Aktuelle "Bildungs"-"Politik"
Ganztagsschule, Neue Mittelschule, Audimaxismus und die Folgen
Moderation: Susanne Ofner
Aktuelle "Bildungs"-"Politik"
von Martin Polak » 11. November 2010, 13:12
Irgendwie finde ich, dass dieses wichtige Thema hier unterrepräsentiert ist, und wenn 2 andere User hier für rund 90% aller neuen Threads (und 1 User für 95% aller postings ;) ) verantwortlich sind, mach ich auch einmal etwas neues auf.
Es hat den Anschein, dass in den letzten Jahrzehnten jede/r neue Minister/in (einerseits für Unterricht, andererseits für Wissenschaft und Forschung) schlechter als sein/e/ihr/e Vorgänger/in (gendern kann kompliziert sein!) war. Ein paar "Anhaltspunkte":
Aktuell wird, wieder einmal, gespart, was aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Lage ja auch nicht weiter verwunderlich sein kann. Der EU-Wirtschafts- und Finanzausschuss ruft dazu auf, eben nicht bei Bildung und Forschung zu sparen, sondern umzuschichten und an anderen Enden zu sparen. Offensichtlich hört (nicht nur hierzulande) niemand darauf: Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen werden gegängelt (siehe aktuelle Diskussion), bei einigen wenigen wird mehr ausgegeben (überraschenderweise das Gugging-Projekt ISTA, von dem es hieß, dass es ja keinesfalls den existierenden Unis Geld wegnehmen würde etc.!)
Andererseits gibt es einige doch recht sorgfältig durchgeführte Studien, die zum Schluss kommen, dass Geld kaum einen Einfluss hat auf erzielte Bildungsleistung. (Genauso übrigens wie die Schulform(en), die Zeit, die Lernende in der Bildungseinrichtung verbringen und Klassengröße; der wichtigste Faktor, besagen diese Studien, ist wenig überraschend die Qualität der Lehrenden, dh. deren Ausbildung, Motivation und Vermittlungsfähigkeit). Allerdings werden diese Studien wiederum hierzulande kaum bis wenig diskutiert, weils leichter ist, die Sache oberflächlicher und mit mehr Grundstandpunkt/Profilierungs-Potential ("FÜR/GEGEN Gesamtschule" etc.) zu führen.
Andererseits stellt man fest: Österreich hat zu wenige Akademiker. Trotzdem will man (zukünftigen) Studenten das Studieren durch diverse Maßnahmen (Studiengebühren, Familienbeihilfe nur bis 24, zu wenig Finanzierung, um Studienplätze für alle zu schaffen...) erschweren, dann aber wiederum das "schnelle Abschließen" durch das Bak-System erleichtern und dadurch mehr "Akademiker" produzieren, die dann aber der Bund als Dienstgeber gar nicht als Akademiker einstuft (HÄ?) und die in der Wirtschaft kaum gewünscht sind. Dh. das Ziel scheint zu sein, die Aufenthaltsdauer an den Unis zu reduzieren, was allerdings dann wieder Auswirkungen auf die Qualität der Studien hat.
Dann wiederum will man die Studentenströme "lenken", und zwar in Richtung der allseits beworbenen MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Jetzt ist es so, dass ich selbst sozusagen 2 dieser Mint-Fächer abdecke und dem also gar nicht ungeneigt gegenüberstehe, aber wenn sich eine junge-IV-Vorsitzende (Therese Mitterbauer) öffentlich darüber geradezu aufregt, dass soviele Studenten nur ganz wenige Fächer studieren (BWL, Jus, Informatik (HÄÄÄ? Das IST ja MINT!)), SELBST aber Juristin ist, fragt man sich: Wie ernst nimmt die Frau sich selbst? Und wenn von der Frau Minister Karl in dasselbe Horn geblasen wird, sie aber ebenfalls -- Überraschung! -- Juristin ist, fragt man sich: Hallo? Wie glaubhaft seid ihr? Auf der MINT-Homepage macht Frau Mitterbauer Werbung für Naturwissenschaften, von denen sie vermutlich keine Ahnung hat.
Gleichzeitig aber stellt man fest: Es sind gerade genau die MINT-Fächer, die längere Studiendauern haben (sowohl Mindeststudiendauer um 2 Semester länger, als auch vom Aufwand her wesentlich mehr als andere Fächer), streicht aber den Anspruch auf Familienbeihilfe für Leute, die länger studieren (kein Wunder, bei MINT!) und machts damit madig, außerdem Macht man ebendiese Familienbeihilfe abhängig von ECTS, die in MINT-Fächern nachweislich wesentlich schwieriger zu erhalten sind, dh. man verdirbt diese Fächer doppelt, von denen man sich von lauter ahnungslosen Juristen anhören muss, dass sie supercool sind!
Auf der mint.at-homepage werden Vermutungen angestellt, warum nur wenige (Informatik? Wenige?) ein MINT-Fach belegen:
* Vorwissen zu gering
* Respekt zu groß
* "Verlegenheitsentscheidung" für ein Massenfach leichter (so wie halt Therese Mitterbauer, Beatrix Karl, Christoph Leitl und einige andere, die für MINT werben, es vorgelebt haben!)
Was da nicht steht:
* Längere Mindest- und Durschschnittsstudiendauer, damit wegfall der Familienbeihilfe vor Studienabschluss
* Zumeist wesentlich schwierigere Prüfungen
* Wesentlich weniger ECTS pro Stunde, obwohl Beihilfen etc. ECTS-Abhängig sind, damit viel leichterer Verlust von Beihilfen
* Tw. auch hier: Nicht genügend Laborplätze, damit Wartezeiten (selbst Erlebt in Physik und Chemie an der TU, zum Glück nicht mich selbst betreffend!)
Das sind nur ein paar Punkte, die mich nahezu rasend machen, wo ich mir denke, man will hier die Bevölkerung bewusst für blöd verkaufen.
Was haltet ihr davon? Vor allem jene, die vielleicht aus einem Universitätsfremden Umfeld kommen?
Martin
Es hat den Anschein, dass in den letzten Jahrzehnten jede/r neue Minister/in (einerseits für Unterricht, andererseits für Wissenschaft und Forschung) schlechter als sein/e/ihr/e Vorgänger/in (gendern kann kompliziert sein!) war. Ein paar "Anhaltspunkte":
Aktuell wird, wieder einmal, gespart, was aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Lage ja auch nicht weiter verwunderlich sein kann. Der EU-Wirtschafts- und Finanzausschuss ruft dazu auf, eben nicht bei Bildung und Forschung zu sparen, sondern umzuschichten und an anderen Enden zu sparen. Offensichtlich hört (nicht nur hierzulande) niemand darauf: Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen werden gegängelt (siehe aktuelle Diskussion), bei einigen wenigen wird mehr ausgegeben (überraschenderweise das Gugging-Projekt ISTA, von dem es hieß, dass es ja keinesfalls den existierenden Unis Geld wegnehmen würde etc.!)
Andererseits gibt es einige doch recht sorgfältig durchgeführte Studien, die zum Schluss kommen, dass Geld kaum einen Einfluss hat auf erzielte Bildungsleistung. (Genauso übrigens wie die Schulform(en), die Zeit, die Lernende in der Bildungseinrichtung verbringen und Klassengröße; der wichtigste Faktor, besagen diese Studien, ist wenig überraschend die Qualität der Lehrenden, dh. deren Ausbildung, Motivation und Vermittlungsfähigkeit). Allerdings werden diese Studien wiederum hierzulande kaum bis wenig diskutiert, weils leichter ist, die Sache oberflächlicher und mit mehr Grundstandpunkt/Profilierungs-Potential ("FÜR/GEGEN Gesamtschule" etc.) zu führen.
Andererseits stellt man fest: Österreich hat zu wenige Akademiker. Trotzdem will man (zukünftigen) Studenten das Studieren durch diverse Maßnahmen (Studiengebühren, Familienbeihilfe nur bis 24, zu wenig Finanzierung, um Studienplätze für alle zu schaffen...) erschweren, dann aber wiederum das "schnelle Abschließen" durch das Bak-System erleichtern und dadurch mehr "Akademiker" produzieren, die dann aber der Bund als Dienstgeber gar nicht als Akademiker einstuft (HÄ?) und die in der Wirtschaft kaum gewünscht sind. Dh. das Ziel scheint zu sein, die Aufenthaltsdauer an den Unis zu reduzieren, was allerdings dann wieder Auswirkungen auf die Qualität der Studien hat.
Dann wiederum will man die Studentenströme "lenken", und zwar in Richtung der allseits beworbenen MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Jetzt ist es so, dass ich selbst sozusagen 2 dieser Mint-Fächer abdecke und dem also gar nicht ungeneigt gegenüberstehe, aber wenn sich eine junge-IV-Vorsitzende (Therese Mitterbauer) öffentlich darüber geradezu aufregt, dass soviele Studenten nur ganz wenige Fächer studieren (BWL, Jus, Informatik (HÄÄÄ? Das IST ja MINT!)), SELBST aber Juristin ist, fragt man sich: Wie ernst nimmt die Frau sich selbst? Und wenn von der Frau Minister Karl in dasselbe Horn geblasen wird, sie aber ebenfalls -- Überraschung! -- Juristin ist, fragt man sich: Hallo? Wie glaubhaft seid ihr? Auf der MINT-Homepage macht Frau Mitterbauer Werbung für Naturwissenschaften, von denen sie vermutlich keine Ahnung hat.
Gleichzeitig aber stellt man fest: Es sind gerade genau die MINT-Fächer, die längere Studiendauern haben (sowohl Mindeststudiendauer um 2 Semester länger, als auch vom Aufwand her wesentlich mehr als andere Fächer), streicht aber den Anspruch auf Familienbeihilfe für Leute, die länger studieren (kein Wunder, bei MINT!) und machts damit madig, außerdem Macht man ebendiese Familienbeihilfe abhängig von ECTS, die in MINT-Fächern nachweislich wesentlich schwieriger zu erhalten sind, dh. man verdirbt diese Fächer doppelt, von denen man sich von lauter ahnungslosen Juristen anhören muss, dass sie supercool sind!
Auf der mint.at-homepage werden Vermutungen angestellt, warum nur wenige (Informatik? Wenige?) ein MINT-Fach belegen:
* Vorwissen zu gering
* Respekt zu groß
* "Verlegenheitsentscheidung" für ein Massenfach leichter (so wie halt Therese Mitterbauer, Beatrix Karl, Christoph Leitl und einige andere, die für MINT werben, es vorgelebt haben!)
Was da nicht steht:
* Längere Mindest- und Durschschnittsstudiendauer, damit wegfall der Familienbeihilfe vor Studienabschluss
* Zumeist wesentlich schwierigere Prüfungen
* Wesentlich weniger ECTS pro Stunde, obwohl Beihilfen etc. ECTS-Abhängig sind, damit viel leichterer Verlust von Beihilfen
* Tw. auch hier: Nicht genügend Laborplätze, damit Wartezeiten (selbst Erlebt in Physik und Chemie an der TU, zum Glück nicht mich selbst betreffend!)
Das sind nur ein paar Punkte, die mich nahezu rasend machen, wo ich mir denke, man will hier die Bevölkerung bewusst für blöd verkaufen.
Was haltet ihr davon? Vor allem jene, die vielleicht aus einem Universitätsfremden Umfeld kommen?
Martin
Re: Aktuelle "Bildungs"-"Politik"
von Michael Eisenriegler » 13. November 2010, 14:39
Das war ein bisserl viel auf einmal, und mir ist jetzt eigentlich nicht klar, worauf Du hinaus willst. Ich sehe das natürlich auch so, daß es bei uns mehr Akademiker bräuchte und nicht weniger. Als ehemaliger Studienabbrecher, der dann doch noch zu einem Bakkalaureus wurde bin ich aber gerade damit durchaus zufrieden.
Aber was war nochmal Deine Frage genau?
cu,
M.
Aber was war nochmal Deine Frage genau?
cu,
M.
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