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Bologna?

Ganztagsschule, Neue Mittelschule, Audimaxismus und die Folgen

Moderation: Susanne Ofner

Bologna?

Beitragvon Harald Silvio Frassine » 7. Februar 2010, 00:18

Mitte Februar sind Demos rund um das Wiener Treffen des Bologna-Prozesses geplant. Aber was ist so bös an Bologna?

Den bisher nichtakademischen postsekundären Berufen (wie SozialarbeiterInnen, med.-techn. Dienste, Hebammen und PflichtschullehrerInnen) brachte Bologna den akademischen Grad, Bachelor oder Master.

Die Schattenseite: Der Doktorgrad ist oft nicht mehr zum Beenden eines Studiums nötig, udn zum Ergreifen des Berufes schon gar nicht. Es besteht die Gefahr, dass das weiterführende Studium nicht mehr bundesfinanziert ist, wie das etwa schon beim Masterstudium in Radiologietechnologie der Fall ist, das pro Semester (also viermal) Eur 2400,- kostet.

Ein Plus wiederum: Nach jedem Bologna-Studium kann im Ausland nahtlos weiterstudiert werden.

Wie seht ihr das?
Politik ist zu wichtig, um sie den PolitikerInnen zu überlassen. Skype Me™!
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Harald Silvio Frassine
 

Re: Bologna?

Beitragvon Martin Polak » 10. Februar 2010, 02:18

Da gibts verschiedenste Gründe:

1) Bologna soll die Mobilität von Studenten erhöhen (internationale Anrechenbarkeit und Vergleichbarkeit, Bakk hier, Master dort etc.). Tatsächlich hat Bologna (zumindest an der TU Wien) zu einer Einschränkung der Mobilität geführt, weil alle nach den ersten paar Semestern, wo dann bisher ein Auslandsaufenthalt eingelegt wurde, "schnell noch das Bakk fertig machen". Dann ist das Bakk fertig und in Wahrheit is dann Schluß mit Mobilität, man inskribiert den Master und muss den möglichst schnell durchziehen (sonst entfallen Beihilfen etc.). Die Auslandssemester sind deutlich zurückgegangen.

2) Es wird nicht-Vergleichbares "vergleichbar" gemacht, indem Bologna vorschreibt, dass jedes (Bakk/Master-) Studium genau 300 ECTS haben muss. Gleichzeitig sollen ECTS den realen Arbeitsaufwand widerspiegeln. Dh. es wird angenommen, dass jedes Studium genau gleichviel Arbeitsaufwand bedeutet. Nun haben verschiedene Studien aber verschiedene Semesterwochenstunden und verschiedene Schwierigkeitsgrade etc.; allerdings sind viele Dinge von den erreichten ECTS abhängig. Das führt dazu, dass technisch-naturwissenschaftliche Studienrichtungen grob benachteiligt sind, siehe
http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXII/M ... 000000.pdf
http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXII/M ... 000000.pdf
Dadurch ergibt sich, dass sowohl ein Studium mit 100 Semesterwochenstunden 300 ECTS bringt wie auch ein anderes mit 235. Dh. um einen ECTS zu erringen, muss der eine Student 2,35 mal mehr arbeiten als der andere. Daran sind aber verschiedene Leistungen gekoppelt (Familienbeihilfen etc.).

3) Es gibt Studienrichtungen -- gerade eben wieder technisch-naturwissenschaftliche -- wo ein Bakk unsinnig ist. Bisher hat man in den ersten 4 Semestern (technische-) Physikstudium die Mathematik erlernt, um damit die Physik überhaupt verstehen und betreiben zu können. Jetzt muss in den ersten paar Semestern aber auch sehr viel Physik untergebracht werden, auf Kosten der Mathematik. Das führt zu der kuriosen Situation, dass Studenten im jetzigen Studienplan Vorlesungen in theor. Physik nicht mehr besuchen (können), weil ihnen die Mathematik und die Grundkenntnisse fehlen (die großen Theorie-Vorlesungen mußten in 2 Teile geteilt werden, einer davon ist im Bakk, der andere im Master enthalten; die Wahlfächer sollten aber im ~5. Semester begonnen werden, bisher hatte man da schon die Theorie parat, jetzt eben nicht mehr, die kommt dann erst später, danach hat man aber keine Zeit mehr, weil man Diplomarbeit schreiben muß).

4) Die Studienpläne waren früher relativ frei und individuell zusammenstellbar. Viel Freiheit, viele Wahlfächer, ...
Das ist mit Bakk/Master dahin, da ist alles relativ verschult. Alle machen dasselbe, Spezialisierungen sind kaum mehr möglich, weil die Pläne durch den Druck, "etwas" nach 4/6 Semestern zu haben/wissen/können, viel mehr Pflichtteile in festen Reihenfolgen beinhalten müßen.

Tatsächlich wird oft argumentiert, dass man sich mit Bologna ja nur dem amerikanischen System, das so viel besser sein soll, anpasst. In Wahrheit aber haben die großen, guten und angesehenen (und erfolgreichen) Amerikanischen Universitäten, wie zB. das MIT, die Studienpläne ihrer technisch-naturwissenschaftlichen Studienrichtungen dem Europäischen angepasst, dort hat man jetzt 10-semestrige Studien, die man dann mit Bakk und Master zugleich abschließt (so wie unsere "alten" Diplomstudien), weil man dort erkannt hat, dass es in diesem Bereich keinen Sinn macht.
Wir haben also das von Amerika übernommen, wovon die Amerikaner erkannt haben, dass es nicht sinnvoll ist. Jetzt haben die Amis das europäische System, die Europäer das amerikanische.

Ich könnte jetzt noch weiter ausführen, sollte aber ins Bett. Alles in allem kann ich nur dem Rektor der TU (Skalicky) zustimmen: Bologna is a Schas.

Martin
Martin Polak
 


Re: Bologna!

Beitragvon Werner Rotter » 27. Februar 2010, 12:40

Jawoll, am 11. gipz eine Demo. Treffpunkt Westbahnhof. gegen den MinisterInnengipfel. nicht zu vergessen, die Workshops, die am Samstag, 13. abgehalten werden. Zu Lehre und Forschung in der Krise werden einige Beiträge erwartet.
w
Werner Rotter
 

Re: Bologna?

Beitragvon Harald Silvio Frassine » 27. Februar 2010, 13:42

ich lese gerade http://unsereuni.at/wp-content/uploads/ ... 022010.pdf und seh, dass die workshops schon am freitag beginnen, und gerade am freitag die crashworkshops zu den bolognabasics stattfinden.
allerdings: wo eigentlich?

und noch ein interesanter termin:
Beatrix Karl wird sich am 4.3. um 15:30 Uhr im Semperdepot (Lehárgasse 6,1060 Wien) den Fragen der Studierenden stellen.
Fragen können an die ÖH geschickt werden: hierbrennts@oeh.ac.at
Weitere Infos unter:
http://www.oeh.ac.at/blog/oeh_blog_deta ... 287ea312af
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Harald Silvio Frassine
 

Re: Bologna?

Beitragvon Harald Silvio Frassine » 9. März 2010, 08:59

würd mir hier eine diskussion über bologna wünschen!
vorerst wird aber einmal demonstriert: https://spreadsheets.google.com/ccc?key ... tQlE&hl=en

möchte euch übrigens besonders auf das [[eclat]]-konzert mittwoch 24h aufmerksam machen!
ort: heldInnenplatz, ersatzstandort votivpark:
http://auditoriummaximum.org/
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Harald Silvio Frassine
 

Re: Bologna?

Beitragvon Harald Silvio Frassine » 10. März 2010, 20:32

also am heldInnenplatz demonstriert zur zeit nur die polizei, die alles abgesperrt hat. mit einer gefahr werden die das nicht begründen können, wie aber sonst?

von de tibetdemo - http://www.auditoriummaximum.org/tprogram.pdf - war gegen 20h keine spur zu bemerken, obwohl sie bis 22h stattfinden sollte.

mal schaun, ob es das mitternächtliche konzert bei der votivkirche geben wird!
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Harald Silvio Frassine
 

Re: Bologna?

Beitragvon Dieter Henkel » 10. März 2010, 20:34

Harald Silvio Frassine hat geschrieben:also am heldInnenplatz

Wo ist der? Den kenne ich nicht.
Dieter Henkel
 

Re: Bologna?

Beitragvon Harald Silvio Frassine » 10. März 2010, 20:56

u3 herrINNENgasse, aufgang minoritINNENplatz.
(also passenderweise bei INNEN-ministerium...)
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Harald Silvio Frassine
 

Re: Bologna?

Beitragvon Brigitte Grohmann » 10. März 2010, 21:32

Harald Silvio Frassine hat geschrieben: minoritINNEN.

_Das_ will ich sehen. :-D


brigitte
If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to
fucking fuck it up because that cunt's a cunt.
- Tucker's Law
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Brigitte Grohmann
 


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