Die Männerpartei kandidiert!
Über große Töchter und große Söhne, HausherrInnen und MitgliederInnen, Pensionsantrittsalter und Seniorenermäßgungen, gegenderte Sprache und Newspeak, GleichbehandlunganwältInnen und die Abteilung VI/6.
Moderation: Susanne Ofner
Re: Die Männerpartei kandidiert!
von Michael Suda » 23. September 2010, 10:36
Oliver Peter Hoffmann hat geschrieben:Historisch gesehen war es auch gerechtfertigt und verständlich, dass nur Männer an einer Technischen Universität studieren. Trotzdem müssen Frauen heute keinen Antrag beim Gericht stellen, damit sie studieren dürfen.[hier gekürzt]
Da auch Männer nie einen Gerichtsbeschluss für die Immatrikulation an einer technischen Schule gebraucht haben (bestenfalls eine bestandene Aufnahmeprüfung, zu der Frauen praktischerweise gar nicht antreten durften), ist das ein klassischer Äpfel-Birnen-Vergleich. Ich würde sogar sagen, es ist ein Stahlrohrkaffeehaussessel-Birnen-Vergleich. Der hinkt wie Quasimodo.
Ich kann es nicht sagen, ich sage es nie,
bleibt auch mein Himmel versperrt.
bleibt auch mein Himmel versperrt.
(aus Lehárs Operette "Das Land des Lächelns")
Re: Die Männerpartei kandidiert!
von Oliver Peter Hoffmann » 23. September 2010, 12:22
Michael Suda hat geschrieben:Oliver Peter Hoffmann hat geschrieben:Historisch gesehen war es auch gerechtfertigt und verständlich, dass nur Männer an einer Technischen Universität studieren. Trotzdem müssen Frauen heute keinen Antrag beim Gericht stellen, damit sie studieren dürfen.[hier gekürzt]
Da auch Männer nie einen Gerichtsbeschluss für die Immatrikulation an einer technischen Schule gebraucht haben (bestenfalls eine bestandene Aufnahmeprüfung, zu der Frauen praktischerweise gar nicht antreten durften), ist das ein klassischer Äpfel-Birnen-Vergleich. Ich würde sogar sagen, es ist ein Stahlrohrkaffeehaussessel-Birnen-Vergleich. Der hinkt wie Quasimodo.
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren nur Männer zum Technischen Studium zugelassen. Frauen wurde der Zugang zum Technischen Studium per Gesetz verwehrt. Wenn eine Frau trotzdem ein technisches Studium beginnen wollte, musste sie um eine Ausnahmegenehmigung ansuchen. Obwohl Frauen im Durchschnitt nicht so viele technische Erfindungen machen wie Männer, hat man dann diese gesetzliche Ungleichbehandlung der Frauen abgeschafft. Warum? Weil es eben doch einzelne Frauen gibt, die genauso motiviert und begabt für ein technisches Studium sind wie Männer.
Heute ist ein unverheirateter Vater per Gesetz von der Obsorge für sein Kind ausgeschlossen. Warum? Weil Männer durchschnittlich kürzer beim Kind sind als Frauen? Aber es gibt eben doch Männer, die genauso motiviert und begabt für die Obsorge sind Frauen. Warum wird die gesetzliche Ungleichbehandlung dann nicht abgeschafft? Warum muss sich ein unverheirateter Vater erst eine gerichtliche Genehmigung holen, damit er für sein Kind sorgen darf?
"Historisch begründet" ist bald einmal etwas. Die Frage für den aufgeklärten Wähler ist doch eher: Wollen wir in einem Land leben, in dem man aufgrund seines Geschlechts diskriminiert wird? Oder wollen wir gleiches Recht für Alle?
Re: Die Männerpartei kandidiert!
von Michael Suda » 23. September 2010, 17:03
Oliver Peter Hoffmann hat geschrieben:Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren nur Männer zum Technischen Studium zugelassen. Frauen wurde der Zugang zum Technischen Studium per Gesetz verwehrt. Wenn eine Frau trotzdem ein technisches Studium beginnen wollte, musste sie um eine Ausnahmegenehmigung ansuchen. Obwohl Frauen im Durchschnitt nicht so viele technische Erfindungen machen wie Männer, hat man dann diese gesetzliche Ungleichbehandlung der Frauen abgeschafft. Warum? Weil es eben doch einzelne Frauen gibt, die genauso motiviert und begabt für ein technisches Studium sind wie Männer.
Ich hau dir mal deine Ansicht nicht um die Ohren, dass nur "einzelne Frauen" für ein technisches Studium begabt sind. Wird da, wie so häufig, am Ende Begabung mit Sozialisation (Mädchen spielen mit Puppen, Buben mit Autos....) verwechselt?
Jedenfalls war es eine nicht zu rechtfertigende Ungleichbehandlung, dass Frauen nicht einmal bei Begabung eine Chance bekommen haben, es sei denn nach Absolvierung eines eigens aufgestellten bürokratischen Hindernisparcours. Das war eine reine Streitfrage zwischen dem Staat und seinen Unis und interessierten Frauen, ohne involvierte Dritte.
Heute ist ein unverheirateter Vater per Gesetz von der Obsorge für sein Kind ausgeschlossen. Warum? Weil Männer durchschnittlich kürzer beim Kind sind als Frauen? Aber es gibt eben doch Männer, die genauso motiviert und begabt für die Obsorge sind Frauen. Warum wird die gesetzliche Ungleichbehandlung dann nicht abgeschafft? Warum muss sich ein unverheirateter Vater erst eine gerichtliche Genehmigung holen, damit er für sein Kind sorgen darf? [hier gekürzt]
Diese Diskriminierung beruht auf der Erfahrung, dass viele Väter die Obsorge nicht als eine Pflicht sondern als ein Recht, ein Machtinstrument betrachten, das bei Bedarf, das heißt: im Streitfall (gleich, um was immer), gegen die Kindesmutter in Stellung gebracht werden könnte. Also: wenn du nicht hier nachgibst, melde ich das Kind bei einer anderen Schule an, suche ich ihm einen anderen Kinderarzt, usw. Umgekehrt liefe das bei gemeinsamer Obsorge natürlich auch. Hier geht es um ein psychologisch höchst kompliziertes Mehrecksverhältnis (Vater - Mutter - Kind, plus eventuell weiteren Kindern und Elternteilen, und "dem Staat" in Gestalt von Jugendwohlfahrtsbehörde und Pflegschaftsgericht). Und es geht praktisch immer um Fälle mit "Streitneigung" (die anderen regeln das intern und holen halt die notwendigen gerichtlichen Bewilligungen ein). Und daher weist der Gesetzgeber den Eltern jeweils die aktive (Mutter) und die passive Rolle (Vater) zu, damit die Fronten zu Beginn mal klar sind.
Das ist daher nach meiner Überzeugung eine ganz andere Sache als die Frage, ob Frau A*** auf die TU darf!
Natürlich unterscheidet das Gesetz pauschal. Und wie bei jedem Pauschalurteil ist es klug, von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob es noch der sozialen Realität entspricht. Das könnte etwa Thema einer parlamentarischen Enquette sein. Aus meiner Sicht sind die Gefahren der gemeinsamen Obsorge im Moment noch größer als die Chancen.
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Re: Die Männerpartei kandidiert!
von Peter Thomas Suschny » 23. September 2010, 17:54
Michael Suda hat geschrieben:Ich hau dir mal deine Ansicht nicht um die Ohren, dass nur "einzelne Frauen" für ein technisches Studium begabt sind. Wird da, wie so häufig, am Ende Begabung mit Sozialisation (Mädchen spielen mit Puppen, Buben mit Autos....) verwechselt?
Jedenfalls war es eine nicht zu rechtfertigende Ungleichbehandlung, dass Frauen nicht einmal bei Begabung eine Chance bekommen haben, es sei denn nach Absolvierung eines eigens aufgestellten bürokratischen Hindernisparcours.
Dabei wurde bereits um 1920 herum die berühmte österreichische Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (durfte aber nur aufgrund ihres intervenierenden Architekten-Vater überhaupt studieren) graduiert.
Die erste weibliche Ärztin war Dr. Gabrielle Possaner (1940 verstorben, in Lainz trägt eine Gasse ihren Namen).
Generell sind akademische Väter in der Branche kein Nachteil: erst seit Erich Walitsch als Co-Autor erschienen Film "Jochen Rindt lebt!" zum 40. Todestag habe ich erfahren, dass seine 1943 bei einem Bombentreffer auf die Gewürzmühle "Klein & Rindt"
getötete Mutter Dr. Ilse Rindt - nebenbei eine begabte Tennissportlerin - Juristin war und in der Rechtsanwalts-Kanzlei seines Großvaters mitarbeitete.
Re: Die Männerpartei kandidiert!
von Harald Silvio Frassine » 23. September 2010, 18:34
(du weißt aber schon, dass die studierenden frauen hier nur zum vergleich angesprochen wurden, udn nicht damit du uns dein enzyklopädisches wissen offenbarst, oder?)
Re: Die Männerpartei kandidiert!
von Peter Thomas Suschny » 23. September 2010, 18:52
Keine Sorge
Zuletzt geändert von Susanne Ofner am 23. September 2010, 20:49, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Beitrag gelöscht, weil OT.
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