PISA - das Maß aller Dinge?
Ganztagsschule, Neue Mittelschule, Audimaxismus und die Folgen
Moderation: Susanne Ofner
Re: PISA - das Maß aller Dinge?
von Dieter Henkel » 14. November 2011, 09:36
Mit deiner Fragestellung nimmst du einen wichtigen Punkt weg - den des Textverständnisses und der Umsetzung eines realistischen Problems in eines der Mathematik. Bei deiner Fragestellung geht vollkommen unter, warum man das machen soll (wann gibt es gleich viele Apfel- und Nadelbäume?).
Re: PISA - das Maß aller Dinge?
von Brigitte Grohmann » 14. November 2011, 09:43
Kurt Radowisch hat geschrieben:Man muß auch an die Mitschüler nicht-Deutscher Muttersprache denken. Da kann es sein, daß das größte kosovarische Mathe-Talent schlecht abschneidet, weil er/sie einfach die Beispiele nicht versteht.
Der Kandidat hat 100 Punkte!
Es geht in dem Test nicht um das Mathematikverstaendnis, sondern darum, ob man die gelernte Mathematik im Leben einsetzen kann. Wenn man das Textbeispiel nicht versteht, ist etwas falsche gelaufen. Dann muessen die Alarmglocken schrillen. Leider wird das bei uns als Ausrede verwendet und nicht als Alarmzeichen. Aber diese Schueler leben spaeter hier als Erwachsene. Das ist das Problem im Schulsystem, und PISA legt den Finger auf die Wunde.
brigitte
If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to
fucking fuck it up because that cunt's a cunt.
- Tucker's Law
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Re: PISA - das Maß aller Dinge?
von Kurt Radowisch » 14. November 2011, 09:51
Gibt es für das "Sinnerfassende Lesen" nicht einen eigenen Test?
LG Kurt
LG Kurt
Re: PISA - das Maß aller Dinge?
von Martin Polak » 14. November 2011, 11:37
1) Sinnerfassendes Lesen und Inhalte in mathematische Sachverhalte übersetzen sind zwei Paar Schuhe. Letzteres setzt freilich ersteres, jedenfalls in einem gewissen Mass, voraus, aber deckungsgleich sind sie nicht.
2) Du hast freilich Recht, Kurt, eine quadratische Funktion und eine lineare Funktion schneiden sich mitunter an 2 Punkten, wie auch hier. Der eine Schnittpunkt ist aber gleichbedeutend mit der Aussage, dass der Garten die Größe 0 (in beliebigen Einheiten) hat. Wenn jemand 0 von etwas besitzt, spricht man i.A. nicht davon, dass er etwas besitzt.
Ich sehe übrigens das Problem nicht so sehr im Schulsystem, sondern im System Schule. Das Schulsystem (Vormittagsunterricht, Ganztagesschule, Gesamtschule oder nicht, ...) hat, glaub ich ehrlich gesagt, fast nix damit zu tun. Ich glaube auch nicht, dass die Lehrpläne viel Einfluss haben. Der größte Einfluss kommt IMO von den schlechten Lehrern, die oft keine Ahnung haben, wie sie Stoff vermitteln können/sollen, wie Lernen interessant wird etc. Meistens besteht der "Lernerfolg" ja daraus, dass man ein paar Dinge zusammenhanglos auswendig lernt und in genau diesem Schema abrufen kann, und das ist Unfug -- und genau so bleiben PISA-Aufgaben unlösbar. Wer den Zusammenhang von n^2 mit anderen Dingen (Flächen, ...) nicht erkennt, sondern n^2 nur in einem Schema als Inselwissen irgendwo parat hat, kann die Apfelbaumaufgabe nicht lösen. Wem klar ist, wie man auf eine Flächenformel überhaupt kommt (für ein Rechteck) etc., wem das Konzept "etwas ist gleich (viel/groß/...) wie etwas anderes" klar ist, der löst diese Aufgabe ohne mit der Wimper zu zucken.
Aber genau dieses "Insel- und Kochrezeptlernen" wird durch den Unterricht der meisten Lehrer forciert und gefördert und durch Tests und Schularbeiten belohnt (die nämlich nicht einem PISA-Test-ähnlichen Muster entsprechen, sondern wo das auswendiggelernte Schulübungsbeispiel mit veränderten Zahlen zur Schularbeit gegeben wird).
Es gibt da aber Änderung, nämlich im Zuge der Umstellung auf die Zentralmatura. Allerdings seh ich das auch mit gemischten Gefühlen, ich kenn (für Mathematik) das Konzept, die Idee und Beispielaufgaben, und mir graust. Es wird schlimmer, es wird noch (tw. viel!) mehr Wert darauf gelegt, etwas auswendigzulernen, ohne es zu verstehen, gerade eben in der Mathematik. Das wird alles noch weiter davon bringen, was man will: Verständnis und die Fähigkeit, das alles um- und einsetzen zu können.
Die Folge ist: Es wird dann, zwecks "Vergleichbarkeit", Beispiele/Fragestellungen geben, die man entweder kann, weil man sie auswendig gelernt hat, oder gar nicht kann, weils nicht so ist. (Nota bene: Ich selbst habe viele dieser Aufgaben NICHT beantworten können, gar nicht, und ich halte mich, jedenfalls was die Schulmathematik angeht, doch für einen recht guten Mathematiker -- was daran liegt, dass ich diese Stehsätze nicht kenne/kannte, die da gefragt sind!)
Soll heißen: Ich halte die gesamte Bildungsdebatte für viel, viel, viel zu oberflächlich, auch das Volksbegehren -- wenn auch das Anliegen per se durchaus meine Unterstützung findet, nicht aber die dahinterstehende Motivation. Es geht nämlich darum, was wie unterrichtet wird, wie es überprüft wird und wie es nach der Überprüfung (Schularbeiten) weitergeht. Ob Schüler am Nachmittag am Spielplatz spielen oder in der Schule halte ich für, jedenfalls was den Lernerfolg angeht, zweitrangig.
Martin
2) Du hast freilich Recht, Kurt, eine quadratische Funktion und eine lineare Funktion schneiden sich mitunter an 2 Punkten, wie auch hier. Der eine Schnittpunkt ist aber gleichbedeutend mit der Aussage, dass der Garten die Größe 0 (in beliebigen Einheiten) hat. Wenn jemand 0 von etwas besitzt, spricht man i.A. nicht davon, dass er etwas besitzt.
Ich sehe übrigens das Problem nicht so sehr im Schulsystem, sondern im System Schule. Das Schulsystem (Vormittagsunterricht, Ganztagesschule, Gesamtschule oder nicht, ...) hat, glaub ich ehrlich gesagt, fast nix damit zu tun. Ich glaube auch nicht, dass die Lehrpläne viel Einfluss haben. Der größte Einfluss kommt IMO von den schlechten Lehrern, die oft keine Ahnung haben, wie sie Stoff vermitteln können/sollen, wie Lernen interessant wird etc. Meistens besteht der "Lernerfolg" ja daraus, dass man ein paar Dinge zusammenhanglos auswendig lernt und in genau diesem Schema abrufen kann, und das ist Unfug -- und genau so bleiben PISA-Aufgaben unlösbar. Wer den Zusammenhang von n^2 mit anderen Dingen (Flächen, ...) nicht erkennt, sondern n^2 nur in einem Schema als Inselwissen irgendwo parat hat, kann die Apfelbaumaufgabe nicht lösen. Wem klar ist, wie man auf eine Flächenformel überhaupt kommt (für ein Rechteck) etc., wem das Konzept "etwas ist gleich (viel/groß/...) wie etwas anderes" klar ist, der löst diese Aufgabe ohne mit der Wimper zu zucken.
Aber genau dieses "Insel- und Kochrezeptlernen" wird durch den Unterricht der meisten Lehrer forciert und gefördert und durch Tests und Schularbeiten belohnt (die nämlich nicht einem PISA-Test-ähnlichen Muster entsprechen, sondern wo das auswendiggelernte Schulübungsbeispiel mit veränderten Zahlen zur Schularbeit gegeben wird).
Es gibt da aber Änderung, nämlich im Zuge der Umstellung auf die Zentralmatura. Allerdings seh ich das auch mit gemischten Gefühlen, ich kenn (für Mathematik) das Konzept, die Idee und Beispielaufgaben, und mir graust. Es wird schlimmer, es wird noch (tw. viel!) mehr Wert darauf gelegt, etwas auswendigzulernen, ohne es zu verstehen, gerade eben in der Mathematik. Das wird alles noch weiter davon bringen, was man will: Verständnis und die Fähigkeit, das alles um- und einsetzen zu können.
Die Folge ist: Es wird dann, zwecks "Vergleichbarkeit", Beispiele/Fragestellungen geben, die man entweder kann, weil man sie auswendig gelernt hat, oder gar nicht kann, weils nicht so ist. (Nota bene: Ich selbst habe viele dieser Aufgaben NICHT beantworten können, gar nicht, und ich halte mich, jedenfalls was die Schulmathematik angeht, doch für einen recht guten Mathematiker -- was daran liegt, dass ich diese Stehsätze nicht kenne/kannte, die da gefragt sind!)
Soll heißen: Ich halte die gesamte Bildungsdebatte für viel, viel, viel zu oberflächlich, auch das Volksbegehren -- wenn auch das Anliegen per se durchaus meine Unterstützung findet, nicht aber die dahinterstehende Motivation. Es geht nämlich darum, was wie unterrichtet wird, wie es überprüft wird und wie es nach der Überprüfung (Schularbeiten) weitergeht. Ob Schüler am Nachmittag am Spielplatz spielen oder in der Schule halte ich für, jedenfalls was den Lernerfolg angeht, zweitrangig.
Martin
Re: PISA - das Maß aller Dinge?
von Kurt Radowisch » 12. April 2012, 10:23
In den letzten Tagen steht in den Zeitungen, daß es einen neuen PISA-Test gibt.
Der PISA-Test wird - angeblich - anonym ausgewertet und geht nicht in die Benotung ein.
Also, wenn ich Schüler wäre, würde ich irgendwas ankreuzeln. Je schneller ich fertig bin, um so früher bin ich hier raus.
Ich habe ja nichts davon, wenn ich mich damit plage.
LG Kurt
Der PISA-Test wird - angeblich - anonym ausgewertet und geht nicht in die Benotung ein.
Also, wenn ich Schüler wäre, würde ich irgendwas ankreuzeln. Je schneller ich fertig bin, um so früher bin ich hier raus.
Ich habe ja nichts davon, wenn ich mich damit plage.
LG Kurt
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