen Wurf will, dann wird man auch in der Lage sein, die dabei am Weg dahin auftretenden Probleme (wie z.B. die Zukunft der tausenden Angestellten, die dann niemand mehr braucht) zu lösen. Wir müssen nur wollen.
Geschrieben von Michael Eisenriegler am dritten Tage des vertragslosen Zustands A. D. 2010


In der vergangenen Wochen hat das alte, in der 2. Republik mühsam von zünftisch auf sozialpartnerschaftlich umgestrickte System der "selbstverwalteten" Sozialversicherungen eindrucksvoll unter Beweis gestellt, daß es komplett reformiert werden muß, und zwar dringend.
Exkurs ad "selbstverwaltet": Hat sich schon einmal jemand ernsthaft die Frage gestellt, worin diese "Selbstverwaltung" eigentlich besteht? Auf der Website der SVA sind unter dieser Überschrift lediglich Stehsätze zu finden.
Man erfährt allerdings, daß es einen Haufen Gremien gibt, und daß diese von der WKÖ und anderen Organisationen beschickt werden. Die Namen dieser Organisationen erfährt man nicht, ganz zu schweigen von den Namen der handelnden Personen. Und dann erfährt man noch, daß es einen "Beirat" geben soll, dem "Vertreter der Versicherten" angehören. Wer und vor allem wo sind die? Wer hat sie legitimiert? Und warum sagen die nichts, wenn denen, die sie vertreten sollen, gerade das Wasser bis zum Hals steht?
Die Situation ist also mehr als unbefriedigend. Das österreichische Gesundheitssystem wird von einem Wildwuchs an Organisationen beherrscht, die damit beschäftigt sind, ihre Versicherten und sich selbst zu verwalten und die Leistungen, die diese in Anspruch nehmen, mit den Ärzten zu verrechnen. Wir sprechen hier von 19 getrennten Körperschaften (und einem Hauptverband), die alle über Vorstände, Beiräte, Generalversammlungen, Kontrollversammlungen, Datenbanken, Rechnungskreise, IT-Abteilungen, Tintenburgen undwasweißchnochalles verfügen. Wir sprechen über einen völlig unnötigen und aufgeblähten Verwaltungsapparat, den kein Mensch braucht, und das in Zeiten von Budgetknappheit, Einsparungen und dringend nötiger Verwaltungsreform. Dabei könnte alles viel einfacher sein.
Den Apparat, den man dafür benötigen würde, um allen(!) hier lebenden Menschen eine anständige Gesundheitsversorgung zukommen zu lassen gibt es nämlich schon: Die Finanzämter und das Gesundheitsministerium. Erstere könnten die Beiträge zum Gesundheitssystem ganz einfach als Steuern einheben, und letzteres könnte die Verhandlungen mit der Ärztekammer führen, um ein einheitliches Tarifsystem auszuarbeiten und regelmäßig zu ergänzen. Es würde dann einfach jeder, der im Melderegister geführt wird (oder einen Aufenthaltstitel hat) bei seiner Bezirkshauptmannschaft seine eCard bekommen. Die Beiträge zum Gesundheitssystem (vulgo Gesundheitssteuer) würden zweckgebunden mit der Lohn- und Einkommenssteuer eingehoben und wie bisher sozial gestaffelt. Und wer kein Einkommen hat zahlt auch nichts, warum auch? Wir sind eines der reichsten Länder der Welt, und wir werden es wohl zusammenbringen, daß jeder, der hier lebt, auch eine anständige ärztliche Versorgung erhält. Das Geld, das man durch die Einsparungen in der Verwaltung lukrieren könnte, würde wohl locker reichen, um diejenigen, die bisher durch den Rost gefallen sind, wieder ins System hineinzuholen.
Wie eingangs erwähnt, eine solcher Umbau des Systems ist sicher "kompliziert" und eine "Vision". Aber ich denke es lohnt, darüber nachzudenken. Denn wenn man einen großen Wurf will, dann wird man auch in der Lage sein, die dabei am Weg dahin auftretenden Probleme (wie z.B. die Zukunft der tausenden Angestellten, die dann niemand mehr braucht) zu lösen. Wir müssen nur wollen.
Geschrieben von Michael Eisenriegler am dritten Tage des vertragslosen Zustands A. D. 2010


Bitte keine Supportfragen an mich schicken, sondern ausschließlich an Admin! Danke!
Re: Sozialversicherungen abschaffen!
von Susanne Ofner » 4. Juni 2010, 09:16
Ja und ja und ja.
Ich unterschreibe das vollinhaltlich - mit einer einzigen Ausnahme: Es sind nicht "nur" 19, sondern 22 Organisationen.
Ich unterschreibe das vollinhaltlich - mit einer einzigen Ausnahme: Es sind nicht "nur" 19, sondern 22 Organisationen.
Su
Re: Sozialversicherungen abschaffen!
von Michael Eisenriegler » 4. Juni 2010, 09:35
Susanne Ofner hat geschrieben:Ja und ja und ja.
Ich unterschreibe das vollinhaltlich - mit einer einzigen Ausnahme: Es sind nicht "nur" 19, sondern 22 Organisationen.
Ich hab' jetzt nur mal von den Krankenversicherungen gesprochen. Die andere drei sind reine Pensions- und Unfallversicherungen. Die Pensionskiste ist eine andere Baustelle, die wollte ich da jetzt nicht auch noch reinpacken, genausowenig wie die Kassenärzte.
Wenn ich mir aber Lopatkas Gesudere im heutigen Standard durchlese frage ich mich, ob irgendeine Reform in diesem Land eine Chance hat, geschweige denn ein großer Wurf... :-(
cu,
M.
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Re: Sozialversicherungen abschaffen!
von Susanne Ofner » 4. Juni 2010, 10:19
Ich bin auch nicht eben optimistisch :-(
Und ich bin an jedem Tag des vertragslosen Zustand dankbar dafür, nicht krank geworden zu sein.
Ich muss halt schauen, dass ich meinen Ärger über die Frechheit, die uns zugemutet wird, möglichst gut im Zaum halte, denn wenn ich darob zu hohen Blutdruck kriege oder gar ein Magengeschwür - wer hilft mir dann?
Und ich bin an jedem Tag des vertragslosen Zustand dankbar dafür, nicht krank geworden zu sein.
Ich muss halt schauen, dass ich meinen Ärger über die Frechheit, die uns zugemutet wird, möglichst gut im Zaum halte, denn wenn ich darob zu hohen Blutdruck kriege oder gar ein Magengeschwür - wer hilft mir dann?
Su
Re: Sozialversicherungen abschaffen!
von Dieter Henkel » 4. Juni 2010, 11:09
Der Arzt, der sich die Frechheit erlaubt, auch noch gleich mehr als bisher zu verlangen.
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