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Das angebliche "wertneutrale" Maskulinum

Über große Töchter und große Söhne, HausherrInnen und MitgliederInnen, Pensionsantrittsalter und Seniorenermäßgungen, gegenderte Sprache und Newspeak, GleichbehandlunganwältInnen und die Abteilung VI/6.

Moderation: Susanne Ofner

Das angebliche "wertneutrale" Maskulinum

Beitragvon Susanne Ofner » 11. Jänner 2012, 22:14

Seit Jahrzehnten wird darauf hingewiesen: Begriffe wie "die Arbeiter" oder "die Stundenten" etc. sind nicht "neutral" in dem Sinn, dass sie gleichermaßen für beide Geschlechter gelten würden.
Der Widerstand ist groß, und das Ringen um geschlechtergerechte Sprache ist ein mühsamer Kampf steil bergauf.

Längst sind es jedoch nicht mehr nur die feministischen Linguistinnen, die sich mit dem Thema befassen. Das Thema "Einfluss der Sprache auf das Denken und umgekehrt) wird auch von Fach*männern* untersucht, und die Ergebnisse sind eindeutig.

In einem aktuellen Standard-Artikel gibts mehr dazu:

http://diestandard.at/1325485955099/Fra ... nicht-alle
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Re: Das angebliche "wertneutrale" Maskulinum

Beitragvon Julia Braunegg » 11. Jänner 2012, 22:59

Interessant, und das bestätigt mein Gefühl. Cool. Nur die Frage, ob es was ändert. Ich hab vor kurzem übrigens 'How to be a woman' Von Susan Moran gelesen und mich in vielen Dingen bestätigt gefühlt.

:-)

Jul
When your mouth drops open, click the shutter. -Harold Feinstein
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Re: Das angebliche "wertneutrale" Maskulinum

Beitragvon Andreas Serloth » 12. Jänner 2012, 00:03

Ich hatte es schon gelesen. Sehr plausibel fand ich die Argumente zu den Stereotypitätseffekten, diese lassen sich (jedenfalls ad hoc) mal schwer durch anderes begründen als durch den Steuerungseffekt der Sprache. Das trifft auch meine persönlichen Erfahrungen.

Zum zweiten Problemkreis, "Unverständlich, aber besser gemerkt" (im Text unter diesem Zwischentitel) möcht ich noch Original gucken, das beschriebene Phänomen scheint mir nämlich ebensogut, wenn nicht besser, erklärbar durch optimales Ausbremsen der Lesegeschwindigkeit (langsamstes Lesen der gegebenen Alternativen: Generisches maskulinum, neutral, geschlechtsspezifische Einzelnennung -- hier also bei "Patient und Patientin" mehr als doppelter Aufwand) als durch den Gendereffekt.

Eine entsprechende (experimentell leicht zu erbringende) Konsolidierung der Ergebnisse würd ich mir noch wünschen. Aber auch wenn diese ausbleibt -- bleibt immer noch das Ergebnis, wonach "Patient und Patientin", aus welchem Grund auch immer, die besser Wahl.


as
Andreas Serloth
 

Re: Das angebliche "wertneutrale" Maskulinum

Beitragvon Brigitte Grohmann » 12. Jänner 2012, 00:50

Ich fände hier BTW Ursache und Wirkiung interessant. Ich meine, hätte man diese Studie vor 30 Jahren durchgeführt, wären die Versuchspersonen vielleicht weniger sensibilisiert gewesen und die Ergebnisse anders ausgefallen?


brigitte
If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to
fucking fuck it up because that cunt's a cunt.
- Tucker's Law
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Re: Das angebliche "wertneutrale" Maskulinum

Beitragvon Susanne Ofner » 12. Jänner 2012, 08:03

Untersuchungen dieser Art gab es eh vor 30 Jahren auch schon.
Da hab ich nur die Literatur nicht mehr parat und kann nicht nachschauen.
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Re: Das angebliche "wertneutrale" Maskulinum

Beitragvon Martin Polak » 13. Jänner 2012, 10:00

Okay, und was bedeutet das aber jetzt in der Praxis?
Binnen-I oder das explizite Erwähnen beider Pluralformen?

Martin
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Re: Das angebliche "wertneutrale" Maskulinum

Beitragvon Susanne Ofner » 13. Jänner 2012, 10:11

Martin Polak hat geschrieben:Okay, und was bedeutet das aber jetzt in der Praxis?
Binnen-I oder das explizite Erwähnen beider Pluralformen?


Nach Geschmack bzw. nach Gepflogenheiten.
Es geht darum, dass beide Geschlechter sprachlich sichtbar sind. Es genügt jedenfalls nicht, am Anfang eines längeren Textes zu schreiben, dass in den männlichen Formen die Frauen mitgemeint seien.

(Anmerkung der Vollständigkeit halber: Es ist mir bewusst, dass die Annahme einer polaren Zweigeschlechtlichkeit problematisch und unvollständig ist. Bitte mein Posting samt Link als Einstieg zu sehen und nicht als das volle Programm in allen seinen Verästelungen).
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Re: Das angebliche "wertneutrale" Maskulinum

Beitragvon Livia Rohrmoser » 13. Jänner 2012, 10:22

Susanne Ofner hat geschrieben:Nach Geschmack bzw. nach Gepflogenheiten.
Es geht darum, dass beide Geschlechter sprachlich sichtbar sind. Es genügt jedenfalls nicht, am Anfang eines längeren Textes zu schreiben, dass in den männlichen Formen die Frauen mitgemeint seien.


Ich hätte da ein paar Redaktionen, denen ich den Link schicken sollte...

Livia
Männer sind Schweine. Aber jede will doch ab und zu mal Schwein haben.
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Re: Das angebliche "wertneutrale" Maskulinum

Beitragvon Susanne Ofner » 13. Jänner 2012, 10:33

Livia Rohrmoser hat geschrieben:Ich hätte da ein paar Redaktionen, denen ich den Link schicken sollte...


:-))

Ich kenne auch welche.

Der jährliche Bericht zur Drogensituation in Österreich hingegen, den ich alljährlich übersetze, ist immer in geschlechtergerechter Sprache geschrieben, und er wird davon keineswegs unlesbarer.
Sie verwenden dort immer die Langformen ("Patientinnen und Patienten" etc.) und auch kreative Umschreibungsformulierungen, die dann ca. so aussehen: "Fachleute aus Medizin, Psychologie und Sozialarbeit" (statt "Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter").
Mit etwas gutem Willen geht das.
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Re: Das angebliche "wertneutrale" Maskulinum

Beitragvon viktor » 14. Jänner 2012, 03:03

Nun ja, meine Erfahrung ist, dass es schon recht aufwendig oder anstrengend ist, Artikel, Fürwörter und Hauptwörter in Sprache und Schrift zu "neutralisieren". Vielleicht fehlt's nur an der Übung, mag sein. Also ich mache das nicht oft.

Aber abgesehen davon, dass man sich schnellstmöglich für eine Vorgangsweise entscheiden sollte, wird sie auch dann nicht sehr schnell umgesetzt werden. Also werden die meisten Männer in Altsprech und Altschreibe weitermachen.

Warum dreht man den Spieß nicht einfach um: man verwendet bis zur offiziellen Lösung (Duden, Unterricht) einfach das wertneutrale Femininum! Das macht die Menschen stutzig, macht das Problem sichtbar und fördert sicher die Diskussion und Lösung.

Liebe Grüße,
Viktor
viktor
 

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