Haider Outing
Für alle Politikfelder, für die es derzeit kein eigenes Forum gibt. Vielleicht wird ja eines daraus...
Moderation: Andreas Beer
Re: Haider Outing
von Julia Braunegg » 22. September 2010, 20:48
hm... ich glaub, das ist tendenziell gar nicht newsworthy, wann du das erste Mal heterosexuell gebumst hast. Sowas interessiert vielleicht Mitschüler unter der Dusche nach dem Sport, aber unter Erwachsenen dürftest mit dem 'Outing' nur weniger hinter dem Kasten (sic!) hervorholen denk ich mir mal...
Jul
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When your mouth drops open, click the shutter. -Harold Feinstein
Re: Haider Outing
von Peter Thomas Suschny » 22. September 2010, 21:04
Julia Braunegg hat geschrieben:hm... ich glaub, das ist tendenziell gar nicht newsworthy, wann du das erste Mal heterosexuell gebumst hast. Sowas interessiert vielleicht Mitschüler unter der Dusche nach dem Sport, aber unter Erwachsenen dürftest mit dem 'Outing' nur weniger hinter dem Kasten (sic!) hervorholen denk ich mir mal...
Jul
Ich finde es heute auch völlig egal, nachdem ich aber damals dachte, ich sei diesbezüglich der Letzte oder einer der letzten, die das dann auch endlich schaffen, hätte ich mich wohl ähnlich wie ein Homosexueller verhalten, der sich aus verschiedensten Gründen nicht outen will.
Beim letzten Treffen unter Volksschule-Kolleginnen und Kollegen (zwischen 1968 und 72) im Jahre 2005 bin ich dahinter gekommen, dass einige Herren mit damals auch schon 43 Jahren noch nicht einmal ans Heiraten denken, wovon einer inzwischen seit gut 20 Jahren das elterliche Geschäft leitet und die paar Mitarbeiterinnen ihn schon kennen, als er selber ein kleines Kind war und alle versuchen ihn "anzubringen".
Daher sehe ich es heute völlig entspannt, was Du ansprichst ist eher jene Kategorie "Draufgänger", die (ist laut einem Marketing-Assistenten auf der WU sogar statistisch bemerkenswert) immer mit ihren Abenteuern prahlen, er meinte damals "Studien über das Sexualverhalten von Teenagern und jungen Twens sind extrem mühsam, denn die Mädchen trauen sich selten, über ihre oft schon vorhandenen Erfahrungen mit irgendwem zu reden und Burschen übertreiben vice versa gerne maßlos".
Zuletzt geändert von Harald Silvio Frassine am 22. September 2010, 22:02, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Den Teil verkleineret, der bei bestem Willen nix mit dem Thema Outing zu tun hat.
Grund: Den Teil verkleineret, der bei bestem Willen nix mit dem Thema Outing zu tun hat.
Re: Haider Outing
von Michael Suda » 23. September 2010, 10:18
Peter Thomas Suschny hat geschrieben:Julia Braunegg hat geschrieben:hm... ich glaub, das ist tendenziell gar nicht newsworthy, wann du das erste Mal heterosexuell gebumst hast. Sowas interessiert vielleicht Mitschüler unter der Dusche nach dem Sport, aber unter Erwachsenen dürftest mit dem 'Outing' nur weniger hinter dem Kasten (sic!) hervorholen denk ich mir mal...
Jul
Ich finde es heute auch völlig egal, nachdem ich aber damals dachte, ich sei diesbezüglich der Letzte oder einer der letzten, die das dann auch endlich schaffen, hätte ich mich wohl ähnlich wie ein Homosexueller verhalten, der sich aus verschiedensten Gründen nicht outen will. [Rest gekürzt]
Die Art und Weise, wie wir unsere Sexualität öffentlich darstellen, wird meiner Erfahrung nach mehr als alles andere von unseren Erwartungen hinsichtlich der Reaktion anderer bestimmt.
Erwartet man geächtet oder zumindest ausgelacht zu werden, hält man den Mund. Egal, ob man lesbisch, BDSM-Praktizierender oder 45-jährige Jungfrau ist.
Ein/e Politiker/in hat es dabei doppelt schwer: Er/Sie muss gleichzeitig auf die Meinungsumfragen und auf den internen, ungeschriebenen Ehrenkodex seiner/ihrer Partei (im regionalen Milieu, starker Stadt-Land-Gegensatz!) schielen.
Beispiel: Bei den Grünen wäre ein Outing für einen Schwulen wohl kein großes Problem, bei den Effen würde er derzeit wohl mehr oder weniger offen angefeindet, bei der ÖVP würde man ihm scheißfreundlich zu einer Therapie raten (und ihn diskret vom Wahlvorschlag kippen...), bei den Roten würde er toleriert aber sanft in Richtung "Special-Interest"-Ecke (---> SoHo) geschoben, für Mainstream-Kandidaten gilt dort mehr oder weniger DADT ("Don't ask, don't tell!").
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
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(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
Re: Haider Outing
von Julia Braunegg » 23. September 2010, 10:59
Michael Suda hat geschrieben:Erwartet man geächtet oder zumindest ausgelacht zu werden, hält man den Mund. Egal, ob man lesbisch, BDSM-Praktizierender oder 45-jährige Jungfrau ist.
Ja, absolut. Ich denke dennoch, dass es einen Unterschied gibt zwischen 45-jährig Jungfrau und 22-jährig Jungfrau.
Mein Gefühl ist aber obendrein, und vielleicht hab ich auch Unrecht, dass es nochmal eine ganz andere Kategorie ist, sich als Homosexuell zu outen. Ein Mensch, der mir sehr nahe steht, wurde als Teenager damit sogar erpresst (entweder du zahlst, oder Deine Eltern erfahren...) Und hat sich aus Geldmangel und unter großem Druck schliesslich geoutet.
Ein 17jähriger, der halt noch nicht "hat" kann a) behaupten, er habe schon(im Urlaub, mit der italienischen Schönheit, am Strand zB), b) wird dadurch nicht erpressbar, zumindest ist mir keine Möglichkeit eingefallen.
Das meinte ich.
Jul
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Re: Haider Outing
von Peter Thomas Suschny » 23. September 2010, 17:46
Michael Suda hat geschrieben:Beispiel: Bei den Grünen wäre ein Outing für einen Schwulen wohl kein großes Problem, bei den Effen würde er derzeit wohl mehr oder weniger offen angefeindet, bei der ÖVP würde man ihm scheißfreundlich zu einer Therapie raten (und ihn diskret vom Wahlvorschlag kippen...), bei den Roten würde er toleriert aber sanft in Richtung "Special-Interest"-Ecke (---> SoHo) geschoben, für Mainstream-Kandidaten gilt dort mehr oder weniger DADT ("Don't ask, don't tell!").
Dafür wäre ein Outing bei den Grünen, regelmäßig mit Gunstgewerblerinnen intim zu sein (außer man ist mit einer bereits aus dem Geschäft ausgeschiedenen liiert, vielleicht noch besser, wenn man sie aus dem Geschäft gebracht hat) wohl weniger gut, bei den Blauen nur, wenn man mit einer Muslimin verkehrt hätte, bei den Schwarzen ist es okay, wenn man erklärt, man wollte sie zu gutem und treuen Leben bekehren, vermutlich würde es bei der SPÖ weniger Schwierigkeiten geben, bei allen vieren wäre es aber wohl nur gut, wenn man damit nicht an die Öffentlichkeit, sondern das nur unter ein paar männlichen Parteigängern kundtut.
Re: Haider Outing
von Michael Suda » 27. September 2010, 22:22
Peter Thomas Suschny hat geschrieben:[hier gekürzt] So wenig ich ein Freund der FPÖ bin, so war diese unter Haider in der 2. Hälfte ähnlich wie die SPÖ und die Grünen für eine Lockerung der diversen Homosexuellen-Gesetze, dagegen nur die ÖVP wegen ihres Fundi-Flügels, aber bei allen Parteien wird es wohl Freunde und Gegner als auch solche geben, denen Schwule insgesamt genauso wurscht sind wie Juden, Roma, Farbige, ....
Erst die FPÖ unter Strache hat einen betont homophoben Kurs eingeschlagen,..[Rest gekürzt]
Mei, das ist natürlich keine Entschuldigung, nur eine Erklärung, aber die ÖVP tut sich halt schwer mit der dort dominierenden katholischen Sexualmoral. Die kann eine christliche Partei nicht so einfach über Bord kippen, ohne sich zu verbiegen.
Dagegen sehe ich die Haltung der FPÖ durch eine Mischung aus Opportunismus und Feindbild-Instrumentalisierung geprägt. Vor Haider hatte die Partei da wahrscheinlich gar keine Meinung, die liberale Minderheit gestattete sich Toleranz, die Rechtsaußen-Mehrheit war wohl immer schon queerophob.
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Re: Haider Outing
von Peter Thomas Suschny » 28. September 2010, 17:18
Michael Suda hat geschrieben:Dagegen sehe ich die Haltung der FPÖ durch eine Mischung aus Opportunismus und Feindbild-Instrumentalisierung geprägt. Vor Haider hatte die Partei da wahrscheinlich gar keine Meinung, die liberale Minderheit gestattete sich Toleranz, die Rechtsaußen-Mehrheit war wohl immer schon queerophob.
Was ich mich erinnere, war Homosexualität in Österreich vor Phettbergs "Nette Leit Show" vor allem kein Thema, über das öffentlich viel geredet wurde, man nahm die "Rosa-Lila-Villa" zur Kenntnis (ich ging ab 1985 oft vorbei, da ich ja 3 Jahre dem Oldtimerdoktor Jackob in der nahen Esterhazygasse im Büro aushalf); vor 1969 (also vor diesem Ereignis in den USA, auf das noch heute die Regenbogenparade - in Wien ab 1996 - Bezug nimmt)gab es vor allem bei den Spitzbuben immer wieder Scherze darüber, nicht alles politisch korrekt, aber auch nicht speziell Schwulen feindlich, sondern meistens nur dumm.
Das hatte bei den Original-Spitzbuben seine Tradition: neben dummen Witzen auf Frauen gab es auch solche auf Männer (ich habe auf einer von 2 CDs einen Spruch, wo eine Frau mit den Resten ihres Mannes zum Totengräber kommt und ersucht, die Asche des verbrannten Gatten in eine Sanduhr zu geben, denn "der war sein Leben lang so faul, damit er einmal was in seinem Leben hackelt, diese fäule Sau", also derb und auf alle hin hackend, falls wer die geniale 1973 Zeichentrick-Verfilmung des 1960er-Jahre Underground-Comics Fritz the Cat kennt, da bekommen auch alle - Schwarze genauso wie Frauen-Rechtlerinnen - ihr Fett ab).
Was mir besonders negativ auffällt: die noch heute gültige Homophobie auf Fußballplätzen, noch ärger als der Antisemitismus (habe ja selber 1981 in einem unbedeutenden Rapid-Spiel mitbekommen, als hinter dem Rapid Goalie ein unbeteiligter Zuschauer mit violettem Trainingsanzug-Jacke im damals noch West-Stadion genannten Hanappi-Stadion platziert war und 2 so Psychos immer "Judenschweine, Judenschweine" riefen, diese Arschlöcher waren nicht nur Antisemiten, sondern konnten nicht einmal bis 2 zählen, ein einzelner Mann kann nur ein "Judenschwein" und keine "Judenschweine" sein.
1979 im Sommer waren wir einmal bei einem damals noch üblichen Intertoto-Spiel: Rapid gegen Maccabi Nethanya, wenn ich mich recht erinnere und ebenso ein einzelner Trottel schimpfte immer in wüsten antisemitischen Flegeleien; als ich dann von WC in der Pause retour kam, erzählte mir mein späterer Trauzeuge, dass ein älterer Herr und ein junger, kräftiger Mann dem ein paar Watschen verpasst haben und ihm aufforderten, "jetzt halst endlich die Goschen, oder Du fliegst vom Platz" und der Abgewatschte zog dann noch ein paar mal durch die Nase auf, hielt aber das restliche Match endlich den Schandschlapfen).
Zuletzt geändert von Harald Silvio Frassine am 28. September 2010, 17:45, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Off-Topic-Teile verkleinert (lästige Arbeit, PTS!)
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