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PISA - das Maß aller Dinge?

Ganztagsschule, Neue Mittelschule, Audimaxismus und die Folgen

Moderation: Susanne Ofner

PISA - das Maß aller Dinge?

Beitragvon Andreas Beer » 10. November 2011, 23:37

Wer sagt eigentlich, dass ein erfolgreicher PISA Test die Basis für Erfolg im Leben, in der Wirtschaft oder sonstwo ist?
Vielleicht sollte man einmal Leuten wie B. Gates, S. Jobs (ok, nicht mehr möglich), A. Schwarzenegger, C. Leitl, Ray Kroc, etc. etc. den Test vorlegen und schauen wie sie den bestehen. Würden diese "versagen" wäre das einfach statistisch blöd gelaufen oder kann vielleicht ein Test doch nicht alles über das Wohl und Wehe eines Landes verraten?
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Re: PISA - das Maß aller Dinge?

Beitragvon Andreas Serloth » 11. November 2011, 00:13

Naja, nur weil im ersten Rennen der Sieg an den "räudigen Klepper" ging, würdest du im nächsten Pferderennen auf den "hatscherten Leberkäs" setzen oder doch lieber auf den "strahlenden Blitz"? Statistiken erfassen halt nicht Einzelfälle, sondern Tendenzen: X Prozent derer mit Abschluss von nur Grundschule werden's nur zu einem Bruttoeinkommen von Y bringen. So schaut in etwa eine statistische Aussage aus. Dass es Ausreißer gibt, ist da schon berücksichtigt.

as
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Re: PISA - das Maß aller Dinge?

Beitragvon Andreas Beer » 11. November 2011, 06:59

Ja, aber wie gesagt, woran merkt man, dass der PISA Test ein Maßstab ist? Sind die Länder, wo die PISA Ergebnisse besser sind auch zb. wirtschaftlich besser gestellt?
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Re: PISA - das Maß aller Dinge?

Beitragvon Brigitte Grohmann » 11. November 2011, 09:06

Lieber Andreas, Einführungsvorlesung in Statistik: für jeden Bill Gates, der vielleicht nicht rechtschreiben kann, gibt es tausend John Smiths, die auch nicht rechtschreiben können und sich beim McDonalds als Laberlbrater durchgfretten. Das Argument ist keines, sondern schlicht Blödsinn.


brigitte
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Re: PISA - das Maß aller Dinge?

Beitragvon Andreas Beer » 11. November 2011, 09:08

ok, das sei damit als dumpfsinnig weggestellt:
aber zweite frage: wie sehr korrelieren positive pisa ergebnisse mit sonstigen wünschenswerten zielen?
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Re: PISA - das Maß aller Dinge?

Beitragvon Susanne Ofner » 11. November 2011, 09:29

Andreas Beer hat geschrieben:aber zweite frage: wie sehr korrelieren positive pisa ergebnisse mit sonstigen wünschenswerten zielen?


Die Frage ist, welche Ziele als wünschenswert definiert werden.

Ich selbst finde PISA auch nicht durchgehend das Gelbe vom Ei. Aber wenns ein Argument sein kann, um Österreichs mieses Bildungssystem in eine von mir bevorzugte Richtung zu verändern, kenne ich keinen Genierer und setze auch PISA zur Untermauerung meiner Forderungen ein.
Su
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Re: PISA - das Maß aller Dinge?

Beitragvon Martin Polak » 11. November 2011, 10:04

Wer von euch hat sich einmal PISA-Fragen angesehen?
Ich hab mir einige Fragen/Beispiele aus diversen Jahren angeschaut und muss sagen:
WOW.
Gut gemacht!
Und ich bin mir sicher, gerade Gates, Jobs und wie sie heißen hätten hervorragend abgeschnitten, aber ich bin mir auch sicher, dass das völlig egal ist.
Was will PISA messen? Und was misst es? Und was kann man aus den Ergebnissen für Einzelfälle und auch für statistische Gesamtheiten aussagen?
Die einfachste Antwort gibts auf die Frage, was PISA misst: Es misst die Fähigkeit von Schülern, Punkte beim PISA-Test zu erreichen.
Was PISA eigentlich messen will, ist unklar, und da liegt meiner Ansicht nach auch der Hund begraben. Es will "Schüler bewerten", tatsächlich bewertet es aber sicher nicht Schüler, sondern wenn schon dann Lehrer und das Schulsystem/den Unterricht.
Wenn man sich (Test-)Fragen ansieht, dann erkennt man, dass es hauptsächlich drum geht, einfach(st)e Sachverhalte zu verstehen, zu Denken und so Probleme zu lösen, und zwar ohne jedes (höhere) Vorwissen (dh. lesen sollte man schon können, addieren, subtrahieren und multiplizieren auch, aber das wars auch schon).
Ich glaub, jede Kritik an PISA von Leuten, die nicht zumindestens ein paar Fragen angesehen haben, ist unglaublich unfundiert.

Am Ende ist PISA sowas wie ein IQ-Test, jedenfalls sehr ähnlich dazu. Und ich glaube, entgegen manchem Kritiker, dass es tatsächlich gut wäre, wenn man in den Unterricht PISAoide Fragestellungen einfliessen lassen würde. Nicht, um beim PISA-Test besser abzuschneiden, sondern um das Denken zu schulen, nicht nur das ziemlich stupide Faktenwissen. (Auch das braucht man teilweise, natürlich, in der freien Wildbahn)
Die Frage verbleibt: Wozu soll man Denken können? Ist das wichtig, um Geld zu verdienen?
Ich glaube, es ist ein Wert an sich. Und ich glaube, dass unser Schulsystem gerade in diesem Punkt arge Defizite aufweist, da hilft keine Gesamtschule. Was hilft ist, Lehrer besser auszubilden. Das ist, glaub ich, der bei weitem wichtigste Parameter.

Martin

PS.: Beispielfragen:
http://www.oecd.org/document/20/0,3746, ... _1,00.html
Martin Polak
 

Re: PISA - das Maß aller Dinge?

Beitragvon Brigitte Grohmann » 11. November 2011, 11:16

Andreas Beer hat geschrieben:aber zweite frage: wie sehr korrelieren positive pisa ergebnisse mit sonstigen wünschenswerten zielen?

Was ist ein wünschenswertes Ziel (wie Su eh schon meinte). Im Ranking ganz oben sind sehr egalitäre liberale Länder wie Finnland oder Kanada, das halte ich zB für wünschenswert; aber auch autoritäre Drillgesellschaften wie Südkorea oder Singapur. Das halten aber die Südkoreaner wohl für wünschenswert.
ich halte es für wichtig, dass ein Land seinen Lebensstandard aufrechterhalten bzw. verbessern kann. Dafür muss seine Bevölkerung aber so gut wie möglich denken können, wie Martin das ausgeührt hat.
Die PISA-Ergebnisse von heute sind BTW nicht die Länder von heute, sondern die von übermorgen. Man kann daraus aber schön schließen, was ein Land für relevant hält, auch wenn sie mit sehr unterschiedlichen Mitteln zum Ziel kommen.


brigitte
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Re: PISA - das Maß aller Dinge?

Beitragvon Livia Rohrmoser » 11. November 2011, 15:00

Ganz grundsätzlich kann für mich ein einzelner Test nie das Maß aller Dinge sein, weil kein Test der Welt alles abfragen kann, was wichtig ist. Wie Su gesagt hat: Kommt drauf an, was man als Ziele definiert.
PISA ist halt ein Vergleichsmaßstab von vielen. Wenn du den Zusammenhang des Abschneidens von PISA mit anderen Themen wissen willst, stell die Daten nebeneinander. Du wirst sicher nirgends eine 100%-Korrelation finden, aber vielleicht Trends. (Ich weiß es nicht, ich habe es nicht probiert.)

Aber wer behauptet denn, dass PISA das Maß aller Dinge ist?
Livia
Männer sind Schweine. Aber jede will doch ab und zu mal Schwein haben.
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Re: PISA - das Maß aller Dinge?

Beitragvon Kurt Radowisch » 12. November 2011, 02:46

Ich habe mir ein paar Pisa-Beispiele ausgedruckt.

Dabei ist mir aufgefallen, daß (besonders bei den Mathematikbeispielen) die Aufgaben dermaßen verquer formuliert sind, daß ich mir die mehrmals durchlesen mußte, bevor ich kapiert habe, was die wollen, daß ich rechne.
Die gleiche Angabe hätte man mit viel weniger Worten wesentlich klarer formulieren können.

Die eigentliche Rechnung war dann die kleinere Übung.

LG Kurt
Kurt Radowisch
 

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