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Bei den Hausaufgaben helfen

Ganztagsschule, Neue Mittelschule, Audimaxismus und die Folgen

Moderation: Susanne Ofner

Re: Bei den Hausaufgaben helfen

Beitragvon Dieter Henkel » 23. März 2010, 22:23

Matthias Eder hat geschrieben:Hallo,

Das hier ist mein erster Post hier auf der blackbox.

Herzlich willkommen!

Grundsätzlich würde ich mal sagen, vieles das ich i.M. lerne bzw. wiederhole werde ich im späteren Leben nicht mehr benötigen (Wahrscheinlichkeitsrechnung - ja ; Was genau ein Tangens, Sinus oder Cosinus ist - nein)

Das hängt immer davon ab, was du in Zukunft machen wirst. Als Mathe-Lehrer wirst du es sehr wohl brauchen, als Sozialarbeiter eher weniger ;-)

Außerdem ist in unserer heutigen "IT-Gesellschaft" oder "Society 2.0" Wissen dank dem Internet frei verfügbar. Klar ist ein gewisser Grundstock von Wissen nötig, aber ich denke, der ist mit der Pflichtschule abgeschlossen.

Man braucht das Wissen mE vor allem um sich weiteres Wissen erwerben zu können.

Meiner Meinung nach, sollte man besonders den künftigen Maturaen/innen beibringen wie man diese Fülle an Informationen sortiert und wie man sich eine ganz persönliche Meinung bildet. Man muss durch die richtige Bildung die Bildung einer meinungslosen Masse verhindern. Nichts ist gefährlicher, dass wurde schon oft genug i.d. Geschichte bewiesen.

Absolute Zustimmung.
Dieter Henkel
 

Re: Bei den Hausaufgaben helfen

Beitragvon Thomas Wagner » 23. März 2010, 23:11

Matthias Eder hat geschrieben:Hallo,

Das hier ist mein erster Post hier auf der blackbox. Ich hab mich bei dem Thema Bildung gleich angesprochen gefühlt(bin 18 Jahre alt und mache gerade meine Matura auf einer AHS in NÖ).

Grundsätzlich würde ich mal sagen, vieles das ich i.M. lerne bzw. wiederhole werde ich im späteren Leben nicht mehr benötigen (Wahrscheinlichkeitsrechnung - ja ; Was genau ein Tangens, Sinus oder Cosinus ist - nein)


Hi Matthias,

Tangens, Sinus und Cosinus sind ein blödes Beispiel, die hab ich grad erst gebraucht :)

Wie schon vorher erwähnt, es kommt extrem drauf an was Du nachher machen wirst. Als Friseur wird man selbst die Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht brauchen, als Pokerprofi sicher. Als Softwareentwickler (wie ich) brauchst manchmal sogar Sinus, Cosinus, Tangens, Schnittstellenberechnung, Winkelberechnungen, etc. Heutzutage ist natürlich das Internet omnipräsent, ohne Internet hätt ich das vermutlich nie wieder abrufen können ;), aber zumindest die Grundlage war soweit da dass ich gewußt hab was ich ungefähr machen muß.

Also, vieles in der Schule macht schon Sinn, aber wenn Du natürlich Recht hast, weil andere Sachen brauchst eigentlich nie wieder. Andererseits ist ein gutes Allgemeinwissen sicher auch nicht zu verachten! ;)
Für mich gilt die Unschuldsvermutung!
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Thomas Wagner
 

Re: Bei den Hausaufgaben helfen

Beitragvon Peter Manfredini » 26. März 2010, 01:51

Brigitte Grohmann hat geschrieben:1. entweder war ich so ein kleines Genie oder der Stoff zu meiner Zeit leichter, aber mir hat nie jemand geholfen.


Mir eigentlich auch nicht.
Ich weiß nicht genau, was anders war, aber ich hatte ein Gespür dafür, wann ich lernen musste und wann nicht. Ich hatte eine Wiederholungsprüfung und einen Matura-Zusatz, aber im Wesentlichen habe ich die AHS allein geschafft. Meine Mädels haben sich unpackbar bis zur Matura gequält, und die Schule verursachte 14 Jhare lang Ausnahmezustand in der Familie. Ich brauch sowas nimmer...

Brigitte Grohmann hat geschrieben:3. Sollte es nicht Aufgabe der Schule sein, den Schülern das Zeug beizubringen? Lehrer regen dich auf, dass sie Sozialarbeiter spielen müssen. OK. Aber im Gegenzug wird ihre ureigenste Aufgabe, die Wissensvermittlung, an die Eltern ausgelagert? Das kann's ja wohl nicht sein?


LehrerInnen müssen heute viel mehr Funktionen erfüllen, die vor 30 Jahren durch das Autoritätsprinzip und die (halbwegs) funktionierenden Familienverhältnisse nicht zur Diskussion standen. Dafür hat sich der Lehrstoff gefühlsmäßig verzehnfacht und wird von unzeitgemäßem Ballast beschwert, der längst entsorgt oder in Spezialausbildungen verfrachtet gehört (Kurvendiskussionen, detailliertes Wissen über die Steinzeit, tektonische Kenntnisse der Erde, Lateinvokabeln, Pantoffeltierchen,...). Daraus entsteht eine Stoffmenge, aus der die LehrerInnen nur mehr Teile auswählen können oder – wenn sie vorbildlich sind – über Übersichten und Vergleiche das kritische Aneignen von nützlichen Wissen fördern.

Meine Mädels haben so viel Scheiße gelernt, die sie in ihrem Leben nie mehr brauchen werden, dafür können sie nicht mit Geld umgehen und keine Vertragsbedingungen lesen und schon gar haben sie gelernt, wie sie an Informationen kommen oder ein Problem selbständig lösen können. Sie waren zwar 12 Jahre in der Schule, bloß für das Leben haben sie ziemlich wenig gelernt.

Dini
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Peter Manfredini
 

Re: Bei den Hausaufgaben helfen

Beitragvon Brigitte Grohmann » 26. März 2010, 08:04

Peter Manfredini hat geschrieben:Dafür hat sich der Lehrstoff gefühlsmäßig verzehnfacht und wird von unzeitgemäßem Ballast beschwert, der längst entsorgt oder in Spezialausbildungen verfrachtet gehört (Kurvendiskussionen, detailliertes Wissen über die Steinzeit, tektonische Kenntnisse der Erde, Lateinvokabeln, Pantoffeltierchen,...).

Das hab ich aber auch alles gelernt :-)
Daraus entsteht eine Stoffmenge, aus der die LehrerInnen nur mehr Teile auswählen können oder – wenn sie vorbildlich sind – über Übersichten und Vergleiche das kritische Aneignen von nützlichen Wissen fördern.

Das war AFAIK aber schon immer so, dass der Lehrplan viel umfangreicher war als das tatsächlich unterrichtete.
Meine Mädels haben so viel Scheiße gelernt, die sie in ihrem Leben nie mehr brauchen werden, dafür können sie nicht mit Geld umgehen und keine Vertragsbedingungen lesen und schon gar haben sie gelernt, wie sie an Informationen kommen oder ein Problem selbständig lösen können. Sie waren zwar 12 Jahre in der Schule, bloß für das Leben haben sie ziemlich wenig gelernt.

Wenn man auf eine allgemeinbildende Schule geht, lernt man halt aus jedem Dorf einen Hund und nix richtig. Ob der Umgang mit Geld in der Schule gelehrt gehört, bezweifle ich irgendwie.
Dass Lehrer allerdings noch immer keine selbständigen Problemlösungen rüberbringen, deprimiert mich und macht mir für die Zukunft Angst :-(
If some cunt can fuck something up, that cunt will pick the worst possible time to
fucking fuck it up because that cunt's a cunt.
- Tucker's Law
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Brigitte Grohmann
 

Re: Bei den Hausaufgaben helfen

Beitragvon Dieter Henkel » 26. März 2010, 09:06

Peter Manfredini hat geschrieben:Dafür hat sich der Lehrstoff gefühlsmäßig verzehnfacht und wird von unzeitgemäßem Ballast beschwert, der längst entsorgt oder in Spezialausbildungen verfrachtet gehört (Kurvendiskussionen, detailliertes Wissen über die Steinzeit, tektonische Kenntnisse der Erde, Lateinvokabeln, Pantoffeltierchen,...).

Und das ist auch gut so. Es ist schließlich die Aufgabe einer AHS. Außerdem: Wer sagt dir, dass dieses Wissen nicht jemand braucht? Derjenige, der Mathematik unterrichten will, wird die Kurvendiskussionen sehr wohl brauchen, ebenso wie jemand, der einen technischen Beruf ergreifen will. Man kann nicht alles in ein Studium verschieben oder eine spezialisierte Schule und ein gerüttelt Maß an Allgemeinbildung kann keinem schaden. Dann weiß man zumindest in Grundzügen, worum es geht und sollte wissen, wo man mehr Information herbekommt.

Peter Manfredini hat geschrieben:schon gar haben sie gelernt, wie sie an Informationen kommen oder ein Problem selbständig lösen können. Sie waren zwar 12 Jahre in der Schule, bloß für das Leben haben sie ziemlich wenig gelernt.

Das liegt wahrscheinlich an den einzelnen Lehrern, denn ich habe auch schon das Gegenteil vernommen.


P.S.: Das Gejammere aller über zuviel Stoff und Ballast kann ich schon nicht mehr hören. Das war zu meiner Zeit genauso und zu der meiner Eltern ebenfalls. Scheint also in den gleichen Topf zu fallen wie das "Die heutige Jugend..." und "zu meiner Zeit hätt's das nicht gegeben."
Dieter Henkel
 

Re: Bei den Hausaufgaben helfen

Beitragvon Peter Manfredini » 27. März 2010, 18:31

Dieter Henkel hat geschrieben:Und das ist auch gut so. Es ist schließlich die Aufgabe einer AHS. Außerdem: Wer sagt dir, dass dieses Wissen nicht jemand braucht? Derjenige, der Mathematik unterrichten will, wird die Kurvendiskussionen sehr wohl brauchen, ebenso wie jemand, der einen technischen Beruf ergreifen will.


Natürlich. Und der angehende Sozialarbeiter? Ich habe nichts gegen Mathematik, soferne es nicht bis zur Maturaklasse mit 3–5 Wochenstunden geführt wrd (und dafür Geschichte mit 2 und Turnen mit einer).
Interessanterweise bieten die HBLA weitaus "praxis"nähere Allgemeinbildung als die AHS: Vertragsrecht (für den nächsten Handyvertrag), politische Bildung (für die Bundespräsidentenwahl) und Grundzüge der EDV (ohne die du heute kaum mehr einen Job bekommst).
Und die "Allgemeinbildende" Höhere Schule nervt dich mit Latein, das immer noch im Unterrichtsplan geführt wird, anstatt drei lebende Fremdsprachen anzubieten.

Versteh mich nicht falsch: Ich weiß noch ziemlich viel aus meiner Schulzeit (und kann bei Assinger jede Menge Fragen damit beantworten). Aber ob das wirklich "notwendiges" Wissen ist, würde ich stark bezweifeln.

Und "früher" war gar nichts besser. Aber jetzt auch nicht...

Dini
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Peter Manfredini
 

Re: Bei den Hausaufgaben helfen

Beitragvon Susanne Ofner » 7. April 2010, 12:11

Für mich wäre die Aufgabe von Schule/Bildung viel weiter gefasst und soll über das Vermitteln von Faktenwissen unbedingt hinausgehen.
Wir brauchen Schulen, in denen Teamwork und Umgang mit Diversität sowie Konflikten gelehrt/eingeübt wird.
Die soft skills wie Teamfähigkeit, Konfliktslösungspotenzial etc. sind enorm wichtig - in Betrieben, in der Politik, im Privatleben. Aber da wirds weitgehend dem Zufall überlassen, ob wer was in die Richtung drauf hat oder nicht.
Was nützt das größte Faktenwissen, wenn das Hirn, in dem es sich ansammelt, einem Fachidioten gehört, der im Umgang mit seinen KollegInnen (bzw. Untergebenen, wenn er der Chef ist) eine Niete ist und in erster Linie ein mieses Betriebsklima erzeugt?

(Jetzt mal ganz abgesehen von Sachen wie Friedensverhandlungen in Nahost, Afghanistan, Sudan etc. - wo solche Fähigkeiten nicht bloß das Betriebsklima verbessern, sondern letztlich über Menschenleben vs. Menschensterben entscheiden ...)
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Susanne Ofner
 

Re: Bei den Hausaufgaben helfen

Beitragvon Stefan Mackovik » 7. April 2010, 15:05

Susanne Ofner hat geschrieben:Für mich wäre die Aufgabe von Schule/Bildung viel weiter gefasst und soll über das Vermitteln von Faktenwissen unbedingt hinausgehen.
Wir brauchen Schulen, in denen Teamwork und Umgang mit Diversität sowie Konflikten gelehrt/eingeübt wird.
Die soft skills wie Teamfähigkeit, Konfliktslösungspotenzial etc. sind enorm wichtig - in Betrieben, in der Politik, im Privatleben. Aber da wirds weitgehend dem Zufall überlassen, ob wer was in die Richtung drauf hat oder nicht.
Was nützt das größte Faktenwissen, wenn das Hirn, in dem es sich ansammelt, einem Fachidioten gehört, der im Umgang mit seinen KollegInnen (bzw. Untergebenen, wenn er der Chef ist) eine Niete ist und in erster Linie ein mieses Betriebsklima erzeugt?

(Jetzt mal ganz abgesehen von Sachen wie Friedensverhandlungen in Nahost, Afghanistan, Sudan etc. - wo solche Fähigkeiten nicht bloß das Betriebsklima verbessern, sondern letztlich über Menschenleben vs. Menschensterben entscheiden ...)



Seh' ich auch so, vorallem da sich ja Wissen ständig verändert bzw. alte Erkenntnis über den Haufen, und neu gewonnen werden.

Insofern macht es auch nur begrenzt Sinn, "Fachwissen" zu vermitteln. Selbstverständlich ist es als solide Grundlage weiterhin notwendig, aber mindestens genauso wichtig, ist es, zu wissen, wie man mit bestimmten Dingen oder Situationen umgeht, und dass man lernt, alles kritisch zu hinterfragen - gerade letzteres ist nach wie vor sehr von Schulen und dem Engagement von Lehrer abhängig und kommt gerade deshalb oft zu kurz.

Stefan
Alfons Haider hat recht.
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Stefan Mackovik
 

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