Aktuelle Zeit: 17. Mai 2012, 19:12
   
Text-Größe

Haider Outing

Für alle Politikfelder, für die es derzeit kein eigenes Forum gibt. Vielleicht wird ja eines daraus...

Moderation: Andreas Beer

Haider Outing

Beitragvon Andreas Beer » 17. September 2010, 21:21

Die HOSI bekleckert sich ja auch gerade mit Ruhm (aus orf.at):
Auch die Homosexuellen-Initiative (HOSI) nahm in einer Aussendung Stellung zu Ebingers Aussage: „Die ‚offizielle‘ Bestätigung, dass der verstorbene FPÖ-Obmann Jörg Haider schwul war, durch den Wiener FPÖ-Landtagsabgeordneter Gerald Ebinger, ist zwar nett, aber interessiert zwei Jahre nach Haiders Tod wohl niemand wirklich mehr.“ Haider sei „einfach zu feig“ gewesen, „offen schwul zu leben“.

Wenn sich der Durchschnittsösterreicher aus nachvollziehbaren Gründen nicht outet, dann ist das natürlich durchaus verständlich, aber wenn der böse Haider das macht bzw. nicht macht, dann war er eine feige Sau?
--
Die einzige Buchhandlung mit Tiefstpreisgarantie! http://www.meinebuchhandlung.at
Bild
Andreas Beer
 

Re: Haider Outing

Beitragvon Michael Suda » 18. September 2010, 10:24

Andreas Beer hat geschrieben: [hier gekürzt] Wenn sich der Durchschnittsösterreicher aus nachvollziehbaren Gründen nicht outet, dann ist das natürlich durchaus verständlich, aber wenn der böse Haider das macht bzw. nicht macht, dann war er eine feige Sau?

Vorausgeschickt: Ich halte nichts von Zwangs-Outings von Promis, wie sie einige bei der HOSI zu befürworten scheinen.

Aber bei Haider kommt schon ins Spiel, dass er für die FPÖ stand, und die FPÖ halt die grosso modo queerophobeste Partei ist.

Wenn also gerade Jörg Haider ein Doppelleben geführt haben sollte, dann ist das schon auch ein politisches Thema. Man(n) kann nicht vormittags als Dr. Haider Presseaussendungen abzeichnen, in denen sich die FPÖ/das BZÖ gegen gleiche Rechte für Schwule ausspricht, und abends als Mr. Jörg im "Stadtkrämer" (oder irgendeinem anderen Lokal) sitzen, Wodka kippen und Männer abschleppen. Oder man kann schon, aber irgendwann sollte so eine schizophrene Verlogenheit aufgedeckt werden.

Wobei ich wette, wenn man die Quellen genau studierte, würde man keine oder kaum homophobe FPÖ-Äußerungen finden, die von Dr. Haider selbst stammen. Wurscht, dafür hatte Mr. Jörg schon einige passende Dobermänner an seinen vielen Leinen hängen....

Tote genießen keinen Datenschutz und haben kein Privat- und Familienleben mehr, das zu schützen wäre. Nur ein Angedenken, das von Ehrlichkeit bestimmt sein sollte.
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
Bild
Michael Suda
 

Re: Haider Outing

Beitragvon Peter Thomas Suschny » 18. September 2010, 10:26

Andreas Beer hat geschrieben:Wenn sich der Durchschnittsösterreicher aus nachvollziehbaren Gründen nicht outet, dann ist das natürlich durchaus verständlich, aber wenn der böse Haider das macht bzw. nicht macht, dann war er eine feige Sau?


Haider war meines Wissens nach bisexuell, das stand aber schon um 1995 herum in der Wiener Zeitung.
So wenig ich ein Freund der FPÖ bin, so war diese unter Haider in der 2. Hälfte ähnlich wie die SPÖ und die Grünen für eine Lockerung der diversen Homosexuellen-Gesetze, dagegen nur die ÖVP wegen ihres Fundi-Flügels, aber bei allen Parteien wird es wohl Freunde und Gegner als auch solche geben, denen Schwule insgesamt genauso wurscht sind wie Juden, Roma, Farbige, ....
Erst die FPÖ unter Strache hat einen betont homophoben Kurs eingeschlagen, ich erinnere mich an eine Äußerung 2005, dass bei den Grünen "einige der allerwärmsten Brüder dabei sind", typischer Quatsch, die zwei Prominentesten Homosexuellen sind der Wiener Gemeinderat Marco Schreuder, ein ganz sympathischer Typ, der sich für die Sanierung des jüdischen Friedhofs im Währinger Park an der Grenze 1180 und 1190 starkmacht, so wie Ulrike Lunacek, die EU-Abgeordnete, der ich nichts negatives nachsagen kann, die aber insgesamt ein weitaus weniger sympathisches Auftreten hat (die Behauptung, dass sie Antisemitin sein könnte, habe ich einmal einem jüdischen Herr gegenüber zurückgewiesen, dass sie Antizionistin sein könnte, halte ich aber durch Äußerungen in den 90ern nicht für völlig aus der Luft gegriffen).
Gegen Haiders gelegentliche Ausschweifungen soll nun aber seine Witwe im nachhinein per Gericht vorgegangen sein, es darf Haider nicht unterstellt werden, dass er homo- bzw. bisexuell gewesen ist, seltsam.
Bin neugierig, wann Nachfahren des "Führers" auftauchen
(Nichten, Neffen, Cousins und deren Kinder und Enkel)
und Historikern verbieten zu behaupten, dass dieser vermutlich nicht zeugungsfähig war und dass es ja die Affäre mit seiner Nichte Angela "Geli" Raubal gegeben haben soll, ob da nicht Anschuldigungen Richtung Blutschande oder versuchter Sex mit Minderjährigen kommen könnten, weiß ich nicht und will ich nicht beurteilen, sie aber zurückzuweisen, wäre historisch nicht seriös.
Peter Thomas Suschny
 

Re: Haider Outing

Beitragvon Harald Silvio Frassine » 18. September 2010, 18:51

Michael Suda hat geschrieben:Man(n) kann nicht vormittags als Dr. Haider Presseaussendungen abzeichnen, in denen sich die FPÖ/das BZÖ gegen gleiche Rechte für Schwule ausspricht, und abends als Mr. Jörg im "Stadtkrämer" (oder irgendeinem anderen Lokal) sitzen, Wodka kippen und Männer abschleppen.

in der hosi-zeitung stand mal, dass nur homophobe zwangsgeoutet werden. haider war nie homphob, die fpö beherbergte viele schwule, und war im unterschied zur övp gegen die sonderparagrafen.
Bild
Harald Silvio Frassine
 

Re: Haider Outing

Beitragvon Michael Suda » 18. September 2010, 19:11

Harald Silvio Frassine hat geschrieben:
Michael Suda hat geschrieben:Man(n) kann nicht vormittags als Dr. Haider Presseaussendungen abzeichnen, in denen sich die FPÖ/das BZÖ gegen gleiche Rechte für Schwule ausspricht, und abends als Mr. Jörg im "Stadtkrämer" (oder irgendeinem anderen Lokal) sitzen, Wodka kippen und Männer abschleppen.

in der hosi-zeitung stand mal, dass nur homophobe zwangsgeoutet werden. haider war nie homphob, die fpö beherbergte viele schwule, und war im unterschied zur övp gegen die sonderparagrafen.

Schwule (und Bisexuelle) gibt es wohl in jeder Partei, in der FPÖ gibt es aber meines Wissens ausschließlich Kastenschwule (wie vermutlich auch bei der ÖVP).

Und du glaubst, das mit "gegen die Sonderparagrafen" sein (ich nehme an, du meinst den früheren § 209 StGB), haben auch die "Dobermänner" alle gewusst?
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
Bild
Michael Suda
 

Re: Haider Outing

Beitragvon Andreas Beer » 18. September 2010, 19:45

entschuldige, was sind "Kastenschwule"?
--
Die einzige Buchhandlung mit Tiefstpreisgarantie! http://www.meinebuchhandlung.at
Bild
Andreas Beer
 

Re: Haider Outing

Beitragvon Brigitte Grohmann » 18. September 2010, 19:52

closet homosexuals?


brigitte
If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to
fucking fuck it up because that cunt's a cunt.
- Tucker's Law
Bild
Brigitte Grohmann
 

Re: Haider Outing

Beitragvon Michael Suda » 18. September 2010, 21:05

Andreas Beer hat geschrieben:entschuldige, was sind "Kastenschwule"?

Queere Menschen (Lesbians, Gays, Bisexuals, Transgenders - LGBT), die ihre besondere Orientierung nicht öffentlich sondern nur privat ("in the closet" im Kleiderschrank, im Kasten) bzw. im geschützten Milieu bestimmter Lokale und Clubs ausleben, werden gern als "Kasten-" bezeichnet (Kastenschwuler, Kastentranse, in Deutschland auch gerne pauschal "Schrankschwester").

Szenemäßig hat das auch einen negativen Beigeschmack im Sinne von "unreif" oder "feig".
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
Bild
Michael Suda
 

Re: Haider Outing

Beitragvon Andreas Beer » 18. September 2010, 21:47

danke! Live and learn ;)
--
Die einzige Buchhandlung mit Tiefstpreisgarantie! http://www.meinebuchhandlung.at
Bild
Andreas Beer
 

Re: Haider Outing

Beitragvon Peter Thomas Suschny » 19. September 2010, 09:43

Michael Suda hat geschrieben:die ihre besondere Orientierung nicht öffentlich sondern nur privat ("in the closet" im Kleiderschrank, im Kasten) bzw. im geschützten Milieu bestimmter Lokale und Clubs ausleben, "Schrankschwester").
Szenemäßig hat das auch einen negativen Beigeschmack im Sinne von "unreif" oder "feig".


Themenverwandt: außer mit meinen 4 bis 5 besten Freunden habe ich auch ungerne preisgegeben, dass ich erst im November und Dezember 1984 - immerhin schon 22 3/4 - "entjungmannt" wurde, heute mit 48, 18 Jahre verheiratet und 3 Kinder (also die, von denen ich weiß, vielleicht hat die erste, die die Pille nahm, doch auch ein 25 Jahre altes Kind und will nur nichts mehr von mir wissen, ihr Vater war ja gut verdienender Abteilungschef eines Welt-Konzerns, falls sie einmal die Pille ausgelassen hat ;-))) ) rede ich auch problemlos darüber.
Bin ich da eine "Kasten-Ewige-Jungfer"? (Jungfer ist so schön ausgestorben, dass es geschlechtsneutral für Jungfrauen und solchen Männer, die auch noch nicht "dran" durften, herangezogen werden kann).
Zuletzt geändert von Harald Silvio Frassine am 22. September 2010, 21:03, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: OT-Text verkleinert
Peter Thomas Suschny
 

Nächste

Zurück zu Sonstige Innenpolitik

Unterstützt durch

anema




Login Form